Männer verdienen – global gesehen – 75 Prozent mehr als Frauen. Dieser sogenannte Gender Pay Gap lässt sich zwar oft strukturell erklären: Frauen arbeiten seltener in Vollzeit, sind gerade in Ländern des globalen Südens formal schlechter gebildet, und so weiter.

Doch selbst, wenn man diese strukturellen Effekte herausrechnet, bleibt sogar in einem Land wie Deutschland eine Lücke von sechs Prozent. Und die lässt sich nur mit Diskriminierung von Frauen erklären. Wie also das Problem lösen?

Ein Ansatz ist Transparenz. So hat Dänemark 2006 ein Gesetz auf den Weg gebracht, das alle Unternehmen mit mindestens 35 Mitarbeiter*innen (und mindestens 10 von jedem Geschlecht innerhalb einer Tätigkeit) dazu verpflichtet, Statistiken über die Gehälter von Männern und Frauen zu führen.

Gender Pay Gap schließt sich um sieben Prozent

Das dänische Gesetz geht damit deutlich weiter als das deutsche „Lohntransparenzgesetz“. Hier sind alle Unternehmen mit weniger als 200 Mitarbeiter*innen ausgenommen, zudem müssen Angestellte aktiv das Gehalt ihrer Kolleg*innen anfragen – und dann muss es mindestens sechs davon in der gleichen Tätigkeit geben, aus deren Gehältern das Unternehmen dann den Durchschnitt berechnet. Anders als in Dänemark kann in Deutschland von echter Transparenz also keine Rede sein.

Dabei lohnt sich genau das, wie eine Studie verschiedener Business Schools, unter anderem der Universität Kopenhagen, zeigt: Denn diese Transparenz sorgt tatsächlich dafür, dass der Gender Pay Gap sich schließt, um immerhin sieben Prozent seit Inkrafttreten des Gesetzes bei unseren nordischen Nachbarn.

Dafür haben die Forscher*innen Unternehmen ähnlicher Größe miteinander verglichen, die entweder von dem Gesetz betroffen waren oder nicht – und wie sich jeweils die Gehälter vor und nach 2006 entwickelt haben. Die Studie hat die Ergebnisse zudem auf andere mögliche Erklärungen abgeklopft und kommt letztlich zu dem Fazit: Das Gesetz ist dafür verantwortlich, dass der Gender Pay Gap merklich geschrumpft ist.

Positive Nebeneffekte des Gesetzes

Schaut man sich die Zahlen im Detail an, kann man sogar sagen, dass die Lücke durch Transparenz fast doppelt so schnell geschlossen wurde als ohne. Denn während in den betroffenen Firmen der Gender Pay Gap um 7 Prozent sank (von 20,2 auf 18,9 Prozent), waren es bei der Kontrollgruppe keine 4 (von 17,9 auf 17,2 Prozent).

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Aber woran liegt’s? Die Forscher*innen zeigen, dass Frauen in den zu Transparenz verdammten Firmen mehr verdienen – der Großteil des sich schließenden Pay Gaps geht aber darauf zurück, dass die Gehälter der Männer langsamer steigen als in Unternehmen, die nicht unter das Gesetz fallen.

Ein spannender Nebeneffekt könnte außerdem dazu führen, die strukturellen Nachteile von Frauen zu beseitigen: Denn die Studie zeigt, dass sich durch Lohntransparenz nicht nur der Gender Pay Gap schließt, sondern Frauen zudem öfter befördert und eingestellt werden.