Seit diesem Schuljahr haben Grundschulkinder einen Rechtsanspruch auf Ganztag. Die Stellen dafür gibt es, die Fachkräfte oft nicht. Und wer eingestellt ist, bleibt nicht unbedingt lange. Bildungsträger stehen damit vor zwei Problemen gleichzeitig: Sie müssen Leute finden und sie halten. Beim Gehalt können die wenigsten nachlegen. Müssen sie aber auch nicht als Erstes. Denn die Menschen, die in die Bildung gehen, suchen vor allem eines: eine Arbeit, die Sinn hat. Wer ihnen zeigt, wofür und wie bei ihm gearbeitet wird, findet die Leute, die passen. Und die bleiben.
Finden ist schwer. Halten ist schwerer.
Der Ganztag verschärft eine Lücke, die es schon lange gibt. Für einen flächendeckenden, gut ausgestatteten Ganztag beziffert das Fachkräfte-Radar der Bertelsmann Stiftung den zusätzlichen Bedarf auf mehr als 100.000 pädagogische Mitarbeitende (GEW). Dazu kommt ein strukturelles Problem: Im Ganztag gibt es wenig Vollzeitstellen (GEW). Wer eine Nachmittagsstelle ausschreibt, konkurriert mit Kitas und Schulen, die mehr Stunden bieten.
Noch teurer wird es, wenn Fachkräfte wieder gehen. Eine Verbleibstudie aus Bremen zeigt: Nur 36 Prozent der Erzieher*innen in Kitas arbeiten zehn Jahre nach dem Berufseinstieg noch im Berufsfeld (IAW Bremen). Die Gründe sind bekannt: Überlastung, zu wenig Wertschätzung, fehlende Vertretungsregeln (news4teachers).
Das Paradoxe daran: An der Motivation liegt es nicht. Die Leute starten mit viel Überzeugung in den Beruf. Sie gehen, weil der Alltag nicht hält, was sie sich davon versprochen haben.
Gehalt ist nicht egal. Aber es entscheidet nicht allein.
Ehrlich gesagt: Geld spielt eine Rolle. Fast die Hälfte der Gen Z (48 Prozent) und der Millennials (46 Prozent) fühlt sich finanziell nicht abgesichert (Deloitte Gen Z and Millennial Survey 2025). Wer so tut, als würde Sinn ein faires Gehalt ersetzen, verliert diese Bewerber*innen.
Gleichzeitig zeigt dieselbe Befragung von über 23.000 Menschen in 44 Ländern: Für 89 Prozent der Gen Z und 92 Prozent der Millennials ist Sinn in der Arbeit wichtig für Zufriedenheit und Wohlbefinden (Deloitte). Mehr als die Hälfte nennt ihn sehr wichtig, wenn sie potenzielle Arbeitgeber*innen bewerten.
In der Bildung ist das besonders deutlich. In einer OECD-Befragung sind 93 Prozent der Erzieher*innen in Deutschland mit ihrem Beruf zufrieden. Unzufrieden sind sie mit Bezahlung und gesellschaftlicher Wertschätzung (news4teachers). Der Sinn ist also da. Die Frage ist, ob ihn Bewerber*innen bei dir finden, bevor sie sich bewerben.
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Die teuerste Stelle ist die, die du zweimal besetzt
Jede Kündigung kostet. Laut Gallup liegen die Kosten für eine Neubesetzung beim Ein- bis Zweifachen des Jahresgehalts (Bezug auf Gallup). Eine Deloitte-Studie aus Österreich kam auf rund 14.900 Euro pro Fall, bei Organisationen unter 100 Beschäftigten auf rund 13.700 Euro (karriere.at). Für einen kleinen Träger ist das ein spürbarer Teil des Jahresbudgets.
In der Bildung kommt etwas hinzu, das in keiner Rechnung auftaucht: Jede offene Stelle verteilt die Arbeit auf weniger Schultern. Genau diese Überlastung ist einer der Hauptgründe, warum Fachkräfte gehen. So entsteht ein Kreislauf: Wer geht, macht es für die Bleibenden schwerer, und die nächste Kündigung wird wahrscheinlicher.
Diesen Kreislauf bremst nicht die schnellste Besetzung, sondern die passende. Wer vor der Bewerbung weiß, wie ein Träger arbeitet, welches pädagogische Konzept gilt und wie mit Belastung umgegangen wird, entscheidet sich bewusst. Wer sich bewusst entscheidet, erlebt weniger böse Überraschungen und bleibt eher.
Was das für dein Recruiting heißt
Purpose wirkt nur, wenn Bewerber*innen ihn sehen können. Drei Dinge helfen dabei:
- Konkret statt Floskel. „Wertschätzendes Team“ steht in jeder Anzeige. Aussagekräftig ist, wie euer Betreuungsschlüssel aussieht, wie Vertretung geregelt ist und welches pädagogische Konzept ihr lebt.
- Ehrlich über den Alltag. Wer Belastung verschweigt, findet sie in der Probezeit wieder, als Kündigung. Wer offen sagt, was schwer ist und was ihr dagegen tut, gewinnt Vertrauen.
- Dort suchen, wo Sinn gesucht wird. Wer gezielt nach Arbeit mit Wirkung sucht, scrollt nicht durch Tausende Industrie-Jobs.
Hier setzt GoodJobs an. Als kuratierte Jobplattform für Jobs mit Sinn erreichen wir Menschen, die bewusst nach gemeinwohlorientierten Arbeitgeber*innen suchen. Jedes Unternehmen wird vor der Aufnahme geprüft. Mit einem Company Profile zeigst du Werte, Kultur und Wirkung deiner Organisation, bevor die erste Bewerbung kommt. So bewerben sich Menschen, die wissen, worauf sie sich einlassen.
Fazit
Den Fachkräftemangel in der Bildung löst kein einzelner Träger. Gehälter, Gruppengrößen und Ausbildung werden politisch entschieden. Wie du rekrutierst, entscheidest du selbst. Wer zeigt, wofür bei ihm gearbeitet wird, und ehrlich sagt, wie, findet seltener die schnellste Besetzung. Aber öfter die, die bleibt.