Diversität

3 Tipps für inklusive Kommunikation im Arbeitsalltag

Wir alle wollen in einer wertschätzenden Umgebung arbeiten. Was du persönlich tun kannst, um inklusiv und diskriminierungssensibel zu kommunizieren.

Alexandra Samoleit

27.05.2022

Person hält Schild hoch mit Aufschrift "Hallo meine Pronomen sind .../..."

Sharon McCutcheon via Unsplash

Wir alle wollen in einer wertschätzenden Umgebung arbeiten, in der wir uns gegenseitig unterstützen und achtsam miteinander umgehen. Und weil das sehr viel mit schriftlicher und verbaler Kommunikation zu tun hat – sei es per E-Mail, im Chat oder im Videocall – stellen sich viele Menschen die Frage: Was kann ich persönlich tun, um inklusiv und diskriminierungssensibel zu kommunizieren?

Auch wenn das Unternehmen, in dem du arbeitest, vielleicht noch keine verbindliche Guideline zu inklusiver Sprache entwickelt hat, kannst du mit ein paar einfachen Änderungen schon viel tun. 

Fettnäpfchen Anrede 

Wer kennt’s? Du bekommst eine E-Mail von einer dir noch unbekannten Person und bist dir unsicher, wie du die Person anreden kannst, weil der Name für dich ungewohnt ist oder keinen Rückschluss darauf zulässt, mit welchem Geschlecht sich die Person identifizieren könnte. 

Häufig verwenden wir aus Gewohnheit geschlechtsspezifische Anreden, zum Beispiel „Liebe Frau xy“ oder „Hallo Herr yz“. Stattdessen kannst du aber einfach auch ein freundliches „Hallo“, „Guten Morgen“, „Guten Tag“ oder – für den persönlichen Einschlag – ein „Moin“ oder „Servus“ verwenden. 

Wenn du nicht auf den Namen in der direkten Anrede verzichten willst, erspart dir die Verwendung des Vor- und Nachnamens, also „Hallo Vorname Nachname“, das Rätseln über die geschlechtsspezifische Anrede und den gegebenenfalls peinlichen Moment, an dem dir klar wird, dass du falsch geraten hast.

Übrigens können auch Namen, die „eindeutig“ in Bezug auf Geschlecht klingen, mit neutralen Anredewünschen gekoppelt sein. Nur weil eine Person „Anna Berger“ heißt, bedeutet das nicht automatisch, dass „Frau Berger“ die richtige Ansprache wäre.

Und im Gespräch? Da spielt die Anrede meist keine so große Rolle, weil du die Person entweder duzt oder siezt. Aber dafür können Namen eine Herausforderung darstellen. Unser Tipp, wenn du dir unsicher bist: bevor du den Namen einer anderen Person falsch aussprichst (was der Person unter Umständen nerviger Weise häufiger passiert), frag nach der richtigen Aussprache und demonstriere damit, dass du respektvoll und achtsam kommunizieren willst.

Pronomen in der Signatur

Viele Menschen sind der falschen Annahme, es gäbe im Deutschen in Bezug auf Personen nur die Pronomen „er“ und „sie“ und man könnte diese klar anhand des Aussehens, des Namens oder der Stimme einer Person zuordnen.

Nur die Person selbst weiß, welche Pronomen für sie passen. Und immer mehr Menschen entscheiden sich mittlerweile (auch öffentlich) für andere Pronomen, weil sie sich nicht mit der binären Vorstellung von Geschlecht identifizieren.

Diese Menschen nutzen dann zum Beispiel eine Variante der folgenden Pronomen: Er_sie, sier, xier, dey, nin, hen, es, they, zier. Manche Menschen bevorzugen auch, ganz ohne Pronomen sondern nur mit ihrem Namen angesprochen beziehungsweise erwähnt zu werden.

Du kannst dir vielleicht vorstellen, dass es nicht allen Menschen leicht fällt, andere Menschen zu bitten, die richtigen Pronomen zu verwenden. Gerade, wenn diese auch noch etwas erklärungsbedürftiger, da für viele Menschen noch neu sind.

Deshalb mach den ersten Schritt! Stell dich in deiner E-Mail-Signatur mit deinen Pronomen vor und signalisiere deinen Gesprächspartner*innen dein Interesse, die für sie richtigen Pronomen zu verwenden.

Deine Pronomen kannst du übrigens auch in vielen Tools wie Slack oder Zoom hinterlegen, damit sie auch dort für andere Personen nachvollziehbar sind. 

So machst du es insbesondere Menschen, die regelmäßig ihre Pronomen erklären und rechtfertigen müssen, sehr viel einfacher und angenehmer, mit dir zu kommunizieren. Du zeigst Offenheit für Vielfalt und normalisierst den Umgang mit Pronomen. Und das gegenüber allen Menschen, mit denen du kommunizierst.

Hier kannst du dir Inspiration für deine eigene Signatur holen.

Emojis, Gifs und „Internet-Sprache“

Nicht nur privat, auch im Arbeitskontext tummeln sich in E-Mails inzwischen Emojis und im Teamchat wird auch gern mit Gifs oder kurzen Sprüchen der Arbeitsalltag kommentiert. Lachen verbindet zwar Menschen, aber diese Art der Kommunikation kann leider auch problematisch sein. Deshalb hier noch ein paar Hinweise für dich, vor allem wenn du eine weiße Person bist:

  • verwende keine Emojis mit einer dunkleren Hautfarbe als deine eigene

  • verwende keine Gifs mit schwarzen Menschen oder PoCs, wenn du damit deine Reaktion auf etwas ausdrücken willst

  • mach dir bewusst, dass bestimmte Wörter oder Formulierungen, wie zum Beispiel “lit”, “spilling the tea”, “woke”, “wallah”, “yallah” oder “ich schwör” aus der Alltagssprache marginalisierter Menschen stammen, die für die Verwendung dieser Sprache diskriminiert werden

Wenn du noch mehr über inklusive Sprache lernen willst oder du denkst, dass es dazu in deinem Unternehmen unbedingt eine Weiterbildung geben sollte, dann schau bei Fairlanguage vorbei. Dort kannst du dich für offene Workshops anmelden und findest jede Menge Infos, um Begeisterung für das Thema bei deinen Kolleg*innen zu wecken. 


Alexandra Samoleit arbeitet in der Geschäftsführung von Fairlanguage. Die Agentur berät Unternehmen, Organisationen und Institutionen dabei, ihre interne und externe Kommunikation inklusiver und gerechter zu gestalten. In abwechslungsreichen Formaten wird grundlegend über geschlechtsbezogene Diskriminierung, Rassismus und Ableismus aufgeklärt und ganz praktisch und bedarfsbezogen beraten.