New Work ist ein Sammelbegriff, der Prinzipien wie Holocracy, Design Thinking oder flexible Arbeitszeitmodelle vereint und das Streben nach Sinn im Job in den Mittelpunkt stellt! Wir glauben, dass Sinnhaftigkeit der Arbeit viel mehr im Zentrum der New Work Bewegung stehen muss. So wird aus New Work das zeitlose „Good Work“. Wie ihr euer Good Work Potenzial entfaltet, erfahrt ihr in dieser Artikel-Reihe. Im vierten Teil fragen wir unsere Gastautorin Rike Bucher, wie Emotionale Intelligenz anfassbar wird.

Was ist Emotionale Intelligenz?

Emotionale Intelligenz ist ein von John D. Mayer (University of New Hampshire) und Peter Salovey (Yale University) im Jahr 1990 eingeführter Begriff. Er beschreibt die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle (korrekt) wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen. Daniel Goleman hat daraus Mitte der 90er Jahre einen Millionen-Bestseller gemacht und die These aufgestellt, dass für den persönlichen und beruflichen Erfolg nur 20% des IQ (=Intelligenzquotienten) aber 80% des EQ verantwortlich sind, eine damalige Revolution.

Emotionale Kompetenz 

Emotionale Kompetenz bezeichnet - aus diesem Modell abgeleitet - die Fähigkeit, die eigenen Gefühle auszudrücken, zu steuern und zu verstehen und Verständnis für die Gefühle anderer aufzubringen.
Wenn wir also den klassischen Intelligenz-Begriff IQ erweitern wollen, dann ergänzen wir die kognitiven und akademischen Kompetenzen, die bis in die 2000er Jahre maßgeblich für Erfolg und Karriere in Wirtschaft und Politik gehalten wurden. Daniel Goleman, selbst Psychologe und Wissenschaftsjournalist, sah die herankommenden sozialen Missstände schon in den 90ern am Horizont auftauchen: Amokläufe, Jugendkriminalität, Drogenabhängigkeit. Mobbing, Psychische Erkrankungen bis zu Depressionen und Burnout, Unfähigkeit zur Integration sozialer Randgruppen und zu politischer Appeasement-Politik (Beschwichtigungspolitik). Die Liste ließe sich noch scheinbar endlos erweitern. 

Dabei stellen wir uns die Fragen: wie können wir mit Geduld, Einsicht und Maß die Kernprobleme in Beziehungen mit anderen und mit uns selbst aushandeln? Wie können wir ‚Emotionale Intelligenz‘ vom hohen Ross herunterholen und als eine natürliche und willkommene Sensibilität im täglichen Miteinander begreifen?

Was müssen wir wissen und lernen, damit wir Gefühle als Torwächter für unser reichhaltiges Innenleben betrachten können, die uns wertvolle Informationen offenbaren? 

Was macht EQ aus?

Goleman entwarf aus dem wissenschaftlichen Material von Mayer, Salovey und Gardner (‚soziale Intelligenz‘) ein 4-Stufen-Modell, mit dessen Hilfe wir einen intelligenten Umgang mit Gefühlen entwickeln können:

- Selbstwahrnehmung

- Selbstmanagement

- Soziales Bewusstsein

- Beziehungsmanagement

Viele Menschen fühlen sich gegenüber ihren Gefühlen ausgeliefert, bekämpfen oder vermeiden sie. Tatsächlich kannst du sie aber steuern, indem du sie erkennst und akzeptierst, sobald sie auftreten. Dadurch bringst du nicht nur Verständnis für deine Gefühle auf, sondern für dein Verhalten insgesamt (=Selbstwahrnehmung). 
Hast du deine Gefühle erstmal bewusst wahrgenommen, kannst du im nächsten Schritt deine Angst angehen. Betrachte sie als ein natürliches Warnsignal, das dich im Übermaß lähmen und stark verunsichern kann, z.B. bei Gesprächen mit der/dem Vorgesetzten. Lerne, dich selbst zu beruhigen und eine angemessene Form zu finden, um in Zukunft vorsichtig, aber durchsetzungskräftig deine Forderungen anzubringen. Die eigenen Gefühle zu regulieren bedeutet nicht, völlig durchgestylt zu agieren, sondern sie als Motor für das Erreichen der eigenen Ziele zu schulen (=Selbstmanagement).

Positive Gefühle senden und empfangen

Es gibt auch positive Gefühle wie Freude, die eine gute Beziehung mit Kolleg*innen und Partner*innen fördern und dein eigenes Wohlbefinden dabei steigern (=soziale Wahrnehmung). Sowohl Sender als auch Empfänger werden durch Geben und Nehmen von Wertschätzung und Anerkennung gestärkt. Dieses Prinzip ist der Kitt für soziale Gruppen wie ‚Fridays for Future‘ und zeigt sich als Garant für erfolgreiche Startups. „Netzwerken“ hat daher keine rein ökomische Funktion, sondern beruht auf dem Bedürfnis, eingebunden zu sein und Feedback zu erhalten. Das ist besonders wichtig für Solopreneure, Freelancer und Mitarbeiter*innen, die viel auf sich allein gestellt sind. Das Bedürfnis nach psychologischer Sicherheit in beruflichen Beziehungen wächst stetig (=Beziehungsmanagement). Daraus lassen sich erfolgsversprechende Führungskompetenzen ableiten: wer seinem Team Wertschätzung, Zugehörigkeit und angemessene Motivation verweigert, wird in Zukunft keine schwarzen Zahlen mehr schreiben, so eng sind Erfolg und emotionale Kompetenz miteinander verwoben.

Auf einen Blick: Zukunftskompetenzen wecken

Es folgt eine kleine Liste, die deine von Gefühlen beeinflussten Zukunftskompetenzen zeigt. Nimmst du deine Gefühle nicht wahr, kann dadurch jeder dieser Punkte negativ beeinflusst werden. Wenn du weißt, wie du dich selbst unterstützt und für dich sorgen kannst, dann kannst du auf emotionaler Ebene mehr als punkten:

 

- deine Fähigkeit, deine Arbeit und dein Leben selbst zu gestalten, annehmen

- die Gefühle, Motive und Sorgen anderer wahrnehmen und verstehen

- persönliche Verbindungen herstellen

- Gruppen organisieren

- der Wirtschaft soziale Impulse geben

- auf Dauer eine neue Beziehungskultur aufbauen

Neue Arbeit braucht emotionale und soziale Reife

Wie sieht Reife dieser Art aus? Herausforderungen im modernen Berufsalltag benötigen viele Kompetenzen von innen heraus, wie ich in meinem letzten Post über ‚Positive Influencer‘ gezeigt habe. Wird Kommunikationskultur menschlich und ehrlich gestaltet, dann darf auch Sensibilität und Verletzlichkeit gezeigt werden. Beide Werte können auch hilfreich sein: Zum Beispiel kann eine darauf basierende Kommunikation in ihrer Offenheit ein hilfreiches Messetool für die zu erwartende Kundenakzeptanz eines neuen Produktes sein. Wenn sich Teammitglieder untereinander sicher fühlen, dann gibt es keinen Neid und kein Mobbing, denn jede/jeder darf er/sie selbst als individuelle Bereicherung des Ganzen sein. Zugehörigkeit entsteht nicht durch regelmäßiges Tischtennis-Spielen, sondern durch eine offene, transparente Ansprache, durch Vorgehensweisen seitens der Geschäftsführung, die für alle nachvollziehbar sind und durch eine Partizipation, die alle als wertvollen Antrieb des gemeinsamen Erfolges sehen. 

Letztens habe ich von Seneca gelesen: „Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen“. Dieses weise Zitat lässt sich auch auf unsere Gefühle übertragen:

Wir haben nicht zu wenig Gefühl,
sondern wir haben zu viele Gefühle, 
die wir nicht nutzen.

 

Rike BucherRike Bucher entfaltet als Coach das volle Potential von New Leadern. Ihre Themen sind: Intuition, Authentische Führung, Emotionale Kompetenz, Macht, New Work. Ihr Coaching verbindet Kopf mit Bauch, Ihre Workation verbindet Sizilien mit Berlin.