Aus Überzeugung vielfältig! Oder? Generell wären Social Businesses am liebsten super divers aufgestellt. Doch nicht nur ‘normale’ Unternehmen straucheln dabei Diversität nicht nur zu kommunizieren, sondern auch aktiv umzusetzen und zu leben. Auch wir haben gemerkt, dass wir uns noch weiterentwickeln wollen und müssen was das Thema angeht und gehen das nun im Zuge unserer #inclusionmatters Kampagne an. 

Was braucht es in einem Unternehmen, um divers zu sein? Keine homogene Gruppe an Menschen die über Diversität philosophiert, sondern Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religion, Sexualität, Alter, Geschlecht, körperlicher und seelischer Verfassung, the list goes on. Warum also nicht genau solche Personen befragen, die im (Arbeits-)Leben meist in der Minderheit oder unterrepräsentiert sind? Um der Frage auf den Grund zu gehen, wie von innen heraus Veränderung geschehen kann, müssen sie ins Boot geholt werden, um ihre Bedürfnisse zu erfahren. Was wünschen sie sich von einem Unternehmen, welche Erfahrungen haben sie bei der Jobsuche gemacht und – am wichtigsten – fühlen sie sich wohl?

Wir sprechen deshalb mit Huyen (Name von der Redaktion geändert). Sie arbeitet für eine große soziale Stiftung, ihre Eltern stammen aus Vietnam, sie selbst ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Sie gibt uns einen Einblick wie es ist, die einzige Person im Team zu sein, die nicht weiß ist. 

Liebe Huyen, welchen Job übst du aus und in welcher Branche?

Ich betreue die Social Media Kanäle eines Wohlfahrtsverbandes, welches international tätig ist und bin im Non-Profit Bereich tätig. Unser Ziel ist es ein junges Publikum zu erreichen und junge Menschen zum Ehrenamt zu motivieren. 

Wie divers ist das Unternehmen und Team in dem du arbeitest?

Wir sind eine sehr große Organisation mit zahlreichen Organisationseinheiten. In meinem Team sind wir zu viert und ich bin die einzige Mitarbeiterin mit Migrationshintergrund. Deutschlandweit sind wir an verschiedenen Standorten vertreten, daher kann ich nur meine subjektive Meinung über unseren Standort in Berlin veräußern. 

An unserem Standort gibt es kaum Mitarbeiter*innen mit Migrationshintergrund, daher sticht man eher heraus, wenn man einen Migrationshintergrund hat. Es ist eine andere Art von Beziehung und Bindung, wenn man denselben kulturellen Hintergrund teilt und sich darüber austauschen kann. Auf beruflicher Ebene spielt es für mich aber keine Rolle, aus welchen kulturellen Milieus meine Kolleg*innen kommen. Als Deutsch-Vietnamesin fällt es mir leicht mich verschiedenen Situationen anzupassen. 

In meinem vorherigen Job habe ich in einer Agentur mit einem internationalen Team zusammengearbeitet, welches unter anderem von seiner Multikulturalität gelebt hat. Ich fühle mich gut aufgehoben bei meiner jetzigen Arbeit, jedoch merke ich trotzdem, dass es sich hierbei um eine andere Arbeitsatmosphäre handelt. 

Fühlst du dich in deinem Team wohl?

Ich fühle mich in meinem Team sehr wohl, wir begegnen uns mit sehr viel Respekt, Toleranz und Offenheit. Dass ich die einzige Mitarbeiterin mit Migrationshintergrund bin in einem Team von vier Mitarbeiter*innen, stellt überhaupt kein Problem für mich dar. Jedoch würde ich mir für das Gesamtunternehmen zukünftig einen diverseren Mitarbeiter*innenstamm wünschen, da dies mit vielen positiven Aspekten verbunden ist – vor allem in einer Zeit, in der Multikulturalismus immer mehr in den Vordergrund rückt. Generell ist es mir wichtig, dass sich mein Arbeitsumfeld mit dem Wandel der Zeit entwickelt. 

Warum hinkt deine Organisation noch hinterher in Sachen Diversität?

Da wir eine sehr große internationale Organisation sind und dies mit vielen Restriktionen und Vorschriften einhergeht, ist es für unser Unternehmen ein viel langwierigerer Prozess neue Strukturen einzuführen.

Welche Vorteile bringst du durch Diversität ins Unternehmen? 

Ich bringe neue Perspektiven und Sichtweisen in mein Arbeitsumfeld mit hinein. Wenn ich in meinem privaten Umfeld über Erfahrungen mit Rassismus spreche, merke ich, dass mein Freundeskreis sichtlich überrascht ist. Was auch nicht verwunderlich ist, wenn man mit dieser Thematik im eigenen Erleben eher weniger Berührungspunkte hat. Dieser Austausch ist total wichtig – auch auf beruflicher Ebene. 

Da wir viel mit Flüchtlingen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zusammenarbeiten, bin ich der Meinung, dass diese es als leichter empfinden eine Ansprechpersonperson mit Migrationshintergrund zu haben. Zwischen zwei verschiedenen Kulturen aufzuwachsen kann mit Spannungen und Konflikten aufgeladen sein. Es ist ein schmaler Grat sich zwischen den Traditionen der Eltern und Verwandten und des eigenen Lebens zu bewegen. Ich vermute, es fällt Jugendlichen leichter sich mit Menschen zu identifizieren, die ähnliches durchlebt haben.

Welche Vorteile verpasst dein Unternehmen durch fehlende Diversität?

Das Zusammenleben und Zusammenarbeiten verschiedener Kulturen bringt viele Vorteile mit sich. Man hat die Chance sich in Akzeptanz und Toleranz zu üben und gewinnt durch die Vielfalt auch neue Einblicke und Einflüsse, die einen weltoffener machen. Dadurch entstehen zugleich neue Ideen und Weiterentwicklungen – stereotypische Vorurteile rücken in den Hintergrund und es werden symbolische Brücken gebaut. 

In unserer Kampagne sprechen wir von Inclusion als gelebte Diversität. Wie empfindest du den Unterschied zwischen Diversität und Inklusion? 

Die Begrifflichkeit Inklusion setzt den Fokus auf die Heterogenität und die Vielfalt einer Gesellschaft. Der Wunsch danach, dass kein Mensch ausgegrenzt wird und, dass die Werte Freiheit, Solidarität und Gleichheit gelebt werden. Jeder Mensch sollte das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe haben unabhängig von Heterogenitätsmerkmalen wie der ethnisch-kulturellen Zugehörigkeit. Diversität ist für mich Teil der Inklusion. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe alte Strukturen zu überdenken und diese zu verändern. 

Worauf achtest du bei einem Unternehmen, bei dem du dich bewirbst? Welche Tipps hast du für Personaler*innen?

Ich recherchiere auf Online-Plattformen für Arbeitgeber*innenbewertungen wie beispielsweise kununu und lese mir die Erfahrungsberichte anderer durch. Mir ist ein gutes Arbeitsklima wichtig, in dem man sich wohlfühlt und sich mit Offenheit begegnet. Wichtig ist mir auch, dass die Arbeitsatmosphäre angenehm ist: Wie sind die Räume eingerichtet? Welche Zusatzleistungen gibt es für Mitarbeiter*innen? Diese geben einen guten Einblick, ob eine gesunde Work-Life-Balance existiert. Gibt es regelmäßige Feedback-Runden? Kann man Veränderungen in das Unternehmen bringen?

Darüber hinaus sind mir eine gelebte Unternehmenskultur und ethische Unternehmenswerte wichtig, mit denen ich mich identifizieren kann.