Neues Arbeiten braucht neue Räume. Aber was ist dieses „Neue Arbeiten“ und mit welchen räumlichen Ideen lässt sich dieses Arbeiten unterstützen? Wir nehmen uns das Thema scheibchenweiße vor. In unsere vierten Folge widmen wir uns dem Prinzip „Well Being“ und warum es so wichtig am Arbeitsplatz ist.

Well- Being? Das könnt ihr zuhause machen...

In den letzten drei Folgen haben wir uns mit Prinzipien des Neuen Arbeitens beschäftigt, die die Arbeit an sich und insbesondere auch das Arbeitsergebnis verbessern sollen. Heute soll es um "Well Being", also das Wohlbefinden gehen. Doch was hat dieser Aspekt im Arbeitskontext verloren? Tatsächlich wurde diese Frage bis vor ein paar Jahren meisten sehr nachrangig behandelt: Zuhause hat man es bequem, und bei der Arbeit sieht es eben nach Arbeit aus – und fühlt sich auch so an. Diese Zeit ist so langsam vorbei. Vielleicht, weil inzwischen erwiesen ist, dass Menschen in einem Umfeld, in dem sie sich Wohlfühlen, produktiver arbeiten. Oder aber, weil es immer weniger Menschen gibt, die in einem Arbeitsplatzüberangebot noch bereit sind, in "Schuhkartons" mit günstiger Möblierung aus den 80ern oder "wie die Hühner auf der Stange" zu arbeiten. 

Unser Platz Nr. 2 auf der Welt

Wir haben realisiert, dass wir in unserer Arbeitsumgebung mehr Zeit als an jedem anderen Ort der Welt verbringen (mit Ausnahme unseres Schlafzimmers). Und deswegen rückt die Frage, wie wir uns dort fühlen, immer mehr in den Mittelpunkt. Wohlbefinden hat eben auch eine starke räumliche Komponente. Gibt es räumliche Maßnahmen, die unser Wohlbefinden positiv beeinflussen? Aber selbstverständlich. Denke nur mal kurz an Orte, an denen du dich besonders wohlfühlst. Was verbindet diese Orte? Was haben diese Orte gemeinsam? Höchstwahrscheinlich haben diese Orte eine angenehmen Temperatur und Licht, und natürlich gute Luft. Aber das ist auch die Grundvoraussetzung in jedem Büro, und in Deutschland sind wir diesbezüglich auch vergleichsweiße weit. 

Wie im echten Leben

Auch die anderen Aspekte sind eigentlich so naheliegend und uns allen aus unserem Tag-täglichen bekannt, dass wir uns wirklich fragen müssen, warum wir diesen in der Praxis noch so selten begegnen. Wirklich! Denn wir reden über: Essen und Trinken, Pflanzen und Gemütlichkeit. Alles Dinge, die jede*r zuhause instinktiv bedenkt, die aber in den wenigsten Büro gut umgesetzt sind. Aber der Reihe nach:

Liebe geht durch den Magen

Essen und Trinken ist unser Bedürfnis Nr.1, geht aber bei der Gestaltung von Arbeitsumgebungen meist komplett unter. Manchmal wird noch für eine gute Kaffemaschine gesorgt, aber spätesten bei guten Snacks hört es auf. Dabei ist ein kleines Büffet aus Obst, Nüssen, Müsli und – nachmittags nochmal aufgefüllt – Gebäck so einfach zu organisieren, wenn es eine Personen gibt, die sich kümmert. Auf die Laune in der Company wirkt sich auch gemeinsames Essen IM Büro aus. 1-2 Mittagessen pro Woche, vom Caterer oder gar einem gut vorbereiteten Koch, reichen erstmal. Hierfür braucht es lediglich einen Essbereich (der nachmittags auch für Gespräche und zum Arbeiten genutzt werden kann) und vielleicht eine Kochfeld – das war’s schon!. 

Pflanzen sind wieder im Kommen

Wir sind froh, dass wieder richtig viel Grün an Arbeitsplätzen zu finden ist, denn nicht nur wir
machen seit Jahren äußerst positive Erfahrungen mit Pflanzen. Es ist erwiesen, dass grüne Arbeitsplätze produktiver machen. Grün lässt uns nicht nur durchatmen, sondern entspannt uns. Das funktioniert natürlich nicht mit dem kleinen eigenen Kaktus, sondern braucht ein gewisses Volumen. Das wiederum sieht schnell nach wild wachsender Hecke aus, wenn man sich nicht ein durchgehendes Konzept überlegt. Sokkulenten beispielsweise, die auf Sideboards verteilt als Trenner zwischen Schreibtischblocks dienen, funktionieren gut und sind sehr pflegeleicht. Auch schön und wirksam, aber etwas teurer sind bewässerte Mooswände. Ein gänzlich anderes Konzept wäre das konzentrierte Zusammenstellen hoher Gewächse in der Mitte eines Raumes zu einem "Garten", der gleichzeitig als Rückzugsort dient. Man kann viel machen, nur unüberlegter Wildwuchs sieht selten gut aus – im Gegensatz zu draußen. 

Wie im Homeoffice

Viele Orte, an denen wir gerne sind, sind gemütlich. Wenn wir uns eine Arbeitsumgebung schaffen wollen, an der wir gerne sind, sollte diese also auch gemütlich sein. Natürlich definiert jeder Gemütlichkeit etwas anders. Aber es gibt Schnittmengen. Generell lässt sich sagen, dass lieblos gestaltete Umgebungen oft ungemütlich sind. Ein Meetingtisch, vier Stühle und fertig wird selten gemütlich. Erst wenn man noch ein paar Stoffe (Teppich, Vorhänge, Kissen) oder warme Flächen, kleiner skalierte Objekte (Accessoires, Dekoration), Farben oder Formen (Bilder, Fotos) und   angenehme, verschiedene Lichtquellen hinzufügt, wird ein "Schuh daraus". Apropos: Das Thema, die Straßenschuhe gegen Hausschuhe zu tauschen wird gerade ein großes Thema im Silicon Valley. Vielleicht ja auch bald in Deutschland!

Offenheit vs Privatsphäre

Wir schließen mit einem kontrovers diskutierten Thema: Der Offenheit von Arbeitsumgebungen. Wir hatten in der ersten Folge "Network" argumentiert, das die grundlegende Offenheit, also die Sichtbarkeit (und auch Hörbarkeit) ein großer Treiber für den Austausch im Unternehmen ist. Wohlfühlen heißt für viele von uns, zumindest zeitweiße aber auch: Ruhe und Privatsphäre. Beides schließt sich in keinster Weise aus. Wir sehen immer häufiger sogenannte "Bibliotheken", also Stillarbeitsbereiche in denen jeder seine Nische findet, um komplett ungestört zu arbeiten. Ungestörter, als es in einem Zweierbüro je möglich war. Und für die, die auch mal ungestört sein wollen, ohne zu arbeiten, gibt es dann meist auch jede Menge Nischen. Zum Beispiel zum privaten Telefonieren, um Ebay zu checken, oder den Facebook-Status zu aktualisieren. Das muss alles sein. Und wenn das alles geht, und dann auch der Kaffee noch schmeckt, wer will da noch ins Homeoffice?

 

Maria EschbachPascal ist Mitgründer der Berliner Innovationsagentur Dark Horse und ihrer ersten Tochter, der Dark Horse Workspaces. Das Team unterstützt Unternehmen bei der Realisierung neuer Arbeitsumgebungen und ist Erfinder des Open Space - Raumteilersystems Supergrid. In ihrem Buch „New Workspace Playbook“  finden alle Inspiration und Argumentationshilfen, die erkannt haben, dass die Arbeitsumgebung einen enormen Einfluss auf neues Arbeiten hat. So kann jede*r seine eigene Arbeitssituation genau evaluieren und die jeweils passenden räumlich-gestalterischen Maßnahmen ergreifen, um die Arbeit zu optimieren.