Der Fridays For Future Gedanke ist nun auch auf dem roten Teppich der Berlinale angekommen. Nicht in Form von protestierenden Schüler*innen zwischen herausgeputzten Stars, sondern durch Handlungen. Umweltfreundliche Speisen, vegane Müsliriegel, alte Kleider statt nagelneue Pelzmäntel und sogar der rote Teppich grünt wie nie zuvor: für seine Herstellung wurden Fischernetze und diverser Meeresmüll verwendet. Die Berlinale 2020 bekennt sich offiziell zur Agenda 2030 der Vereinten Nationen und fördert soziale Projekte sowie nachhaltige Entwicklung

Nachhaltigkeit in der Filmindustrie - was spielt sich hinter dem Vorhang ab?

Gerade in der Filmbranche ist ein Umdenken mehr als wünschenswert, denn so ein Fernsehfilm kann schon mal mehrere Hundert Tonnen CO2 verursachen – bei einem US Blockbuster schwillt der ökologische Fußabdruck sogar bis in den tausender Bereich an. 
Beim Drehen gilt: Zeit ist Geld, daher gehen aufwendige Flüge und Plastikbecher am Set auf Kosten der Umwelt. 
Um dem Klimaschutz mehr Platz auf der Bühne zu verschaffen, haben Fernsehsender, Filmförderungen und Produktionsunternehmen den Arbeitskreis “Green Shooting” gegründet. Neben zukunftsorientierten Strategien wurde auch ein nationales Ökosiegel ausgearbeitet, mit dem sich nachhaltig produzierte Filme bald schmücken können.  

Politische Maßnahmen für mehr Umweltschutz im Showbusiness

Letzten Mittwoch trafen sich Vertreter*innen der Filmindustrie mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters in Berlin, um sich gemeinsam zu nachhaltigeren Produktionen zu verpflichten. Die bisher freiwilligen Handlungen sollen durch finanzielle Mittel für verbindliche Nachhaltigkeitskriterien zur Selbstverständlichkeit werden. “Wir wollen daran gemessen werden, sonst gibt es keine Fördergelder - auch nicht vom Bund”, so Grütters, denn "es ist ganz wichtig, dass eine so publikumswirksame Branche wie die Filmbranche mit einem guten Beispiel beim Umweltschutz vorangeht"

Filme über Nachhaltigkeit werden immer beliebter

Aber nicht nur bei der Produktion und der Kleiderwahl der Schauspieler*innen ist “grün” ganz hoch im Trend, auch inhaltlich findet das Thema Anklang.
Der Dokumentarfilm Gunda fand auf der Berlinale hohen Zuspruch. Er erzählt die bewegende Geschichte eines Schweines in Nahaufnahmen - von der Stalltür bis zum Teller. Regisseur Victor Kossakovsky verleiht den sonst eher anonymen Tieren aus der Massenhaltung einen individuellen Charakter, ohne sie zu vermenschlichen. 
Gunda zeigt zwar keine Naturkatastrophen-Aufnahmen, aber führt uns die direkten Auswirkungen unseres Fleischkonsums vor Augen und gehört damit zumindest teilweise in die Kategorie “Nachhaltigkeit”.
Auch Leonardo Di Caprio hat sich dieses brisante Umweltthema zu eigen gemacht. Mit seiner Dokumentation “Ice on Fire” beweist er, dass er auch hinter der Kamera viel Potenzial hat. Im Gegensatz zu den weit verbreiteten Weltuntergangsfilmen zeigt Di Caprio echte Lösungsvorschläge auf und präsentiert aussichtsreiche Methoden des CO2-Abbaus.

Der Wandel in der Filmindustrie kommt zwar reichlich spät, aber dafür mit einer Masse an Maßnahmen und Ideen, die vielversprechend klingt. Bleibt zu hoffen, dass die gegebenen Versprechungen keine Schauspielerei waren.