Der Weg zu neuen Jobs ändert sich: Immer mehr Unternehmen arbeiten daran, dass Bewerber ihre Fragen rund um die Stelle nicht mehr an einen Mitarbeiter richten, sondern mit einem Chatbot schreiben. Diese künstliche Intelligenz könnte sogar das Schreiben eines Lebenslaufs ersparen

Bewerbern, die ihre Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch verbessern wollten, rieten Karriereberater bisher gern: Ruft in der Personalabteilung an und stellt ein paar Fragen zum Job. So hinterlasst ihr schon mal einen guten Eindruck. Meist funktioniert das aber nur in der Theorie. Denn oft antwortet auf der anderen Seite ein kurz angebundener oder sogar genervter Personaler, bei dem sich vorher schon rund 50 andere Kandidaten mit den gleichen Fragen gemeldet haben. Doch künftig kann man sich solche Klinken-Putzer-Anrufe wohl sparen.

Denn immer mehr Unternehmen arbeiten daran, dass Bewerber ihre Fragen nicht einem Recruiter stellen, sondern einem Chatbot, den man via Facebook-Messenger, WhatsApp oder Telegram anschreibt. Große Arbeitgeber wie Sixt, T-Systems oder Energy Consulting haben bereits umgestellt und in naher Zukunft sollen noch zahlreiche andere dazukommen.

Chatbots könnten den Lebenslauf ersetzen

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„Drei Prozent der deutschen Großunternehmen sind dabei, Jobbots einzurichten“, weiß Luc Dudler, Gründer des Chatbot-Anbieters JobPal. Im Mai 2016 hat der 29-Jährige gemeinsam mit zwei Freunden das Start-up gegründet. Schon jetzt entwickeln er und sein Team für 40 Unternehmen Recruiting-Chatbots. Sie können Firmen ebenso wie Bewerbern Vorteile bieten, ist Dudler überzeugt.

„Unser Ziel ist, dass man über ein Stellen-Angebot stolpert und im gleichen Moment auch schon beginnt, mit dem Chatbot zu schreiben.“ Welche Inhalte hat der Job? Muss ich viel reisen? Wie hoch ist das Gehalt? Solche Fragen soll man künftig mit der künstlichen Intelligenz klären. Zudem könnte bei einigen Unternehmen auch das mühsame Schreiben eines Lebenslaufs wegfallen, da sich die Chatbots auch so programmieren lassen, dass sie alle relevanten Informationen einsammeln.

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Allerdings zeigte erst im Januar 2018 eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, dass 63 Prozent der Deutschen gar keine Chatbots nutzen wollen, weil sie nicht mit Computern kommunizieren möchten. Jeder Zweite bezweifelt, dass Anfragen durch Chatbots zuverlässiger beantwortet werden. Hinzu kommen Vorbehalte wegen des Datenschutzes. „Ich glaube, es ist normal, dass es eine gewisse Skepsis gibt“, sagt Dudler dazu. „Wir sehen aber an den Nutzerzahlen der Unternehmen, dass die Bewerber die Chatbots gut annehmen.“

 

Dieser Artikel erschien zuerst im enorm Magazin.