Nachhaltigkeit

Dein digitaler CO2-Fußabdruck und Tipps, wie du ihn verringern kannst

Digitale Geräte stoßen bei Herstellung und Nutzung viele Treibhausgase aus. Wie groß der Einfluss auf den CO2-Fußabdruck ist und wie du in der digitalen Welt ökologischer wirst.

Julia Dillan

19.10.2021

Foto der Erdoberfläche aus dem All mit Lichtverschmutzung und Datenströmen

NASA via Unsplash

Dass es nicht so der Knüller für das Klima ist, zum Surfen nach Bali zu fliegen, wissen wir mittlerweile alle. Aber welche Auswirkungen hat unsere vermehrte Digitalisierung auf unseren individuellen CO2-Fußabdruck? Digitale Geräte stoßen sowohl bei der Herstellung, als auch bei der Nutzung eine Menge Treibhausgase aus - durch Strom oder das Sourcing von wertvollen Ressourcen wie Cobalt oder Gold. So wurde auch berechnet, dass durch die Corona-Pandemie die weltweite Internetnutzung um 15 bis 40 Prozent gestiegen ist und der damit verbundene zusätzliche Energieaufwand für bis zu 3,2 Millionen zusätzliche Tonnen CO2e* verantwortlich ist - mehr als ein Land wie Montenegro ausstößt. Insgesamt hat eine Person in Deutschland, die digitale Geräte durchschnittlich nutzt, einen digitalen CO2-Fußabdruck von 739 kg CO2, laut dem Öko-Institut e. V. Das entspricht einem Anteil von circa 7 Prozent des gesamten ökologischen Fußabdruckes pro Person.

„Viele von uns kommen nicht ohne ein (gutes) Smartphone oder Laptop aus, egal ob um zu arbeiten oder Netflix zu schauen. Ein einfacher Laptop verbraucht allein für die Produktion 200 kg CO2e, ein iMac von 2010 720 kg CO2e. In der Rechnung fehlt noch der Stromverbrauch und die Internetnutzung. Berners-Lee schreibt in seinem Buch “How Bad Are Bananas? - The Carbon Footprint of Everything”: “Sogar bevor du ihn einschaltest, hat ein neuer iMac den gleichen Fußabdruck wie ein Flug von Glasgow nach Madrid und zurück.” Ein Smartphone verbraucht - ohne die Rohstoffgewinnung einzubeziehen - etwas weniger als Computer (circa 47 kg CO2e), hält aber meist auch nicht ganz so lang.“ - lies mehr hier.

Gebraucht bzw. refurbished kaufen

Ähnlich wie bei Fast Fashion kommen auch bei Elektronik immer wieder neue Geräte auf den Markt, die älteren werden regelmäßig ausrangiert oder sind nicht mehr kompatibel mit dem neuesten System. Rechnet sich die hohen Kosten, die wir mit einem nagelneuen Smartphone haben mit der kurzen Zeit, die es durchschnittlich hält? Die Nokia-Handys, die in den 90er-Jahren Standard waren, hielten teilweise bis zu zehn Jahre - wir kennen sie als unkaputtbare Knochen, die teilweise heute noch völlig funktionsfähing in unseren schubläden liegen. Eine Studie des Umweltbundesamtes hat festgestellt, dass heutzutage 42 Prozent der Befragten ihr Smartphone innerhalb von zwei Jahren gegen ein neues tauschen. Ein Grund dafür ist häufig auch die Abhängigkeit vom Telefonvertrag. Diese Veränderung hat erhebliche Auswirkungen auf deinen digitalen CO2-Fußabdruck. 

Deine Geräte gebraucht bzw. refurbished zu kaufen, trifft natürlich nicht nur auf Smartphones zu. Refurbishing bedeutet die qualitätsgesicherte Generalüberholung von Geräten, damit ihre Lebensdauer erheblich verlängert werden kann. GoodCompanies, bei denen du generalüberholte Geräte kaufen kannst, sind zum Beispiel ReBuy und refurbed. Falls du dich doch für ein neues Gerät entscheiden solltest, schaue, dass du möglichst hochwertige und langlebige Produkte kaufst. Außerdem gibt es diverse Strategien, wie du deine Nutzung so optimierst, dass das Gerät länger hält.

Smartphone-Akku sparen

  • Akku nie ganz leer werden lassen, vorher unbedingt aufladen

  • Akku-Ladung zwischen 20 und 80 Prozent halten

  • Smartphone bei Raum-Temperatur laden

  • Wird der Akku beim Laden heiß, Netzteil unbedingt abstecken

  • Akku nur mit einem Ladegerät mit gleicher oder geringerer Stromspannung laden

  • Stromsparmodus nutzen

  • Auch immer mal wieder den Flugmodus nutzen

  • Apps im Hintergrund schließen

Laptop-Akku sparen

• Trenne alle Geräte vom Laptop, wenn du sie nicht benötigst. Egal ob zweiter Monitor oder Festplatten.

• Batterieeinstellungen überprüfen und ggf. Stromsparmodus nutzen

• Drahtlos und Bluetooth ausschalten, sonst werden dauerhaft nach Verbindungen gesucht

• Reduzierte Helligkeit und Lautstärke schonen den Akku - probieren zum Beispiel mal den ‚Dark Mode‘ aus, der verbraucht weniger Energie

• Programme schließen oder auch deinstallieren, wenn du sie nicht mehr benötigst.

Mails und andere Daten löschen

Jede E-Mail, die verschickt wird verbraucht Strom. Wenn sie dann noch in unseren Postfächern, also auf Servern liegen bleibt, ist sie für stetigen Stromverbrauch verantwortlich. Diese Server stehen in riesigen Rechenzentren, die gekühlt und hochgefahren werden müssen. 2015 waren die weltweiten Serverzentren für ein Fünftel des globalen Stromverbrauchs zuständig. Eine Spam Mail verbraucht 0,3 g CO2, eine normale Mail 4 g und eine umfassene Mail mit Anhang bis zu 50 g! Schätzungen des Guardians zufolge hat der jährliche E-Mail-Verkehr eines Business-Users einen ökologischen Fußabdruck von 135 Kilogramm CO2e. Mehr dazu kannst du in diesem Artikel lesen.

Vielleicht wird es also mal wieder Zeit, aufzuräumen und alte Mails zu löschen und dich von nicht gelesenen Newslettern zu trennen. Du kannst da ruhig ehrlich mit dir sein, wenn du schon seit mehreren Monaten in keine Ausgabe mehr reingeschaut hast, wird sich das wohl so bald nicht ändern.

Übrigens gilt dieser Lagerungsaspekt im Rechenzentrum auch für andere Dateien. Google Drive oder deine Cloud sind bestimmt auch schon beinahe voll und könnten eine Entleerung gut vertragen.

 Grünes Webhosting

Relevant für alle, die eine Webseite betreiben: Auch diese liegt auf einem Server, verbraucht Strom und erhöht somit deinen ökologischen Fußabdruck. Der Clou von grünem Webhosting: Es wird auf erneuerbare Energien anstelle von fossilen Brennstoffen gesetzt, die Server werden also mit Ökostrom betrieben. Wenn du dich dafür entscheidest, zu einem vermeintlich grünen Webhosting zu wechseln, Augen auf vor Greenwashing. Um das zu vermeiden, kannst du darauf achten, ob die Unternehmen ihre Ökostromanbieter konkret nennen, dieser deiner Einschätzung nach gut ist und sich vielleicht auch noch an anderen Stellschrauben für Nachhaltigkeit einsetzt. Dies sollte im besten Falle auf der Homepage transparent gemacht werden. Mehr über Greenwashing könnt ihr hier und hier in unserem Magazin lesen.

Die Größe der übertragenen Daten macht's

Je mehr Daten ausgetauscht werden, desto größer der ökologische Fußabdruck. Aus dem Grund ist es deutlich sparsamer, auf das Video zu verzichten, wenn es möglich ist. Die Studie „The overlooked environmental footprint of increasing Internet use“ hat herausgefunden, dass 15 Meetingstunden in der Woche einen monatlichen Ausstoß von 9,4 kg CO2e verantwortlich sind, mit ausgeschalteten Video nur noch für 377 g. Genauso macht auch die Qualität von Daten einen großen Unterschied. Wer den Netflix-Serien-Marathon anstatt in HD-Qualität nur in Standard-Qualität streamt, kann ungefähr 95 Prozent der verbrauchten Energie einsparen. Genauso ist dein digitaler Fußabdruck geringer, wenn du Fernsehprogramme live über Antenne, Satellit oder Kabel empfangen kannst, aber in der heutigen Zeit streamen wohl doch die meisten. Auch ist der Internetzugang per Kabel nachhaltiger als WLAN oder Mobilfunk.

Grün und ausgewählt suchen

Eine Suchanfrage verursacht ungefähr 1,45 g Treibhausgasemissionen. Das klingt nicht viel, aber wer fünfzig Suchanfragen pro Tag abschickt, verbraucht pro Jahr 26 kg CO2. Eine Alternative, um die Suche etwas ökologischer zu gestalten ist es, nachhaltige Suchmaschinen wie Gexsi oder Ecosia zu nutzen. Diese nutzen Einnahmen aus Suchanfragen für die Unterstützung ökologischer Projekte.

Geräte wirklich ausschalten!

Ganz ehrlich, wir sind dem wahrscheinlich alle schuldig. Der Feierabend ist da und wir klappen den Laptop einfach zu. Die Standby-Funktion ist ratsam für die Mittagspause, über Nacht würde sie aber weiterhin Strom ziehen - da ist es sinnvoller, das Gerät tatsächlich auszuschalten.

Auch Internet-Router haben eine Energiesparfunktion, die den meisten gar nicht bekannt ist: So kann der Router nachts ausgeschaltet und ungenutzte Funktionalitäten des Routers abgestellt werden. So schnell ist dein digitaler CO2-Fußabdruck noch etwas geringer.

Digitales Gerät kaputt? Ab zur Reparatur!

Geplante Obsolenz ist leider immer noch ein großes Thema - viele Endgeräte gehen nach wenigen Jahren auf wundersame Weise kaputt und müssen ersetzt werden. Die Ressourcen, die für die Produktion der Smartphones, Tablets oder Laptops genutzt werden, sollten so lange es geht ausgenutzt, und schlussendlich fachgemäß recycelt werden. Oftmals ließe sich ein Gerät reparieren, für uns ist es aber einfacher, uns ein neues anzuschaffen. Abhilfe schaffen zum Beispiel kaputt.de und Teqcycle Solutions. Mittlerweile gibt es auch modulare Geräte, die du selbst reparieren kannst: z. B. das Fairphone oder Shiftphone.

 

Denkt immer daran, es geht nicht darum, perfekt zu sein und alles zu 100 Prozent richtig zu machen. Den größten Impact haben sowieso die Politik und Unternehmen. Gesetze gegen geplante Obsolenz wären zum Beispiel wichtig. Allerdings hilft es, Zusammenhänge zu verstehen und zu hinterfragen, und vielleicht die ein oder andere Praxis zu übernehmen. Mit dem Schlusswort: Ran an die Mail-Papierkörbe!



*CO2e = steht für die Kohlenstoffdioxidäquivalente und bezeichnet die Maßeinheit, mit der Emissionen vergleichbar gemacht werden können und so die Wirkung verschiedenster Treibhausgase berücksichtigt wird.

Zum Weiterlesen: 

Interview im GoodJobs Magazin mit Fairphone: „Apple kann kein faires Phone bauen“

Mike Berners-Lee: “How Bad Are Bananas? - The Carbon Footprint of Everything” (2010)

Öko-Institut e. V.: „Digitaler CO2-Fußabdruck - Datensammlung zur Abschätzung von Herstellungsaufwand, Energieverbrauch und Nutzung digitaler Endgeräte und Dienste“

 

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