In Berlin, Hamburg und München kennt man sie schon länger, und auch abseits der Großstädte scheint sich die neue Büroalternative langsam durchzusetzen: Die Rede ist von Coworking-Spaces.

Die hippen Büros ziehen mit schickem Design, hochwertiger Einrichtung und vielen „Goodies“, die von Freibier bis Yoga reichen, schon längst nicht mehr nur Start-ups und junge Freelancer an. Auch immer mehr große Konzerne entdecken sie als eine attraktive Alternative zum klassischen Großraumbüro.

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Das Büro 2.0

„Coworking“ bedeutet zunächst einmal nur „miteinander arbeiten“. Und genau das bieten Coworking-Spaces auch an: Einzelne Arbeitsplätze und die nötige (technische) Infrastruktur für ein professionelles Arbeitsumfeld. Hier kann sich jeder zeitlich flexibel einen Arbeitsplatz mieten.

Schaut man genauer hin, wird aber klar, dass hinter dem Konzept eine viel größere Idee steckt. In Coworking-Spaces arbeiten die unterschiedlichsten Menschen aus verschiedenen Branchen zusammen und das bietet Raum, um auf ganz vielfältige Art und Weise voneinander zu lernen und zu profitieren. Patrick Henrici von der Berliner Firma Spacebase bezeichnet Coworking-Spaces daher auch als das „Real-Life-LinkedIn“: Hier werden Kontakte geknüpft, Stellen besetzt und gemeinsame Projekte und Ideen entwickelt. Der Arbeitsplatz wird somit automatisch auch zu einer sozialen Plattform.

Erfolgreiches Konzept

Die Idee begeistert. Seit der Eröffnung des ersten offiziellen Coworking-Spaces in den USA 2005, hat sich das Konzept schon jetzt weltweit etabliert. Allein in Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 300 verschiedene Angebote mit mehr als 10.000 Nutzern.

Flexibel, individuell und möglichst unabhängig – so möchten vor allem junge Berufstätige ihren Arbeitsalltag gestalten. Früher hieß die Antwort auf diese Wünsche oft Homeoffice. Doch die Arbeit zu Hause hat nicht nur Vorteile, so fehlt es häufig schon an der nötigen technischen Infrastruktur, um effizient und konzentriert arbeiten zu können. Coworking-Spaces bieten nicht nur genau dieses professionelle Arbeitsumfeld, sie lösen auch noch ein weiteres großes Problem, das viele kennen, die nicht im Büro arbeiten: Man ist nicht mehr allein.

Gemeinsam weniger einsam

Für den gesamten Arbeitsalltag, die Motivation und Leistungsfähigkeit können Isolation und der fehlende soziale Austausch Gift sein. Vor allem Freelancer und Gründer tappen häufig in diese Falle. Viele berichten, dass sie sich aufgrund ihres isolierten Arbeitsumfeldes einsam und unsicher fühlen, was sich negativ auf ihre Kreativität, Motivation und schließlich auch auf die Qualität der Arbeit auswirkt.

Wie verbreitet dieses Problem ist, zeigt eine Studie der University of Michigan. Wissenschaftler haben untersucht, warum sich Menschen für das Arbeiten in einem Coworking-Space entscheiden und wie sich das neue Arbeitsumfeld auf ihren Job und ihr Privatleben auswirkt. Die Ergebnisse sind eindeutig: Fast 90 Prozent der Befragten gaben Einsamkeit im Arbeitsalltag als einen Grund dafür an, sich für ein Coworking-Space entschieden zu haben. Und die Hoffnungen an den neuen Arbeitsplatz scheinen sich zu erfüllen: Bei über 80 Prozent der Befragten hat das neue Arbeitsumfeld dazu geführt, dass sie jetzt mehr soziale Kontakte haben, sich weniger einsam fühlen und dadurch auch wieder mehr Spaß an ihrem Job haben.

Coworking ist angesagt

Coworking ist aber schon lange nicht mehr nur eine hippe Alternative für junge Gründer und Freelancer, die der Einsamkeit entfliehen möchten. Immer mehr Firmen und Konzerne mieten Arbeitsplätze in Coworking-Spaces an. Dahinter stecken einerseits die Hoffnungen, die eigene Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt steigern zu können und gleichzeitig von den Ideen der jungen Kreativen vor Ort zu profitieren. Andererseits bieten die flexiblen Nutzungsmöglichkeiten aber auch ökonomische Vorteile. So können beispielsweise externe Mitarbeiter, die nur projektbezogene arbeiten, für kurze Zeit relativ kostengünstig untergebracht werden.

Individuelles Arbeiten, mehr Freiheiten und gleichzeitig noch ein interessanter Austausch mit den unterschiedlichsten Menschen, der vielleicht zur nächsten großen Geschäftsidee führt. Das klingt fast zu perfekt, um wahr zu sein.

Ein Konzept für die Zukunft?

In der Tat häufen sich auch immer mehr kritische Stimmen, von Menschen, die das Coworking schon wieder aufgegeben haben. Sie berichten hauptsächlich von viel Lärm, nervigem Small-Talk und nur wenig produktivem Austausch.

Und tatsächlich ist diese Form des Arbeitens nicht automatisch die beste Option, denn die besondere Art der Zusammenarbeit ist immer eine subjektive Gratwanderung und kann schnell zur nervigen Ablenkung werden. Und sicher ist auch, dass es nicht jeder als angenehm empfindet, immer inmitten von fremden Menschen zu sitzen und zu arbeiten.

New Work und Coworking Spaces passen gut zusammen

Somit ist es wohl auch eine Charakterfrage, ob man Lust hat, sich auf das Experiment Coworking-Space einzulassen. Gerade für Menschen, die es gewohnt sind, in einem kleinen ruhigen Büro zu arbeiten, bedeutet Coworking eine große Umstellung.

Trotz dieser berechtigten Kritikpunkte bieten Coworking-Spaces in unserer zunehmend dezentralen und digitalen Arbeitswelt aber einen neuen und spannenden Ansatz mit viel Potenzial. Vor allem bei jüngeren Menschen verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben immer mehr und genau dafür braucht es individuelle und interaktive Arbeitsplätze. Und genau die sich den Bedürfnissen und dem Leben anpassen.

Neugierig? Hier zeigen wir dir ein paar ganz besonderen Coworking-Spaces, die den Büroalltag definitiv revolutionieren.

 

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