Vielleicht ist es dir auch schonmal passiert: Du hast eine Idee, die zu einer nachhaltigeren Welt beitragen kann und möchtest zum Beispiel einen verpackungsfreien Laden eröffnen, deine Straße begrünen oder ein Kleiderleihsystem aufmachen. Leider fehlt dir das nötige Geld und eine Unternehmensfinanzierung oder du bekommst keinen Kredit von der Bank.

Mittlerweile existieren seit mehr als zehn Jahren digitale Plattformen, die dieses Problem beheben: Crowdfunding-Plattformen wie startnext verbinden Menschen und Projekte, die Geld benötigen, mit Unterstützer*innen (funder), die Geld spenden, leihen oder investieren wollen. Der Grundgedanke ist: Viele Menschen (die Crowd) geben kleinere Beträge für Projekte, die sie realisiert sehen wollen und ermöglichen dadurch unter anderem Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung. Statt Großinvestor*innen zu gewinnen, gilt es also viele Menschen von einer Idee zu begeistern.

Geld von der Gemeinschaft – Crowdfunding-Arten 

Es haben sich vier Arten des Crowdfundings entwickelt, die sich vor allem in der Gegenleistung unterscheiden. Beim „donation-based“ Crowdfunding bekommen die Unterstützer*innen ein Danke oder eine öffentliche Nennung, während sie durch das „reward-based“ Crowdfunding eine materielle oder immaterielle Gegenleistung erwerben. Dies kann zum Beispiel ein Produkt, ein Meeting mit den Gründer*innen oder eine Teilnahme an einem Event sein. Durch „equity-based“ Crowdfunding können Unternehmensanteile erworben werden. Dadurch werden die Unterstützer*innen prozentual am Gewinn beteiligt und können manchmal Unternehmensentscheidungen mitbestimmen. Beim „lending-based“ Crowdfunding leihen die Unterstützer*innen einem Unternehmen einen kleineren oder größeren Geldbetrag und das Unternehmen verpflichtet sich in einem festgelegten Zeitraum mit einem vereinbarten Zinssatz die geliehene Summe zurückzuzahlen.

Gemeinsam den Wandel finanzieren

Eines der bekanntesten nachhaltigen Crowdfunding Projekt ist The Ocean Cleanup, welches nach 100 Tagen mehr als 2 Millionen $ von 38.000 Unterstützer*innen einsammelte, um Plastik aus den Ozeanen zu filtern. Ähnlich finanzieren auch Charlotte und Bene mit vielen anderen die solidarische Landwirtschaft Wilde Möhre und können somit Greifswalder*innen mit regionalem und ökologischem Gemüse versorgen. Nach kurzer Zeit haben sie ihr erstes Fundingziel von 4.000 € erreicht und können nun einen Lagerraum und einen Wildschutzzaun errichten. Weitere beliebte Bereiche sind nachhaltige Mode oder neue und nachhaltige Lebensmittel, wie Rettergut, die verschiedene Lebensmittel retten und sie entweder zu Schokolade, Suppen oder Dörrobst weiterverarbeiten.

Auch im Aufbau von energetischer Infrastruktur im globalen Süden wird Crowdinvesting eingesetzt. Dadurch kann die ganze Weltcommunity einzelne Menschen an einem Ort unterstützen. In einem Projekt in Sambia wird eine Finanzierung für Solarsysteme gesammelt, die netzferne Haushalte mit Strom versorgen und damit erneuerbare Energie landesweit verfügbar machen soll. Da das Unternehmen von Frauen aus Sambia geleitet wird, werden zudem unternehmerische Aktivitäten vor Ort unterstützt.

Crowdfunding ist für alle möglichen Projekte und Produkte geeignet. Dabei sind die Finanzierungsbedarfe sehr unterschiedlich, von Beträgen über 1.000 € bis hin in den Millionenbereich.

Kann Crowdfunding den Klimawandel stoppen?

Auch wenn das liebe Geld immer wieder Gegenstand von Diskussionen in der Klimadebatte ist, kann es nicht alle Probleme lösen. Crowdfunding ist ein tolles Tool, um nachhaltige Träume wahr werden zu lassen und führt zu großartigen Veränderungen, jedoch kann kein Geld der Welt ausgestorbene Arten zum Leben erwecken oder einen Systemwandel herbeiführen. Zudem wird nicht immer offengelegt, ob nach der Finanzierung die Projekte erfolgreich umgesetzt werden und wie der tatsächliche Impact ist. Manche Plattformen fordern keine Zielangaben ein, sodass eine Messung des Umwelterfolgs schwierig ist. So hat Jacob Hörisch – Juniorprofessor für Nachhaltigkeitsökonomie & -management am Centre for Sustainability Management der Leuphana Universität Lüneburg – in einem Forschungsprojekt herausgefunden, dass eine Umsetzung der versprochenen Maßnahmen stattfindet, aber es den Unternehmer*innen schwerfällt den Impact zu messen und an die Unterstützer*innen zu kommunizieren. 

Eine eigene Kampagne

Wenn du eine Lösung für die zahlreichen ökologischen und sozialen Probleme auf unserer Welt hast und dafür eine Finanzierung brauchst, solltest du dich als erstes für eine geeignete Plattform entscheiden. Im deutschsprachigen Raum kannst du auf Ecocrowd deine Kampagne launchen und eine Gegenleistung anbieten. Für größere Investitionssummen ist Econeers geeignet und einige nachhaltige Banken, wie die GLS Bank bieten ihre eigenen Plattformen an. Auch bei bettervest kannst du für grüne Projekte Investitionen einwerben und bei GreenRocket werden vor allem Kampagnen aus dem Bereich Energie, Umwelt, Mobilität und Gesundheit unterstützt.

Bei der Erstellung deiner eigenen Kampagne ist es wichtig, dass du eine gute Basis an Unterstützer*innen hast, denn die ersten Tage zählen. Zudem brauchst du einen Marketingplan und ein knackig gedrehtes Video erhöht deine Erfolgschancen. Es hilft auch, regelmäßige Updates zu verschicken und klar zu machen, wofür du das Geld brauchst. Mehr Tipps gibt es unter anderem hier. Viel Erfolg!

 

Alexa Böckel studiert, arbeitet und forscht am Center for Sustainability Management (CSM) an der Leuphana Universität in Lüneburg und interessiert sich für nachhaltige Gründungen. Ihr wissenschaftlicher Artikel zu nachhaltigem Crowdfunding kann hier gelesen werden.