Wer nach der Bundestagswahl Hoffnung hatte, dass Deutschland einen Weg aus der digitalen Versenkung findet und voller Tatkraft das Projekt Digitalisierung angreift, wurde spätestens dann enttäuscht, als die Große Koalition endlich beschlossene Sache war. Mit Dorothee Bär kümmert sich zwar inzwischen eine Person um das Thema, der man die notwendige Begeisterung und die Expertise dafür auch zutraut. Allerdings war mehr als ein Staatsministerium für Digitales nicht drin – während „Heimat“ fester Bestandteil eines ganzen Ministeriums wird.

Sei’s drum, mag man sich angesichts der Zahlen denken, die die International Federation of Robotics (IFR) vor Kurzem veröffentlicht hat. Danach steht Deutschland zumindest in einem Bereich der Digitalisierung so gut da wie kaum ein anderes Land der Welt: der Roboterdichte.

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Schon heute hohe Roboterdichte in Deutschland

Auf 10.000 Mitarbeiter in der Fertigungsindustrie kommen hierzulande 309 Roboter. Das klingt erst einmal nach nicht viel, reicht aber für Platz 3 in der Weltrangliste – sogar vor Japan, die uns allerdings mit 303 Robotern pro 10.000 Beschäftigten dicht auf den Fersen sind. Besser als Deutschland sind nur Singapur (488) und Südkorea (631), seit Jahrzehnten Kernland der Roboterforschung. Im weltweiten Durchschnitt beträgt die Roboterdichte laut IFR 74 Roboter auf 10.000 Mitarbeiter.

Alles entspannt also, sind wir gar nicht so ein digitales Entwicklungsland, wie man beispielsweise angesichts des mangelnden Breitbandausbaus denken könnte? Im Gegenteil: Zum einen kann sich Deutschland nicht auf seiner Position ausruhen. Entwicklungen wie die in China zeigen zum einen, dass andere Länder gerade im Bereich Automatisierung massive Wachstumszahlen hinlegen – ungeachtet aller Diskussionen um sinkendes Wirtschaftswachstum. Außerdem ist die Roboterdichte nur eine Kennzahl der Digitalisierung. Bei vielen anderen ist Deutschland alles andere als Weltspitze.

Viel wichtiger ist aber eine andere Erkenntnis: Es sind schon heute vor allem entwickelte Industrienationen, in denen besonders viel automatisiert ist – und wird. Die IFR rechnet beispielsweise damit, dass allein in den USA der Roboterabsatz „zwischen 2017 und 2020 weiter um durchschnittlich mindestens 15 Prozent pro Jahr steigen“ wird.

Sinn in der Arbeit wird wichtiger

Also selbst bei einfachen Industrietätigkeiten ist noch lange kein Ende der Automatisierung erreicht. Das zeigt auch eine Studie von PWC, nach der die Automatisierung in drei Wellen kommt – und vor allem repetitive Aufgaben in Zukunft von Maschinen übernommen werden.

Wenn man über Digitalisierung spricht, muss man also auch eine Diskussion darüber anfangen, wie wir künftig überhaupt arbeiten wollen, welchen Sinn und Zweck Arbeit in Zukunft erfüllt. Der Fokus sollte dabei auf dem Sinn liegen: Denn wenn die meisten Arbeiten von Maschinen erledigt werden, müssen wir Menschen es nicht mehr tun. Arbeit wird dann nicht mehr nur zur reinen Erwerbstätigkeit. Dann zählen Jobs, mit denen man einen echten gesellschaftlichen und sozialen Mehrwert schaffen kann, doppelt.

 

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