Je größer das Unternehmen, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass man als „Normalo“ im Betrieb den obersten Boss vielleicht nur – wenn überhaupt – bei der alljährlichen Weihnachtsfeier zu Gesicht bekommt. Während wir also gewissenhaft unsere Aufgaben erledigen und so unseren Beitrag für den Erfolg des Unternehmens leisten, stellt sich bei vielen die Frage: Was macht mein Chef eigentlich den ganzen Tag?

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Die Wirtschaftswissenschaftler Michael Porter und Nitin Nohria sind genau dieser Frage auf den Grund gegangen. In ihrer Harvard-Studie haben sie 27 CEOs – interessanterweise 25 Männer und nur 2 Frauen – verschiedener Branchen drei Monate lang begleitet. Sie wollten herausfinden, welche Aufgaben die Chefs haben, wie sie ihre Zeit aufteilen und natürlich, wie viel sie wirklich arbeiten müssen.

Abschalten? Nicht in der Chefetage

Feste Arbeitszeiten sind für viele Chefs nur eine Wunschvorstellung. Laut der Studie arbeiten CEOs an Werktagen durchschnittlich fast zehn Stunden. Da können einige Banker und Unternehmensberater wahrscheinlich nur müde lächeln, allerdings zeigen die Wissenschaftler, dass zur Wochenarbeitszeit noch knapp acht Stunden Arbeit an den Wochenenden hinzukommen. Und auch im Urlaub wird nicht den ganzen Tag entspannt: Auch an 70 Prozent der eigentlich freien Tage wird gearbeitet. Zusammengerechnet ergibt das eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 62,5 Stunden. So richtig abschalten können Chefs also eigentlich nie.

Die Zeit im Büro ist knapp

Ein Meeting hier, ein Mittagessen da und am Abend ständig Einladungen zu Veranstaltungen im ganzen Land – scheinbar ist der Chef immer auf Achse. Und die Studie bestätigt diesen Eindruck, denn die CEOs verbringen nur 47 Prozent ihrer Arbeitszeit im Büro. Den Großteil sind sie in externen Meetings und auf Reisen.

Somit ist es auch kein Wunder, dass viele Mitarbeiter gar nicht wissen, wie der Arbeitstag und vor allem auch die Aufgaben ihres Chefs aussehen.
Trägt er mehr als die Verantwortung? Ist das Gehalt gerechtfertigt? Fragen, die sich wohl jeder Angestellte schon einmal gestellt hat und denen auch Porter und Nohria auf den Grund gegangen sind.

Persönliches vor Digitalem

Während die digitale Revolution mittlerweile scheinbar auch die hintersten Ecken der Büros erreicht hat, steht in der Chefetage noch die „altmodische“ Face-to-Face-Kommunikation an erster Stelle. Über 60 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen die CEOs laut der Studie in Meetings und persönlichen Gesprächen, zusätzliche 15 Prozent am Telefon. Somit verbleibt nur etwa ein Viertel  der Arbeitszeit für die elektronische Kommunikation.

Diese Ergebnisse überraschen, machen wir selbst doch fast täglich die Erfahrung, dass die elektronische Kommunikation viele Face-to-Face-Gespräche ersetzt und die Produktivität so deutlich steigt. In der Praxis sieht das bei den CEOs allerdings anders aus. Zum einen erhalten sie täglich hunderte von Mails, diese durchzusehen, nach Priorität zu ordnen und zu beantworten, kostet Zeit und ist nur wenig effektiv. Zum anderen ist die direkte Kommunikation auch immer noch der beste und schnellste Weg, Aufgaben zu delegieren und Stimmungen innerhalb des Unternehmens aufzufangen. Das bedeutet aber auch, dass sich Chefs häufig nur mit einer kleinen, ausgewählten Gruppe an Personen austauschen und die weitere Kommunikation an sie übertragen. Mit wem ein CEO also seine knappe Zeit verbringt, zeigt immer auch die Rangordnung von Mitarbeitern in einem Unternehmen.

Was CEOs wichtig ist

Kein erfolgreiches Unternehmen ohne Mitarbeiter, die ihren Job gewissenhaft und zuverlässig erledigen. Das wissen natürlich auch die Chefs und verwenden ein Viertel ihrer Arbeitszeit mit Personalentscheidungen und dem Aufbau von Beziehungen. Weitere 25 Prozent entfallen auf die funktionelle Strukturplanung und 21 Prozent auf die Entwicklung neuer Strategien und Handlungsweisungen. Die übrigen 16 Prozent der Zeit beschäftigen sich Vorstandsvorsitzende mit der Organisation und Kultur des Unternehmens.

Das Leben eines CEOs besteht somit zu fast einem Drittel aus Arbeit, zehn Prozent verbringen sie zusätzlich mit der An- und Abreise zu ihren Terminen. Geschlafen wird durchschnittlich knapp sieben Stunden pro Nacht – also bleibt noch ein Viertel des Tages für Freizeit und Familie.

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