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Psychologie

Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz verbessern – So geht's!

Wie Organisationskultur in Unternehmen zu mehr Wohlbefinden und Zufriedenheit im Arbeitsleben führt, erklärt die Organisationsdesignerin Nora Dietrich.

Leonard Gabriel Heygster

08.06.2022

Psychotherapeutin und Organisationsdesignerin Nora Dietrich

Nora Dietrich

Nora Dietrich, Psychotherapeutin und Organisationsdesignerin aus Berlin beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema der mentalen Gesundheit im ökonomischen Kontext – aus einer menschenzentrierten Perspektive. Im humansarehappy Podcast spricht sie über die Arbeitswelt – warum sie oft unzufrieden macht und wie wir selbst oder Organisationen das ändern könnten. 

Dabei geht es nicht nur um individuelles Verhalten, sondern auch über Organisationskultur in Unternehmen: Wie sollte beides gestaltet werden, um mentale Gesundheit, Zufriedenheit und Wohlbefinden von Mitarbeitenden zu stärken?

Macht Arbeit unzufrieden?

Mittels zusammengetragener Studienzahlen belegt Nora Dietrich, wie Arbeit sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken kann. Das heißt logischerweise nicht, dass Arbeit zwangsläufig immer negative Folgen hat – dennoch erleben viele Menschen negative Beziehungserfahrungen mit Kolleg*innen, erfahren fehlende Wertschätzung seitens der Führungskraft oder sehen sich mit einer unrealistisch hohen Arbeitsbelastung konfrontiert.

Doch die belastenden Faktoren auf der Arbeit sind oft das Resultat eines strukturellen Problems: Wirtschaftliches Handeln erfolgt immer noch nach dem Bild des rationalen und augenscheinlich ökonomisch sinnvoll handelnden sowie profitorientierten homo oeconomicus – und entspricht damit einem Bild, das real nicht existiert. 

Eine transparente Organisationskultur, die in der Unternehmensstrategie sichtbar wird, Verantwortung für Mitarbeitende sowie die Frage nach einem gemeinsamen Verständnis von Leadership und Zusammenarbeit kann die mentale Gesundheit aller Beteiligten positiv beeinflussen.   

Mentale Gesundheit als strategische Ziel

Wie die Organisationskultur eines Unternehmens aussehen müsste, damit das Wohlbefinden der Mitarbeitenden gefördert werden kann, erklärt Nora Dietrich: Erst einmal gelte es aus Perspektive der Organisation zu erörtern, wo sie im Thema mentale Gesundheit stehe, um im nächsten Schritt mehr Bewusstsein schaffen zu können. Dabei könne auf drei Ebenen agiert werden: auf der individuellen Ebene, der Beziehungsebene im Team und im Gesamtkontext der Organisation. 

Doch wie können Organisationen ganz konkret die mentale Gesundheit und damit letztendlich das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden fördern? Dietrich vertritt die Ansicht, dass Mental Health als strategisches Ziel eines Unternehmens definiert werden sollte – als Investition, die sich lohnt. Sie verweist dabei auf Studien, die belegen, dass jeder in Mental Health investierte Dollar einen Ertrag von 4–5 Dollar bringe. 

Dabei sieht sie dieses Vorgehen als Brücke auf dem Weg dahin an, Mental Health als selbstverständlichen Bestandteil einer Unternehmenskultur zu etablieren. Firmen müssten weg vom reinen Profitgedanken, hin zum menschenzentrierten, realistischen Handeln mit individuellem Fokus – Stichwort: New Work.

Individuellen Stress reduzieren

Auf der individuellen Ebene einer*s Mitarbeitenden besteht Stress aus drei Komponenten: 

1. den externen Stressoren – also allen Belastungsfaktoren, die von außen kommen (zum Beispiel ein hoher Workload)

2. Wichtiger sind die internen Stressoren, die bis zu 90 Prozent der Stressreaktion ausmachen. Sie sind von Person zu Person unterschiedlich ausgeprägt und bestehen aus dem Umgang mit Erwartungsdruck und eigenen Glaubenssätzen. 

3. Wer lernt, eigene Muster zu verstehen und zu hinterfragen, kann die eigene Stressreaktion – der dritte Faktor und das sichtbare Resultat von Stress – gezielt reduzieren. 

Ein wichtiger Bestandteil von Stressmanagement sei es, persönliche Grenzen zu setzen. Dabei verrät Nora Dietrich eine von ihr angewendete Strategie: Bei Arbeitsanfragen frage sie sich immer zwei Dinge: „Ist das Ganze eine Einladung oder ist das eine Erwartung?“ und „Wenn ich dazu Ja sage, wozu sage ich dann Nein?“. Diese Fragen schaffen schnell eine persönliche Entscheidungs- und Bewertungsgrundlage: „Muss ich da sein oder möchte ich da sein?“ 

„Ich glaube, mentale Gesundheit ist kein Dekoartikel, sondern eine grundlegende Lebenseinstellung. Und es lohnt sich, zu investieren“, erklärt die Organisationsdesignerin. 

Das gesamte Gespräch mit Nora Dietrich gibt es im humansarehappy Podcast

humansarehappy schafft Verständnis für die Entstehung von Wohlbefinden und vereint wissenschaftliche Aspekte der Glücksforschung mit praktischen Methoden und inspirierenden Lebensgeschichten. 

Im dazugehörigen Podcast spricht Leonard Gabriel Heygster mit Menschen aus den Bereichen Wissenschaft, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu den Themen Wohlbefinden und Sinnerfahrung.  

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