Diversität

Klischeefreie Berufswahl – So findet ihr divers Nachwuchskräfte!

Im April findet der Girls’ und Boys’Day statt. Was genau diesen ausmacht und wie Unternehmen eine klischeefreie, geschlechtergerechte Berufswahl fördern, lest ihr hier.

Julia Dillan

21.04.2022

Gesicht mit Post It Notizzetteln im Gesicht - auf den Zetteln stehen Begriffe: Erwartungen, Gesellschaft, Sexualität , Gender, Normen

Yasin Yusuf via Unsplash

Am 28.04. findet wieder der diesjährige Girls’ und Boys’Day statt. Was genau diesen ausmacht, warum die Initiative so wichtig ist und was Unternehmen außerdem tun können, um eine klischeefreie, geschlechtergerechte Berufswahl zu fördern, lest ihr in diesem Artikel.

Wie geschlechtergerecht ist unsere Arbeitswelt schon?

Durch die Impulse, die der Feminismus im gesellschaftlichen Diskurs setzt, wird immer wieder der Schein erweckt, unsere Gesellschaft sei emanzipiert. Wenn wir uns den Trend in den letzten Jahrzehnten anschauen, wird zwar ein positiver Prozess sichtbar, allerdings sind die Unterschiede immer noch groß – insbesondere in typisch männlich oder weiblich konnotierten Berufsfeldern. 

So liegt der Männeranteil in Kindertagesstätten aktuell bei nur rund 7 Prozent – und das obwohl er sich seit 2011 schon verdoppelt hat. Auch in den MINT-Fächern an Hochschulen ist die Anzahl der weiblichen Studierenden in den letzten zehn Jahren von knapp 29 Prozent auf knapp 31 Prozent gestiegen. Wenn aus der Status Quo etwas allgemeiner betrachtet wird, wird deutlich, dass 2020 ein weitaus größerer Anteil aller betrieblichen Auszubildenden männlich waren (65 Prozent) Im Handwerk beispielsweise herrscht ein großer Mangel an Frauen – nur 17,3 Prozent der Auszubildenden ist weiblich. Das Gegenstück stellen z. B. freie Berufe, wie medizinische Fachangestellte dar: In diesem Bereich sind nur 8,7 Prozent der Azubis männlich. Der Anteil der Studierenden in Deutschland ist hingegen sehr ausgeglichen.

*Disclaimer: Leider stützen sich diese Recherchen auf Studien des Statistischen Bundesamtes, die das binäre Geschlechtersystem reproduzieren. Es wird weiterhin nur in die zwei Kategorien “Frauen” und “Männer” eingeteilt, denen z. B. nicht binäre Menschen oft einfach einer zugeordnet werden. Dennoch helfen uns die Statistiken, Tendenzen und Entwicklungen zu erkennen.

Was ist der Girls’ bzw. Boys’Day?

Schon früh bilden sich bei jungen Menschen Interessen und leider werden weiterhin Geschlechterklischees verstärkt – sowohl durch das soziale Umfeld als auch die selbst gemachten Erfahrungen. Aus dem Grund ist es wichtig, mit diversen Orientierungsangeboten den Horizont der Kinder zu erweitern und Klischees entgegenzusteuern. Zum Beispiel durch Informatik-AGs für Mädchen. Oder eben durch Schnuppertage in diverse Berufsfelder.

Im Rahmen der Aktionstage Girls’Day und Boys’Day haben Schüler*innen jedes Jahr im April die Gelegenheit, bundesweit Berufe und Studiengänge zu erkunden, die vermeintlich untypisch für ihr Geschlecht sind – bei denen also der Anteil des eigenen Geschlechts unter 40 Prozent liegt. Unternehmen, Hochschulen und Organisationen öffnen ihre Türen oder laden zum virtuellen Kennenlernen ein. Mädchen probieren sich hierbei in Technik, Handwerk, Naturwissenschaften sowie IT aus, Jungen in den Bereichen Soziales, Erziehung und Bildung, Pflege und Gesundheit. Wichtig ist dabei: Der Fokus liegt nicht darauf, Menschen in Bereiche zu drängen, die nicht mit ihrem Geschlecht konnotiert werden, sondern ihnen vielmehr die Möglichkeit zu geben, sich auszuprobieren und Interessen zu entdecken.

Die Relevanz von solchen Praxiserfahrungen wurde auch vermehrt in der Coronapandemie deutlich: Durch Home Office, fehlende Möglichkeiten für die Praxis vorort und das allgemeine Sicherheitsbedürfnis in dieser Zeit wählen junge Menschen wieder vermehrt traditionelle Berufsbilder. 

Möglichkeiten für Unternehmen, teilzunehmen

Für die jeweiligen Schnuppertage können Unternehmen digitale und analoge Angebote eintragen lassen und so Kinder ab Klasse 5 einen Einblick in das Berufsfeld geben. 38 Prozent der Unternehmen erhalten z.B. später Bewerbungen von ehemaligen Girls’Day Teilnehmerinnen. Über den ‘Radar’ der jeweiligen Webseite melden sich die Kinder und Jugendlichen online oder telefonisch für das für sie interessante Angebot an – wodurch sie auch zusätzlich versichert sind. Dieses Jahr gibt es bisher rund 53 Tausend Plätze für analoge Veranstaltungen und rund 37 Tausend für digitale. Bei dem Boys’Day sind es bislang noch sehr viel weniger – rund 23 Tausend Plätze. Wir denken, da geht noch was! Bis zum 27. April kann sich noch angemeldet werden. Eine hilfreiche Checkliste, sowie Ideen für Online-Angebote zum Girls’Day findet ihr hier. Die gleichen Informationen für den Boys’Day gibt es hier

Und sonst? Junge Menschen in ihrer Berufswahl supporten

Auch wenn die Zeit jetzt vielleicht etwas zu knapp ist, um ein komplettes Angebot auf die Beine zu stellen, gibt es auch den Rest des Jahres viele Möglichkeiten, um klischeefreie Berufswahl zu supporten.

  1. Praktikumsangebote

Ein Praktikum ist die ideale Möglichkeit, um Nachwuchstalente zu inspirieren und einen Einblick in ein potenzielles Berufsfeld zu geben. Der Girls’ und Boys’Day sind tolle Angebote, allerdings reicht ein Tag selten aus, um all die Bereiche zu zeigen, die die jungen Menschen interessieren. Schon vor dem Schulabschluss gibt es für Schüler*innen viele Möglichkeiten, um Praktika zu absolvieren, sei es für zwei Wochen in den Sommerferien oder als Pflichtpraktikum in der neunten Klasse. Aber auch während des Studiums bieten sich diverse Möglichkeiten, Praktika zu durchlaufen. Nutzt die Chance, potenzielle Auszubildende oder Fachkräfte kennenzulernen! 

  1. Achtet darauf, wie ihr Bewerber*innen ansprecht

“Es hat sich gezeigt, dass die normalerweise benutzte Sprache in Stellenanzeigen in vielen Fällen auf weibliche Talente abschreckend wirkt. Die Wortwahl in Stellenausschreibungen wird nämlich von Frauen und Männern ganz unterschiedlich interpretiert. Das lässt sich auf unsere Sozialisierung zurückführen. Verkürzt gesagt werden Jungen darin gefördert, sich kompetitiv zu verhalten, und Mädchen darin, sich kooperativ zu verhalten.” Verrückt ist, dass Unternehmen durch standardisierte Stellenanzeigen womöglich eine Vielzahl an Bewerber*innen vergraulen, denen dies wahrscheinlich selbst nicht einmal bewusst ist. Was an den Formulierungen geändert werden kann, lest ihr in diesem Artikel.

  1. Bewerbungsprozesse neugestalten

Wie Unternehmen ihr Recruiting gestalten, ist selbstverständlich ihnen überlassen. Ein Denkanstoß: Welche Hürden müssen marginalisierte Gruppen von Menschen in verschiedenen Berufen eventuell meistern? Vielleicht haben sie Diskriminierungserfahrungen im Bewerbungsprozess erlebt, wurden womöglich aufgrund eines nicht-deutsch klingenden Nachnamen benachteiligt oder es hat für betroffene Personen einfach sehr lange gedauert, bis eine Einladung zum Vorstellungsgespräch kam – ohne erkennbaren Grund. Vielleicht wird eine Hürde ja schon mal durch anonymisierte Verfahren genommen? Oder durch Probeaufgaben zum Testen der Fähigkeiten? Vielleicht habt ihr noch ganz andere Ideen auf Lager – seid kreativ und gebt Menschen jede Möglichkeit, ihre Fähigkeiten und Motivation unter Beweis zu stellen.

  1. Wissen ist Macht!

Es ist unglaublich wichtig, dass wir (als Gesellschaft, als Mitarbeiter*innen und als Unternehmen) verstehen, wie Ungleichheiten zustandekommen, Stereotype sich bilden und wie alle Menschen als Mitarbeiter*innen ins Team integriert werden können. Regelmäßige Workshops zum Thema Diversität und Inklusion sind dabei unserer Meinung nach ein Muss für Unternehmen. 

  1. Supportet und empowered eure Mitarbeiter*innen!

Wahrscheinlich der wichtigste Punkt: Wenn das Arbeitsklima stimmt und die Zusammenarbeit wertschätzend und auf Augenhöhe geschieht, haltet ihr eure Mitarbeiter*innen und helft ihnen, als Vorbilder für die Nachwuchsgenerationen zu agieren. Nichts ist wertvoller, als ein starkes, selbstbewusstes Team, dass richtig Lust auf den Job hat und damit anderen zeigt, dass sie ihren Weg ganz genauso gehen können!

Mehr erfahren:

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Schaut auch bei unserer Partnerorganisation “Initiative Klischeefrei” vorbei – dort gibt es regelmäßig Informationen und kostenfreie Workshops zum Thema Berufs- und Studienwahl.

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