Ob nun während der Gruppenarbeit in der Schule, bei gemeinsamen Projektarbeiten für das Studium oder die Teamarbeit mit Kolleg*innen – es gibt so einige Faktoren, die den Erfolg der Zusammenarbeit beeinflussen können. Ein besonders wichtiger Faktor, der allerdings häufig zu wenig Beachtung findet, kann unser kultureller Background sein – denn dieser beeinflusst wie wir denken, uns verhalten und kommunizieren. Um ein erfüllende Zusammenarbeit in diversen Teams zu garantieren, ist es besonders wichtig zu verstehen warum wir (und unsere Teammitglieder) so handeln und uns ausdrücken, wie wir es tun. Der Schlüssel dazu ist sensibel und reflektiert miteinander umzugehen und sich gegenseitig zu unterstützen. Das Erlernen und das Training von Interkulturellen Kompetenzen ist dabei die Grundlage für gelebte Diversität und die Zusammenarbeit in vielfältigen Teams. 

Was sind Interkulturelle Kompetenzen eigentlich genau?

Ganz einfach gesagt stehen Interkulturelle Kompetenzen für die Fähigkeit, mit einem Menschen effektiv und souverän kommunizieren und interagieren zu können – unabhängig von der eigenen kulturellen Herkunft oder der des Gegenübers. Über diese Kompetenzen zu verfügen hilft dabei, Missverständnissen und Kommunikationsproblemen, welche innerhalb von vielfältigen Teams schnell(er) vorkommen können, entgegenzusteuern. So können kulturelle Unterschiede viel besser als Bereicherung genutzt werden – denn genau darum geht es ja beim Thema Inclusion.

Die Identität eines Menschen wird durch viel mehr geprägt als die reine geografische Herkunft: Kultur kann ihren Einfluss auf vielen verschiedenen Ebenen haben. Wir können zum Beispiel durch kulturelle Merkmale wie unser Geschlecht geprägt sein , unsere Sexualität, wo und wie wir aufgewachsen sind, wie unsere Eltern aufgewachsen sind oder welche (Schul-) Bildung wir erfahren haben – um nur ein paar Faktoren zu nennen. So können sich kulturelle Unterschiede schon innerhalb sehr geringer geografischer Distanz bemerkbar machen und sind nicht gebunden an Nationalitäten. Diese drei Komponenten machen Interkulturelle Kompetenzen aus:

Wissen über andere Kulturen

Die Grundbasis ist das Wissen über andere Kulturen, Lebensformen, Ansichten, Sprachen und so weiter, aber auch über die eigene Kultur und was diese charakterisiert. Hilfreich ist es hierfür zum Beispiel auch über aktuelle Geschehnisse oder geschichtliche Hintergründe informiert zu sein.

Soft Skills

Zuhören, Beobachten, reflektiert Handeln, Verhaltensweisen des Gegenübers nicht verurteilen, sondern versuchen zu verstehen, sind einige der Fähigkeiten, die besonders ausschlaggebend sind für interkulturelle Kommunikation. Zusätzlich hilft es, zu versuchen die Welt aus dem Blickwinkel des Gegenübers zu sehen und sich die Situation aus einer anderen Perspektive als der eigenen anzuschauen.

Respektvolles Handeln

Neben dem Wissen und den Fähigkeiten ist die dritte Komponente die Haltung, die wir unseren Mitmenschen gegenüber haben. Es ist hierbei besonders wichtig, offen und nicht verurteilend zu sein und gegenüber anderen wertschätzend und respektvoll zu handeln. Um möglichst viel über andere Kulturen lernen zu können hilft es, neugierig zu sein und Unterschiede als Möglichkeit, Neues kennenzulernen zu begreifen. 

Tipps für das Erlernen und die Umsetzung 

Interkulturelle Kompetenzen sind kein festgelegtes Skillset, welches universal nutzbar und für jeden Kulturkreis anwendbar ist, sondern vielmehr die Fähigkeit, sich auf unerwartete Situationen einzulassen und mit Ungewissheiten unvoreingenommen umgehen zu können. Über Interkulturelle Kompetenz zu verfügen impliziert die Bereitschaft, sich mit kulturgebundenen Unterschieden unserer Mitmenschen, wie z.B. Werten, Einstellungen oder Verhaltensweisen, zu beschäftigen und so den eigenen Blickwinkel zu erweitern und andere Normen zuzulassen. Anstelle eines “Wir” und “die Anderen”-Denkens wird so ein kollektives Gefühl der Willkommenheit gefördert. Interkulturelle Kompetenzen zu erlernen ist ein andauernder Prozess, der bewusst stattfinden muss und aktives Handeln von uns erfordert. Was wir dann aber zurückbekommen ist mehr als wichtig: Gute Zusammenarbeit und eine gelebte Diversität. 

Mit diesen Tipps gelingt dir ein erster Einstieg in interkulturell kompetentes Handeln:

• Beschäftige dich mit deiner eigenen Kultur und ihren Werten. Wodurch bist du kulturell geprägt? Worin unterscheidest du dich von deinen Freund*innen und Familienmitgliedern, und welche Rolle spielen kulturspezifische Aspekte dabei?

• Höre deinem Gegenüber zu – unabhängig davon, ob ihr den gleichen sprachlichen oder kulturellen Hintergrund habt.

• Sei neugierig und und stelle Fragen! Probiere darauf zu achten, offene (also keine Ja/Nein-Fragen) zu stellen, sodass du mehr erfährst über die Beweggründe deines Gegenübers.

• Tausche dich mit deinen Teammitgliedern aus und diskutiert über Werturteile. 
Versuche dich loszulösen von automatischen Interpretationen oder Annahmen über dein Gegenüber.

• Achte auf non-verbale Kommunikation, wie zum Beispiel Gestik, Haltung oder ob dein Gegenüber Augenkontakt sucht (oder vielleicht auch gerade vermeidet) – so kannst du dazu beitragen, dass sich alle im Team wohlfühlen

 

Für einen tieferen Einblick lohnt es sich, die “Sechs Kulturdimensionen” des holländischen Sozialpsychologen und Kulturwissenschaftlers Geert Hofstede zu betrachten. Obwohl diese basiert sind auf den kulturellen Unterschieden im Bezug auf Nationalitäten ermöglichen sie einen detaillierten und schnellen Einblick in die kulturellen Unterschiede verschiedener Länder, welche miteinander verglichen werden können. Der IDI-Test, welcher häufig im Zuge von Interkulturellen Kompetenz Trainings durchgeführt wird, hilft bei der Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und der Lernmöglichkeiten. Interkulturelle Kompetenz Trainings werden unter anderem von folgenden GoodCompanies angeboten: Goethe-Institut und GIZ