„Wir brauchen mehr Austausch in unserem Unternehmen, um in der komplexer werdenden Welt mitmischen zu können!“ Hast Du das schon mal gehört? Garantiert! In dieser ersten Folge unser sechsteiligen Serie wollen wir uns dem ersten New Work Prinzip „Network“ aus unserem Buch „New Workspace Playbook“ widmen, welches den Austausch zwischen auch thematisch entfernteren Kolleg*innen beschreibt. Was steckt dahinter, und wie kann man diesen Austausch räumlich unterstützen? 

Kommunikation in komplexeren Organisationen

Jeder von uns merkt, dass wir immer mehr zusammenarbeiten und Austausch mit Kolleg*innen ein immer größeren Teil unserer Arbeitszeit einnimmt. Dafür gibt es viele Gründe: Komplexer werdende Themen, immer weniger Routine- und immer mehr Nicht-Routine-Aufgaben oder mehr notwendige Spezialisierung und dadurch zunehmende Arbeitsteilung sind nur ein paar davon.

Neues Arbeiten heißt also mehr zusammenarbeiten und sich mehr austauschen. Das schaffen wir in unseren Teams mittlerweile recht gut. Wir sitzen zusammen, ohne Wände dazwischen, wir koordinieren uns mit Kanban-Boards  und WhatsApp, arbeiten vielleicht mit teambasierenden Methoden wie Design Thinking, und das morgendliche Stand-Up Meeting klappt auch immer öfter. Wir tauschen Ideen aus, wissen voneinander, wer wo dran ist, und was der Stand ist. Dieser Austausch im Team ist wichtig. In Zeiten, verzwickterer Problemstellungen, kürzerer Reaktionszeiten und autarker, selbstorganisierter Teams ist aber ein anderer Austausch mindestens genauso wichtig: Der Austausch zwischen den Teams. Der Austausch innerhalb eines ganzen Bereiches, mit 100, 200 Kolleg*innen, von denen man vielleicht noch nicht einmal die Vornamen kennt. Geschweige denn weiß, ob diese Kolleg*innen vielleicht am gleichen Thema sitzen, oder die Lösung für unser Problem schon parat haben. 

Spontaner Austausch statt lange Meetings

Es ist von absoluter Wichtigkeit, dass wir uns mehr austauschen. Synergien finden ist schön und gut, aber der schnelle Fluss von relevanten Informationen ist überlebenswichtig. Nicht mehr alles kann auf das nächste Quartalsmeeting warten. Und es gibt so viele Dinge mit so vielen Kolleg*innen auszutauschen, dass wir auch gar nicht mehr die Zeit haben, uns gegenseitig mit 30, 60 oder 90-minütigen Meetingblocks den Arbeitstag zuzumauern. Austausch muss schnell, kurz und spontan stattfinden und wir müssen mehr nebenher mitbekommen, um uns bei relevanten Themen einklinken zu können. Natürlich müssen wir auch weiterhin in Ruhe am Schreibtisch arbeiten, aber die Zeit des Austausches wird zunehmend wichtiger.

Das Problem der Grüppchen

Das Problem: Jeder hockt mit „seinem“ Team auf „seiner“ Fläche, und geht mit seinem Team Mittags in die Kantine. So wie alle 1000 Kolleg*innen auch. Die Anzahl an Kolleg*innen ist hier so hoch, und die Begegnungsdauer in der Kantinen-Schlange zu kurz, dass dieser Ort nicht als Begegnungsort, als Ort des Austausches funktioniert. Es ist wie mit Hochzeitsgesellschaften: Sobald die Gruppe zu groß wird, bilden sich wieder die üblichen Untergrüppchen, und ein Austausch mit weniger bekannten Gästen wird wieder schwieriger. Gemäß der so genannten Dunbar-Zahl können Menschen nur zu maximal 148 anderen Menschen feste Beziehungen pflegen. Es fehlt an einem überschaubaren Ort, an dem wir mit einer mittleren Gruppengröße in immer wieder unterschiedlichen Konstellationen zusammenkommen können.

Ein Marktplatz im Büro?

Hierfür funktioniert das gar nicht so schwierig umzusetzende Konzept des „Marktplatzes“ vorbildlich. Der Marktplatz ist ein zentraler, offener Ort auf unserer Etage, durch den alle ständig durchlaufen. Da der Marktplatz gleichzeitig aber auch der attraktivste und gemütlichste Ort auf unserer Fläche ist, halten sich hier auch ständig Kolleg*innen auf. Hier gibt es Sofalandschaften, Rückzugsnieschen, lange Stehtresen, tolle Beleuchtung und den besten Kaffee. Ausserdem funktioniert das WLAN, und überall gibt es Steckdosen und Couchtische, die auch für die Arbeit am Laptop funktionieren. 

Der Ort für mehr Wir-Gefühl

Ein gut gemachter solcher Ort ist ab Tag eins voll mit den Kolleg*innen. Hier ist man gerne, hier trifft man jeden, hier lernt man sich kennen, hier passiert das, was wir über unseren strukturierten Austausch, unsere Meetingblocks nicht mehr hinbekommen: Schneller, relevanter Austausch, zufällige Begegnungen und Erkenntnisse, und ein größeres, gemeinsames Wir-Gefühl. Die 150-400qm für einen solchen Marktplatz sind also gut investiert, und aus unserer Sicht die beste und einfachste Maßnahme um den Austausch im Sinne des „Network“ - Prinzips räumlich zu fördern. Und: Eure Kolleg*innen werden euch für das Schaffen eines Marktplatzes lieben….versprochen!
 

Maria EschbachPascal ist Mitgründer der Berliner Innovationsagentur Dark Horse und ihrer ersten Tochter, der Dark Horse Workspaces. Das Team unterstützt Unternehmen bei der Realisierung neuer Arbeitsumgebungen und ist Erfinder des Open Space - Raumteilersystems Supergrid. In ihrem Buch „New Workspace Playbook“  finden alle Inspiration und Argumentationshilfen, die erkannt haben, dass die Arbeitsumgebung einen enormen Einfluss auf neues Arbeiten hat. So kann jede*r seine eigene Arbeitssituation genau evaluieren und die jeweils passenden räumlich-gestalterischen Maßnahmen ergreifen, um die Arbeit zu optimieren.