Wenn die Tage kürzer werden und der Lockdown auf die Stimmung schlägt, ist es umso wichtiger, gut für sich zu sorgen. Damit wir unser Wohlbefinden aufrechterhalten oder zurückgewinnen, hilft die innere Einkehr und die selbstfürsorgliche Beantwortung der Fragen: Wie geht es mir? Was brauche ich? Wie hole ich das in mein Leben?

Der Schlüssel zu seelischer Gesundheit 

Selbstfürsorge – als Inbegriff der positiven Selbstzuwendung – meint sowohl eine Haltung als auch ein Verhalten uns selbst gegenüber. Die drei wesentlichen Zutaten sind: Selbstwertschätzung, Selbstwahrnehmung, Selbstverantwortung. Wenn wir diesen drei Elementen Raum in unserem Alltag zusprechen, stärken wir unsere Gesundheit. Denn Selbstfürsorge kann je nach Einsatz aktivieren oder entspannen, macht uns präventiv widerstandsfähig, unterstützt die Stressregulation und lindert kurativ sogar Schmerzen – ein wahres Wundermittel! 

Achtung Stolpersteine

Wenn es doch nur positive Effekte gibt, warum fällt es uns so schwer, Selbstfürsorge in unseren Alltag zu integrieren? Was steht ihr entgegen? Wir alle kennen solche Argumente, die uns davon abhalten, das zu tun, was uns guttäte: „Ich habe keine Zeit!“, „Morgen fang ich an!“, „Noch brauche ich keine Pause!“, „Ich möchte niemandem zur Last fallen!“. Alle diese Sätze führen dazu, dass wir entweder weiter über unsere Grenzen hinaus gehen oder nicht früh genug innehalten, um eine Atempause einzulegen. 

Innere Antreiber 

Aber was bringt uns dazu, unsere Grenzen nicht zu wahren? Ein Beweggrund können innere Antreiber (nach Rüttinger) sein, die vor allem in Stresssituationen aktiviert werden. Meist sind sie jahrelange, treue Begleiter*innen, die wir gar nicht mehr bewusst wahrnehmen, weil wir uns so sehr an ihre Anwesenheit gewöhnt haben. „Sei perfekt!“, „Mach schnell!“, „Streng dich an!“, „Mach es allen recht!“ und „Sei stark!“ sind die Mantras, die uns auf Trab halten. Den Antreibertest nach Rüttinger und eine entsprechende automatische Auswertung mit Glaubenssätzen, Ressourcen und Erlaubern findet ihr zum Beispiel beim Coachingkompetenz Zentrum. Wenn wir uns die Zeit nehmen, uns mit uns selbst und unseren Antreibern auseinanderzusetzen, üben wir Selbstfürsorge. Wir werden uns unserer selbst mehr bewusst und können erst dann neue Verhaltensweisen ausprobieren, um Bedürfnisse zu stillen. 

Wertschätzung, Wahrnehmung, Verantwortung 

Eine wirksame, selbstfürsorgliche Routine, die den Blick auf das Gelingende und Wohltuende richtet, ist ein Journal oder Tagebuch. Im Rahmen von täglichen Selbstreflexionen können zum Beispiel folgende Sätze vervollständigt werden: „Heute bin ich stolz auf mich, weil... Gerade fühle ich mich... Mein nächster Selfcare Move ist...“ Indem ich reflektiere, worauf ich stolz bin, lege ich meinen Fokus bewusst auf das Gute an mir und schätze mich wert. Durch das Innehalten und Nachspüren meines Befindens (Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen) schule ich meine Selbstwahrnehmung. Und die Formulierung des nächsten Schritts in Sachen Selbstfürsorge lässt mich verbindlich und selbstverantwortlich für mich einstehen. Damit ist der Dreiklang perfekt! 

Selbstcoachingfragen

• Was tut mir gut? Was entspannt mich? Was stimmt mich positiv?

• Wie geht es mir? Was brauche ich? Wie hole ich das in mein Leben?

• Worauf bin ich stolz? Wofür schätze ich mich? Was schätzen andere an mir?

• Was sind da gerade für Gedanken? Was sind da für Gefühle? Was sind da für Körperempfindungen?

• Wie kann ich mir Gutes tun? Wodurch kann ich zu meinem Wohlbefinden beitragen? Was ist mein nächster Selfcare Move?
 


Katharina Schuler arbeitet als Psychologin und Beraterin mit Klient*innen zu Themen der beruflichen Orientierung und persönlichen Entwicklung. Ihre Mission: Menschen auf dem Weg zu mehr Selbstkenntnis, mehr Wachstum und mehr Sinn zu begleiten. Sie liebt den Zauber von Veränderung und Neuanfängen!