Psychologie

Emotionale Intelligenz – Was ist das eigentlich?

Softskills in der Bewerbung? Was emotionale Intelligenz ausmacht und warum sie im Arbeitskontext als wichtigste Kompetenz der Zukunft gehandelt wird.

Insa Germerott

03.02.2022

Nahaufnahme blaues Auge

Amanda Dalbjörn via Unsplash

Nicht nur in unserem Privatleben in Beziehungen zu anderen Menschen spielt sie eine große Rolle, auch im Arbeitsalltag steht sie bereits als wichtigste Kernkompetenz der Zukunft zur Debatte: Emotionale Intelligenz ist in den letzten Jahren vor allem in Bewerbungsgesprächen zu einer ausschlaggebenden Größe geworden. Laut einer Studie des Psychologen und Bestseller-Autors Daniel Goleman mache sie sogar 50 Prozent der Bewertung eines*r Bewerber*in aus – Fachwissen und Intelligenzquotient würden dagegen jeweils nur zu 25 Prozent einfließen. 

Im ersten Teil zu diesem Thema erfahrt ihr, was emotionale Intelligenz eigentlich genau ist und warum sie im Arbeitskontext mittlerweile so wichtig ist. Nächste Woche gehen wir dann auf die Frage ein, ob man sie auch trainieren kann.

Junges Konzept, großer Impact

So beliebt der Begriff inzwischen ist, so ,neu’ ist aber auch das Konzept der emotionalen Intelligenz: Erst 1990 benannten der Psychologe John D. Mayer und der Sozialpsychologe Peter Salovey die Fähigkeit, eigene Gefühle und die der Mitmenschen wahrnehmen, verstehen und angemessen darauf reagieren zu können. Richtig berühmt wurde der Begriff aber erst fünf Jahre später, als der Psychologe Daniel Goleman 1995 seinen Bestseller "EQ. Emotionale Intelligenz" veröffentlichte. Heute ist emotionale Intelligenz ein Trendbegriff und besonders in der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken.

Goleman hat in seinem Bestseller fünf Kompetenzen definiert, die einen emotional intelligenten Menschen ausmachen und auf die heute in Unternehmen viel Wert gelegt wird:

Selbstwahrnehmung 

Menschen, die eine gute Selbstwahrnehmung haben, sind imstande, ihre eigenen Fähigkeiten, Gefühle und daraus resultierende Bedürfnisse bewusst wahrzunehmen und einzuschätzen. Das bildet die Grundlage für einen achtsamen Umgang mit sich und den eigenen Gefühlen sowie für die Kommunikation mit anderen über die eigenen Bedürfnisse. Im Arbeitskontext werden Menschen mit einer guten Selbstwahrnehmung aufgrund ihrer realistischen Selbsteinschätzung und guten Selbstorganisation geschätzt. 

Selbstregulierung

Die Fähigkeit zur Selbstregulierung bezeichnet eine bewusste Impulskontrolle. Menschen, die diese Fähigkeit besitzen, sind sich nicht nur ihrer Gefühle bewusst, sondern können auch steuern, wie sehr sie diese in einem bestimmten Moment nach außen treten lassen. Wichtig ist hierbei: Die Kompetenz sollte – gerade in Unternehmen – auf keinen Fall missverstanden werden, indem du deine wahren Anliegen und Gefühle immer für dich behältst. Es geht eher darum, impulsiv aufkommende Emotionen wahrzunehmen und zuerst einen Umgang damit zu finden, bevor man sie anderen kommuniziert. Gerade in Führungspositionen ist diese Kompetenz besonders wichtig, denn: Selbstregulierung sorgt für eine notwendige Professionalität, gerade auf Führungsebene, aber auch für eine angenehme Feedbackkultur und Arbeitsatmosphäre. 

Empathie

Empathischen Menschen fällt es leichter, sich in ihre Mitmenschen hineinzuversetzen und deren Gefühle sowohl wahrzunehmen als auch auf sie einzugehen. Empathische Menschen legen mehr Wert darauf, zuzuhören, nachzufragen, zu versuchen Gefühle zu verstehen und zu akzeptieren – jedoch ist das natürlich kein abgeschlossener Prozess. In einem Team ist diese Kompetenz besonders wichtig, denn sie sorgt dafür, dass ein gutes Arbeitsklima und ein Vertrauensverhältnis untereinander entstehen kann. Menschen mit viel Empathie wissen, wie sie Mitarbeitende und Kolleg*innen motivieren können und wie man gemeinsam Lösungen für Probleme findet. Für Führungspersonen spielt Empathie eine wichtige Rolle, da sie mithilfe dieser Kompetenz besser einschätzen können, wie es um die Fähigkeiten ihrer Mitarbeitenden steht. So können Führungskräfte nicht nur angemessen Verantwortung übernehmen, sondern Mitarbeitenden auch das Vertrauen entgegenbringen, eigenverantwortlich an Projekten zu arbeiten. 

Motivation

Die Motivation beschreibt bei Goleman den Umgang mit Stress und die Bereitschaft, erforderliche Handlungen umzusetzen. Dieser Begriff taucht heute auch oft als ‘Resilienz’ auf und steht mittlerweile in der Kritik: Es ist wichtig, zu wissen, mit welchen Entspannungstechniken du Stress bewältigen kannst, um deinen Aufgaben nachgehen zu können, ohne dabei dauerhaft überfordert zu sein. Allerdings solltest du unpassende Rahmenbedingungen – gerade im Arbeitskontext – nicht langfristig mit den richtigen Bewältigungsmethoden hinnehmen, sondern eher etwas an den Arbeitsbedingungen ändern. 

Soziale Kompetenz

Die soziale Kompetenz bezieht sich darauf, sich selbst in verschiedenen Beziehungen zu anderen, als Teil einer Gesellschaft zu verstehen und sich dementsprechend rücksichtsvoll zu verhalten. In Unternehmen ist dieser Faktor speziell in Teams wichtig, um die eigene Rolle zu finden, mit allen Beteiligten respektvoll umzugehen, Belange der Kolleg*innen zu berücksichtigen und gemeinschaftlich Kompromisse finden zu können. 

 

Wie du siehst, hat emotionale Intelligenz nicht nur viel mit deinem Einfühlungsvermögen und sozialen Kompetenzen zu tun, sondern vor allem auch mit dir und deiner Selbstwahrnehmung. Sei dir bewusst, dass alle deine Wahrnehmungen durch deine eigenen Erfahrungen geprägt sind und somit niemals objektiv sein können. Im Arbeitskontext werden Soft Skills und damit auch emotionale Intelligenz immer wichtiger: Höchste Zeit, an ihr zu arbeiten und bestmöglich vorbereitet ins nächste Teammeeting oder Bewerbungsgespräch zu gehen! Wie? Das erfährst du nächste Woche im zweiten Teil zum Thema emotionale Intelligenz. 

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