Stephie und Philipp haben im August ihre öko-soziale Kreativagentur Das Gute Ruft geschlossen, um 4 Wochen Vollzeit Klimaaktivismus zu betreiben. Im Interview erzählen sie uns mehr von ihrem Klimastreik und geben Tipps, wie Unternehmen in Zeiten der Klimakrise aktiv werden können. 

Warum habt ihr euch für einen Monat Klimastreik entschieden?

Es war wichtig für uns, unsere Agenturarbeit bei „Das Gute Ruft” für einen Monat niederzulegen, um Zeit und Raum für mehr Klimaaktivismus zu schaffen. Wir sehen als Kreativagentur eine große Chance darin, Instrumente des ethischen Marketings für Klimakommunikation einzusetzen. 

Ethisches Marketing ist werte- und menschenbasiert und fokussiert sich auf authentische Kommunikation und langfristige, vertrauensvolle Beziehungen. Konventionelles Marketing, das zum Ziel hat, Absatz um jeden Preis zu fördern, ist ein maßgeblicher Treiber der Probleme, mit denen wir uns derzeit konfrontiert sehen. Die großen ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nur schwer mit konventionellen, altbekannten Methoden angehen – das gilt natürlich auch für Marketing und Kommunikation. Ethisches Marketing wird der Aufgabe gerecht, Menschen zu inspirieren, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen und sie in Veränderungsprozesse auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit einzubeziehen.

Mit unserem Streik haben wir uns für eine verantwortungsvolle, nachhaltige, empathische, gemeinschaftliche, entschleunigte, soziale, suffiziente und leidfreie Zukunft eingesetzt. Wir glauben trotz aller Hürden immer noch daran, dass ein gutes Leben für alle möglich ist, ohne Menschen in anderen Teilen der Welt und die endlichen Ressourcen der Erde auszubeuten.

Gleichzeitig möchten wir natürlich gerne auch ein positives Signal senden: Uns ist bewusst, dass nicht jedes Unternehmen einen ganzen Monat in den Klimastreik gehen kann. Einen Tag, beziehungsweise einige Stunden sind in Zeiten der Klimakrise jedoch für viele möglich. Es gibt uns Hoffnung, dass sich viele Unternehmen für den globalen Klimastreik am 20.09 aussprechen, und ihren Mitarbeiter*innen für die Demonstration frei geben. Bei uns ist der Termin natürlich auch schon dick im Kalender markiert!

Was bedeutet „Klimaaktivismus” für euch und wie lässt sich das übertragen?

Klimaaktivismus bedeutet für uns ein Mix aus Grafiken, Illustrationen und Mini-Kampagnen, aber auch lokalen Aktionen vor Ort, Demonstrationen oder Kommunikation mit Organisationen. Vielfältige Herausforderungen in einer vielfältigen Gesellschaft erfordern vielfältige Maßnahmen.

Auch wer keinen ganzen Monat die Unternehmenstätigkeiten runterfahren kann, hat die Möglichkeit, etwas zu verändern. In Zeiten der Klimakrise gibt es viele kleine und größere Schritte, die Unternehmen und Organisationen antreten können, um auf eine ökologischere Zukunft hinzuarbeiten. Im folgenden Bild haben wir einige Tipps aus wichtigen Bereichen visualisiert.

Bunte Illustration zum Klimastreik im August von Das Gute Ruft. Verschiedene Aktivitäten aus dem Monat sind illustriert dargestellt, z.B. Bäume gießen, Stephie und Philipp On Air beim Radio, Extinction Rebellion Onboarding, Schneeballsystem des Guten
Der bunte Klimaaktivismus von Das Gute Ruft
© Das Gute Ruft

Energie

- Wechsel zu (echtem) Ökostrom

Energie-Einsparoptionen prüfen

Mobilität

Alternative Mobilität fördern, zum Beispiel Firmenfahrrad statt Firmenauto, bezahlte oder gut bezuschusste ÖPNV-Tickets

Banking

Geschäftskonto bei einer ökologischen oder sozialen Bank, der Fair Finance Guide bietet eine gute Übersicht

Ernährung

- Eigener Gemüsegarten statt Kickertisch

- Kantine / Mittagstisch mit veganem, regionalen Essen + veganes Catering auf Events

- Gemüsebox für Mitarbeiter*innen, z.B. Etepetete (krummes Gemüse)

Vermarktung

- Ökologisches Website-Hosting

- Im Unternehmen gelebte Nachhaltigkeit in die Kommunikation einfließen lassen, um den Wirkungskreis zu vergrößern (kein Greenwashing)

Materialbeschaffung und Logistik, z.B. Büromaterial

- Nachhaltiger Büromittelbedarf, z.B. über Memo

- Lange Transportwege vermeiden 

Büroorganisation & Teamevents

- Mülltrennung und Abfallvermeidung

- Hinweise, wenig und doppelseitig zu drucken

- Gemeinsame Nachhaltigkeits-Thementage, z.B. einmal monatlich 

Reichweite nutzen, Mitarbeiter*innen Aktivismus ermöglichen

- Teilnahme am Klimastreik am 20.9

- 1 x monatlich gemeinsamer Demobesuch für alle Interessierten

Was genau habt ihr in eurem Klimaaktivismus-Monat gemacht?

Die Mischung war bunt und genau das hat uns super gefallen! Uns war klar, dass wir in einem Monat nicht die neue magische Erfolgsformel für Klimakommunikation oder Klimaschutz finden würden. Im Vorfeld haben wir über mehrere Wochen eine lange Liste mit Ideen und Inspirationen angefertigt, um die Klimakrise zu kommunizieren und Menschen in Bewegung zu versetzen. Die Hypothese: Es gibt bereits genug wissenschaftliche Fakten zur Klimakrise, ein weiterer Artikel über schmelzende Gletscher wird die Menschen nicht in Bewegung versetzen.  

Dass wir es nicht schaffen, alle Ideen umzusetzen, war absehbar, dafür müssten wir wohl Vollzeit-Klimaaktivist*innen werden. Jedoch ist ein buntes Potpourri an größeren und kleinen Aktionen, die wir begleitet oder angestoßen haben, entstanden. Hier ein paar unserer persönlichen Highlights:  

Besuch und Vortrag auf dem Green Camp „Schneeballsystem des Guten – Wie können wir die Klimakrise kommunizieren und Menschen in Bewegung versetzen?” zusammen mit rehab republic

- Launch der „Loving The Atmosphere” Kampagne – für weniger bis gar keine geschäftlichen Flüge

#istDreckiger Challenge auf Instagram – mit Augenzwinkern: Fotos an dreckigen Orten mit Hinweis auf dreckige Industrien

- Durch Dürre geschwächte Bäume mit #GießtKölle bewässern

- Teilnahme an der Instagram Illustrations-Challenge #animalsInClimateChange

- Demoschilder und Masken basteln & Besuch des Animals Rights March 

- Besuch des Extinction Rebellion OnBoarding, Anmeldung, grafische Mitarbeit und Teilnahme an einem Swarming

- Eintauchen ins FoodSharing Netzwerk: Lebensmittelrettung in Köln

Bunte Illustration, mittig platziert ein Unternehmensgebäude mit begrüntem Dach und Photovoltaik; von dem Gebäude sternförmig ausgehend 8 Bereiche, die im Artikel aufgelistet sind, mit Illustrationen visualisiert.
Nachhaltigkeit in Unternehmen
© Das Gute Ruft

Was ist das Resümee und wie geht es weiter?

Der Monat hat uns persönlich gefordert, inspiriert und auch unsere Werte und Ausrichtung in der Agenturarbeit noch einmal geschärft: Eine soziale und klimagerechte Transformation hin zu einem besseren Leben für Alle bleibt unser großes Anliegen, das wir sowohl privat als auch beruflich weiter verfolgen werden.

Unabhängig vom Klimaaktivismus-Monat und unserer Agenturarbeit mit öko-sozialen Projekten werden wir in verschiedenen ehrenamtlichen Projekten aktiv sein, die wir auch schon vor dem Klima-August begleitet haben: Herzensthemen machen keinen Feierabend. Unsere Ideensammlung für kleine und große Aktionen rund um Klimaschutz wird (hoffentlich) nicht in der Schublade verschwinden, sondern nach und nach umgesetzt.

Wir haben wieder mal gemerkt, dass unterschiedliche Menschen auf unterschiedliche Weise aktiviert werden. Während manche Menschen gerne einen Pledge unterschreiben und ihre Stimme für die Mobilitätswende einsetzen, lassen sich andere gern durch Grafiken und Challenges mit Augenzwinkern inspirieren. 

Der Monat hat uns gezeigt, dass Kommunikation in Worten, Bildern und Aktionen die Kraft hat, Menschen zu begeistern. Egal, ob es ein lustiges Meme ist, das gerne geteilt wird oder ein ansprechender Leitfaden für Unternehmen, die sich mehr fürs Klima engagieren möchten. Es gibt zwar unzählig viele Herausforderungen, aber auch ebenso viele positive Stellschrauben! 

Unser Ziel ist es, Unternehmen und Menschen für den schrittweisen Wandel zu mehr Nachhaltigkeit zu motivieren – denn der tut nicht nur dem Planeten gut, sondern hat auch viel mit einem wohltuenden Arbeits- und Privatumfeld zu tun.

Ein wichtiger Termin, der bei uns in nächster Zeit natürlich ansteht: der 20.09.2019 – wir sind gespannt auf den globalen Klimastreik, darauf, wie viele Menschen auf die Straße gehen und was sich daraus ergibt! Seid ihr auch dabei?

 

Wir sind Stephie Keilholz und Philipp Stakenborg von Das Gute Ruft, einer öko-sozialen Kreativagentur aus Köln. Unsere Kund*innen sind Sozialunternehmen, NGOs und ökologische Projekte, mit denen wir im Bereich ethisches Marketing, Wordpress-Websites sowie Design und Layout zusammenarbeiten. Unser Ziel? Menschen erreichen und mobilisieren, um positive Wirkung zu vergrößern. www.dasguteruft.de