Dein Anschreiben haut jede*n Personaler*in vom Hocker und dein Lebenslauf lässt keine Wünsche offen. Und dann das: „Bitte geben Sie Ihre Gehaltsvorstellungen an“. Zweifelsohne eine wichtige Frage! Denn auch wenn aktuelle Umfragen zu dem Schluss kommen, dass vielen der Sinn im Job wichtiger ist als ein hohes Gehalt –  gerade ein GoodJob sollte entsprechend bezahlt werden. Aber wie viel darfst du eigentlich verlangen?

Gehalt – eine Frage der Qualifikation

Unsere GoodJobs Userumfrage ergab, dass 84% aller Befragten einen GoodJob einem Job mit höherem Gehalt vorziehen würden. Doch wann ist die Bezahlung gut, wann ist sie schlecht? Diese Frage kann man so pauschal nicht in Zahlen beantworten. Denn welches Gehalt zu dir passt, hängt von vielen Faktoren ab. Arbeitest du in Voll- oder Teilzeit? Wirst du viel Reisen? Musst du auch nachts oder am Wochenende arbeiten? Bist du in einer Personalverantwortung?
 
Letztendlich ist dein Gehalt aber eine Widerspiegelung deiner Qualifikationen und deiner Arbeitserfahrung. Als Berufseinsteiger*in wirst du sicherlich etwas niedriger stapeln müssen. Besonders fies: Viele Unternehmen zählen die Nebenjobs und Praktika während des Studiums nicht (voll) mit. Trotzdem war dein Einsatz nicht umsonst. Wer im Lebenslauf schon mit einschlägiger Praxiserfahrung glänzen kann, wird sicher eher zum Vorstellungsgespräch eingeladen als ein reiner Vollzeitstudierender ohne jeglichen Plan vom Arbeitsalltag. Ähnlich ist die Lage für Quereinsteiger*innen. Zwar bringen sie oft nicht die klassische Qualifikation mit, die für eine Stelle verlangt wird, zusätzliche Berufserfahrung in anderen Bereichen können für den potenziellen Arbeitgeber aber durchaus relevant sein und dir einen Wettbewerbsvorteil im Bewerbungsprozess verschaffen.

Die eigenen Ausgaben im Blick

Neben den Faktoren, die für deinen zukünftigen Arbeitgeber eine Rolle bei den Gehaltsverhandlungen spielen, gibt es auch eine Reihe an Kriterien, die du für dich selbst abfragen solltest. Denn auch, wenn dein Arbeitgeber ein kleines Social Business mit wenig finanziellem Spielraum betreibt – du musst mit deinem Gehalt über die Runden kommen. Gerade mit Anfang Dreißig kann es wichtig sein, mehr Geld in der Tasche zu haben, um in Sachen Lebens- und Familienplanung voranzukommen. Oder hast du vielleicht schon eine Familie, die du mit deinem Lohn miternährst? Auch dein Arbeits- und Wohnort spielen eine große Rolle. Schließlich müssen Zeit und Geld für die tägliche Anfahrt in Gehaltsüberlegungen einbezogen werden. Lebenshaltungskosten unterscheiden sich von Stadt zu Stadt gewaltig – aber auch zwischen Land und Stadt gibt es große Unterschiede bei den monatlichen Ausgaben, wie etwa der Miete. Und gerade wer auf Nachhaltigkeit achtet hat Extrakosten: Biolebensmittel, Fairtrade-Produkte, Naturkosmetik – Dinge des Alltags, die nicht auf Kosten von Mensch und Natur hergestellt wurden, haben nunmal ihren Preis.

Gehaltsvorstellungen – in Zahlen

In unserer GoodJobs Userumfrage haben wir gefragt, wie viel Gehalt sich unsere Nutzer*innen selbst auszahlen würden, wenn sie dafür in einem Job mit Sinn arbeiten können. Die Vorstellungen reichten von bescheidenen 500 Euro netto pro Monat bis hin zu mehr als 6500 Euro netto monatlich. Die Mehrheit allerdings gab ein Wunschgehalt zwischen 1500 und 2500 Euro netto an. Eine gute Orientierungshilfe, um eine angemessene Gehaltsvorstellung zu formulieren, ist der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, kurz TVöD. In einer Entgelttabelle kannst du sehen, welche Qualifikation du mitbringen musst. Bachelor-Absolvent*innen oder Personen mit dreijähriger Berufsausbildung werden beispielsweise bei Entgeltgruppe E9-E12 eingestuft, mit einem Masterabschluss oder Diplom kannst du schon auf E13-E15 aufsteigen. Zeitgleich spielt auch die Arbeitserfahrung eine Rolle. So gibt es innerhalb einer Entgeltgruppe verschiedene Gehaltsstufen. Mit einem Masterabschluss hättest du nach TVöD E13, der niedrigsten Entgeltgruppe die dir für deine Qualifikation zusteht, bei Einstellung einen Anspruch auf ein monatlichen Brutto-Einkommen von 3996,72 EUR. Nach drei Jahren wärst du in Gehaltsstufe 3 angelangt und schon bei 4685,32 EUR pro Monat. Eine Übersicht mit konkreten Zahlen findest du hier. Hört sich gut an, leider gibt es auf solch ein Einkommen aber keinen Rechtsanspruch. Gleichzeitig lohnt es sich daher, einen Blick darauf zu werfen, was andere in deiner Branche tatsächlich verdienen. Ein Gehaltsvergleich wird dir zeigen, ob ein Gehalt nach TVöD für deine Branche realistisch ist. Was du am Ende netto auf dem Konto hast, kannst du über spezielle Online-Tools ausrechnen. 

Jobs mit Sinn – wirklich schlecht bezahlt? 

Auch wenn sich gerade die Generation der Millienials laut Umfragen vor allem einen sinnstiftenden Job wünscht, Sinn allein reicht den meisten als Wertschätzung nicht aus. Das muss kein Widerspruch sein. Auch wenn "Jobs mit Sinn" den Ruf haben sie seien schlechter bezahlt – gerade Arbeitgeber*innen, die sich für eine bessere Welt einsetzen und ihren Mitarbeiter*innen individuelle Arbeitsbedingungen ermöglichen, liegt auch eine faire Entlohnung am Herzen. Wer seine Mitarbeiter*innen nicht ordentlich bezahlen kann, der hat kein tragfähiges Geschäftsmodell. Das gilt auch für Jobs mit Sinn. Denn ein Job ist nur dann sozial und fair wenn er auch sozial und fair entlohnt wird. Konzerne mit Milliardenumsätzen haben finanziell natürlich oft ganz andere Möglichkeiten für Ausschüttungen an Mitarbeiter*innen. Aber geben diese ihre finanziellen Erfolge wirklich auch nach unten weiter? Vielmehr sind es doch diejenigen an der Spitze, die davon profitieren, während an der breiten Arbeitnehmer*innenschaft für noch schnelleres Wachstum und höhere Profite eingespart wird. 

Gut verhandelt ist halb verdient

Vor allem junge Berufstätige würden laut einer Studie der Online-Jobbörse Monster gerne wissen, was ihre Kolleg*innen verdienen um sich selbst gehaltstechnisch besser einordnen zu können. 62 Prozent wünschen sich sogar, dass die Gehälter aller Mitarbeiter*innen vollkommen transparent offengelegt werden. Gerade für viele Frauen ist das Thema Geld am Arbeitsplatz ein Tabu, mit der Folge, dass sie sich unter Wert verkaufen. In der Studie heißt es, acht Prozent der Männer und „elf Prozent der Frauen trauen sich überhaupt nicht, nach mehr Geld zu fragen, aus Angst vor Zurückweisung“. 

Dabei sollte man unbedingt regelmäßig Gehaltsverhandlungen führen. So stellt man nicht nur sicher, dass das eigene Gehalt auch der Arbeitserfahrung gerecht wird, auch die erst einmal unangenehmen Gespräche über den eigenen Lohn werden zur Routine. Denk dran: Dein Arbeitgeber wird sich vorher genau Gedanken gemacht haben, wie viel Budget für deine Stelle zur Verfügung steht. Bleib also realistisch, verkaufe dich aber nicht unter Wert. Denk auch an deine Perspektiven: Hast du gute Aufstiegschancen und damit vielleicht schon bald mehr auf dem Konto? Lernst du über diesen Job etwas, was deine Qualifikation und damit die Voraussetzungen für deine nächsten Gehaltsverhandlungen verbessert? Dann kannst du auch ein paar Abstriche beim Gehalt hinnehmen, denn der Job scheint sich anderweitig für dich zu lohnen!

Diese Fragen solltest du dir vor der nächsten Gehaltsverhandlung stellen:

1. Hat mir mein vorheriges Gehalt ausgereicht?

2. Welcher TVÖD-Stufe gehöre ich an?

3. Was verdienen andere in meiner Branche?

4. Welche Fixkosten habe ich monatlich/jährlich?

- Miete

- Strom/Internet/Nebenkosten

- Handyvertrag

- Mobilität (z.B. Bahncard, Monatsticket)

- Mitgliedschaften (Parteien, Vereine, Fitnessstudio, etc.)

- private Versicherungen (private Rentenvorsorge, Zahnzusatzversicherung)

- Lebensmittel / Kosmetik 

- Ausgehen (Kino, Konzerte, Restaurants, Bars, sonstige Freizeitbeschäftigungen)

- Sonstige Ausgaben (Haustier, Friseur, Nagelstudio etc.) 

5. Welche Extraausgaben habe ich für diesen Job? (Anfahrten, Kleidung, etc.)

6. Muss ich eine Familie mitfinanzieren?

7. Muss ich einen Kredit abbezahlen?

8. Was sind meine (kostspieligen) Zukunftspläne für die nächsten fünf Jahre? (Hausbau, Wohnungskauf, Familie gründen, etc.)

9. Muss ich Geld für eine Anschaffung zurücklegen?