Es ist Frühjahr 2021. Erste warme Sonnenstrahlen locken ins Freie. Wir treffen uns mit engsten Freunden im Straßencafé. Es ist ein altbekanntes Gefühl, was uns so sehr gefehlt hat im vergangenen Jahr und doch etwas anderes, als der gelegentliche Facetime-Anruf. Ein Gefühl von Freiheit, unendlicher Weite, Geselligkeit und Verbundenheit. Es mischt sich mit Dankbarkeit darüber, dass wir es geschafft haben. 

Des Virus demokratische Botschaft

Es ist egal, wohin wir schauen. Corona hatte uns 2020 alle im Griff – und ‚alle‘ hieß auch wirklich alle. Bis in die hinterletzte Ecke unseres Planeten. Zutiefst „demokratisch“ verbreitete sich der Virus, ohne vor Ländergrenzen halt zu machen. Ob arm, ob reich, ob jung, ob alt – es konnte einfach jede*n treffen. Und gleichzeitig waren die Folgen und deren Bekämpfung höchst unterschiedlich. Besonders betraf es Kranke und Schwache sowie ältere Menschen. Besonders in Ländern mit schlecht ausgebauten Gesundheitssystemen. Und im Nachhinein konnten wir sehen, dass die Sterberate während der Krise nicht zuletzt daran hing. 

Verletzung an der Hauptschlagader

Genau so schnell wie der Corona-Virus, so schnell verteilten sich die Auswirkungen und die Nachrichten über deren Folgen. Aufträge, Bestellungen, Buchungen, Events, Veranstaltungen – alles, was stornierbar war, wurde storniert. Gerade Branchen wie das Gastgewerbe, die Reisebranche, Veranstaltungsgewerbe und alle von der Globalisierung profitierenden Unternehmen litten unter dem sogenannten „Shutdown“, dem Stillstand von Wirtschaft und Gesellschaft für mehrere Monate. Gerade die Kleinstunternehmen, unter ihnen viele Freiberufler*innen, die kleinen und mittleren Unternehmen waren besonders davon betroffen. Auch einige unserer Freund*innen mussten ihre Geschäfte schließen und von ihren Rücklagen leben oder staatliche Hilfen in Anspruch nehmen. Gleichzeitig zeigte sich auf das Eindrucksvollste, wer in Krisenzeiten ‚systemrelevant‘ war. Und doch, es existiert in 2021 immer noch eine Wirtschaft. Sicherlich nicht die gleiche wie zuvor, aber vielleicht eine Wirtschaft die solidarischer ist und nachhaltiger ist.

Der Kollaps blieb aus

Wir blicken auf Unternehmen, die sich gegenseitig geholfen und unterstützt haben. In einer Zeit, in der durch Angst und Panik getroffene Entscheidungen möglicherweise zu Beginn dominierten. So haben viele Unternehmen möglichst lange versucht, Mitarbeiter*innen nicht zu kündigen und Aufträge zu stornieren. Sie haben auf Kurzarbeit umgestellt, um den Angestellten wenigstens ein Stück weit Sicherheit zu bieten. Sie haben ihre Aufträge zwar heruntergefahren, jedoch nicht ganz eingestampft. So konnten Selbstständige, Freiberufler und Unternehmen in einen neuen, wertschätzenden Dialog miteinander treten und Ergebnisse für alle auf Augenhöhe und mit Respekt schaffen. Das konnte den zunächst vorhergesagten Kollaps umschiffen. Und ja, es gab auch eine Reihe von gerade kleineren Unternehmen, die in der Krise nach einigen Monaten doch nicht mehr überleben konnten. Aber einige Unternehmer*innen haben sich auch während dieser Zeit neu erfunden, sind neue Wege gegangen und haben, vom Erlebnis der Krise geprägt, nachhaltige Unternehmensideen geschaffen. Die Startup-Branche lebt eindrucksvoll in diesem Frühjahr wieder auf. Auch deshalb, weil Politik - und damit unsere Gesellschaft - weiterhin mit Förderprogrammen zur Verfügung steht.  

Distanz schuf solidarische Nähe 

Wenn wir auf 2020 blicken, fällt uns auf, welch ungeahnte Kreativität im Umgang mit der Krise entstehen durfte. Die Gesellschaft durchlebte eine Zeit der Stille - durch den Virus verordnet. Stille kann beängstigend sein, gleichzeitig schafft sie viel Raum an Kreativität. Nachbarschaftshilfe, Junge für Alte, ein neues Miteinander von Balkon zu Balkon, eine neue Nähe entstand – gerade und wegen der notwendigen Distanz zueinander. Menschen, die sich bisher nicht kannten, musizierten gemeinsam von Balkon zu Balkon, sie halfen einander und waren digital miteinander verbunden – viel stärker noch als vorher. Ein neues Gefühl der Gemeinschaft half darüber hinweg das Einzelschicksal zu überwinden – ohne in Gruppenkämpfen zu enden, sondern nur mit einem gemeinsamen Feind: dem Corona-Virus. 

Ein Quantensprung bei New Work und Digitalisierung 

Von heute auf morgen waren skeptische Unternehmer gezwungen, ihren Mitarbeiter*innen Vertrauen zu schenken. Darauf, dass sie auch im Homeoffice ihre Leistung erbringen. Und viele ihrer Angestellten fanden schnell neuen Sinn in dem, was sie tun. Nicht nur die Lebensretter im Gesundheitswesen, die monatelang am Rande der Erschöpfung um Menschenleben rangen. Sondern auch die Büro-Angestellten, die sich vielleicht bisher eingerichtet hatten in ihrem Berufsleben. Die ihren Sinn eher im Privatleben fanden. Die keine Angst vor dem Jobverlust zu befürchten hatten. Auch die fanden neuen Sinn darin, mit ihren Arbeitgebern um das wirtschaftliche Überleben zu kämpfen. Stichwort „Digitalisierung“: Was noch 2019 nicht möglich war, wurde 2020 Realität. Ob Widerstände auf Arbeitgeber- oder Arbeitnehmerseite – digitale Zusammenarbeit wurde zum Standard und zwar quasi über Nacht. Auch in der Bildung, wo Lehrkräfte ihren Schüler*innen über Monate den Lernfortschritt über das Internet sicherten und dabei selbst die größten Fortschritte in der Digitalisierung erzielten. Zum Jahresbeginn 2020 hätte wahrscheinlich noch niemand geglaubt, dass die Schule so schnell digitalisiert werden könnte. 

Neue Glaubwürdigkeit der Politik und Gesellschaft 

Wenn wir fast schon wehmütig auf 2020 zurückblicken, liegen Monate hinter uns, in denen wir unsere Freiheitsrechte über Wochen stark eingeschränkt sahen. Für den Teil unserer Bevölkerung, die sich im Osten Deutschlands die Freiheit über Jahre erkämpfen musste, ein Déjà-vu der besonderen Art. Umso mehr hilft dabei das Erlebnis, dass die Demokratie es schafft, eine notwendige Beschränkung der Grundrechte zeitlich zu begrenzen und nach einer Notlage zur Normalität überzugehen. Gerade dadurch, dass die Politik aus der Not heraus ein Stück weit auch „autoritär“ mit Ausgangssperren und Verboten handeln musste, schuf sie gleichfalls Vertrauen in die Vertreter*innen unserer Gesellschaft, die damit zum höchsten Wohle aller handelten. Und dazu noch eine weitere gute Nachricht: Populismus konnte gerade in diesen stürmischen Zeiten sein wahres Gesicht zeigen, nämlich dem Totalausfall von Antworten für die dringlichen Probleme der Menschen. 

Bewusstsein aus dem Wissen über Verletzlichkeit 

Eines haben wir im Frühjahr 2021 alle gemeinsam. Wir wissen heute, dass die Welt und jede*r Einzelne*r höchst verletzlich ist. Und auch, dass wir es überlebt haben. Dieses Wissen, was wir selbst erfahren haben, schafft Bewusstsein darüber, was wirklich wichtig ist. Die Ausnahmeerfahrung der Corona-Krise zeichnet sich aus durch das Überwinden unserer subjektiven und auch der kollektiven Angst. Nämlich das Erlebnis, dass wir es tatsächlich schaffen können, eine globale Gefahr abzuwenden. Wir wissen das ‚Kleine‘ wieder zu schätzen, die Nähe zu einander, die Natur um uns herum. Wir kommunizieren wieder offener miteinander, ehrlicher und transparenter. Und wir haben ein neues Bewusstsein für das große Ganze entwickelt. Die Verbindung miteinander rund um den Globus. Vor dem Hintergrund dieser neuen Erfahrungen werden sich Einzelne die Frage gestellt haben: „Was ist wirklich wichtig für mich im Leben?“. So wie auch schon vor der Corona-Krise die Sinnsucher*innen bei GoodJobs

Der Zauber des Neuanfangs 

Krisen haben eines gemeinsam: sie gehen vorüber. Und jede Krise birgt in sich Chancen. Die Welt, die 2020 plötzlich stillstand, erscheint uns heute wie eine Vollbremsung bei Maximaltempo. Wohlstand und Glück schienen sich an den Wachstumsraten der Volkswirtschaften zu bemessen, deren Treibstoff in Globalisierung und Digitalisierung auszumachen war. Gleichzeitig gingen Kinder und Jugendliche auf die Straße, weil ihre Eltern und Großeltern mit ihrem Gesellschaftsmodell vermeintlich „den Karren an die Wand fuhren“. Die Auswirkungen des Klimawandels waren auch 2020 schon nicht mehr zu übersehen. Und eindrucksvoll hat Corona gezeigt, wie sich der Himmel über China wieder von braun zu blau färben konnte. Womöglich wären wir dazu auch als Menschheit im Stande? Umso bezeichnender, dass das Corona-Virus gerade dieser neuen Generation kaum zu schaffen machte. Vielleicht war die Zeit weltweiter Klima-Proteste auch nur der Prolog für das, was 2020 kommen sollte. Ein Virus, das jedem Einzelnen mehrere Wochen Isolation verschaffen sollte und damit die Chance für sich, das eigene Leben und seinen eigenen Sinn zu reflektieren. Einige haben sich im Sommer 2020 abgelenkt, von ihrem eigenen Schicksal, durch die mediale Wucht der Digitalisierung, aber viele haben ganz neue Seiten in ihrem Leben entdeckt und in der Stille zu sich selbst und damit zum Großen und Ganzen gefunden. Quasi virales Marketing mit dem besten im Sinn. Und genau darin lag die Chance, wenn wir im Frühjahr 2021 auf dieses Jahr zurückblicken werden.  

Martin Steinbach, Katrin Felicitas Czorny, Cash oder Karma, Mindset, Money, persönliche Freiheit, finanzielle Freiheit, Coaches© Sonja Yasmin Fotografie

Martin Steinbach & Katrin Felicitas Czorny sind Gastgeber des Podcasts  „Cash oder Karma“. Als Coaches für Money & Mindset fördern sie Menschen bei ihrem Weg zur persönlichen Freiheit, die gerade (aber nicht nur) bei Frauen über die finanzielle Freiheit führt. In ihrem Podcast halten sie nicht nur einen Spiegel vor, sondern geben Inspiration und Hilfsmittel an die Hand für die persönliche Entwicklung und für nachhaltiges Business.