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Innerlich gekündigt? So nutzt Du Quiet Quitting als Chance

Das Phänomen des “Quiet Quitting” hat in den letzten Monaten viel Aufmerksamkeit erregt: Immer mehr Menschen erleben in ihrem Job eine innere Leere. Vanessa teilt, wie Du die Kontrolle über Deine berufliche Zukunft zurück gewinnst und lernst, diese Herausforderung in eine Chance zu verwandeln.

Vanessa Danesan

20.06.2024

Innerlich gekündigt? So nutzt Du Quiet Quitting als Chance

© Stella Hannemann

Kommt Dir das bekannt vor? 

Du bist nicht nur unzufrieden in Deinem aktuellen Job, sondern hast eigentlich schon still gekündigt? Du hast emotional bereits abgeschlossen und erfüllst nur noch die nötigsten Aufgaben? Du bist zwar anwesend, aber denkst Du die ganze Zeit, dass Du sowieso bald weg bist? Da Dir die Alternativen und die Klarheit fehlt, bleibst Du aber in dieser Situation?

 

Das Phänomen Quiet Quitting

In den letzten Monaten ist das Phänomen des “Quiet Quitting” verstärkt in den Fokus gerückt und hat eine breite Diskussion ausgelöst. Insbesondere nach der Veröffentlichung der bahnbrechenden Langzeitstudie 'Gallup Engagement Index Deutschland 2023' im März. Denn immer mehr Menschen haben praktisch schon mit ihrem aktuellen Job abgeschlossen und erledigen nur noch das Nötigste. Dass diese Situation auch bedeutsame Veränderungschancen mit sich bringt, ist den meisten aber nicht bewusst.

 

Definition: Quiet Quitting - was ist das eigentlich genau?

Aber von vorne - was bedeutet Quiet Quitting per Definition? Es bedeutet, dass der oder die Arbeitnehmer*in sich innerlich so stark vom eigenen Job distanziert hat, dass nur noch die Aufgaben und Arbeitsstunden, die im Arbeitsvertrag vereinbart worden sind, erledigt werden. Es werden keinerlei zusätzliche Aufgaben, zusätzliche Überstunden oder zusätzliches Engagement mehr aufgebracht.

Quiet Quitting unterscheidet sich somit von einer herkömmlichen Kündigung, da diese nur innerlich geschieht und nicht schriftlich eingereicht wird.

Wenn Du Dich bisher im Beitrag wieder erkennst, gehörst Du vielleicht zu den 45 Prozent der Deutschen, die laut Langzeitstudie aktiv auf Jobsuche oder offen für eine berufliche Neuorientierung sind. So viele Beschäftigte, die einen Jobwechsel in Betracht ziehen, gab es noch nie. Eine alarmierende Entwicklung, die laut Studie auch ein Ergebnis von schlechter Führung ist.

 

So erkennst Du, ob Du innerlich gekündigt hast

Wenn Du Dir noch nicht sicher bist, ob Du von Quiet Quitting betroffen bist, kannst Du Dir konkret diese Fragen stellen, um Dir einen ersten guten Eindruck zu verschaffen. Wenn Du alle Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, ist es sehr wahrscheinlich, dass Du bereits still gekündigt hast:

❓ Hast Du innerlich mit Deinem aktuellen Job abgeschlossen?

❓Leistest Du nur noch „Dienst nach Vorschrift“, nichts darüber hinaus?

❓Bringst Du Dich nicht mehr in Meetings und Gesprächen ein?

❓Vermeidest Du soziale Interaktionen mit deinen Kolleg:innen?

❓Vermeidest Du häufig zu arbeiten oder ins Büro zu gehen?

❓Sind Dir Deine Aufgaben und Ergebnisse egal?

 

Auch wenn die Erkenntnis nicht angenehm ist, ist sie wichtig. Die gute Nachricht ist, dass Dir dieser Blog Artikel aufzeigt, welche Chancen zur Veränderung sich aus dieser Situation ergeben.

 

So wirkt sich Quiet Quitting auf Dein Leben aus

Das Ausharren in belastenden beruflichen Situationen dürfen wir nicht unterschätzen. “Quiet Quitting” ist oftmals das Ergebnis von schlechten Arbeitsbedingungen und kann somit echte Auswirkungen auf Deine physische und psychische Gesundheit haben. Neben gesundheitlichen Konsequenzen, kannst Du auch weitere Anzeichen in Deinem persönlichen und beruflichen Alltag erleben.

 

Bemerkst Du bei Dir Anzeichen von:

👉 starke emotionale Belastung bis in Dein Privatleben?

👉 starke Frustration, die Dir Deine Energie für andere schöne Aktivitäten raubt?

👉 den Verlust von Selbstvertrauen für einen beruflichen Neuanfang?

👉 große Unsicherheit vor der Zukunft, weil Du keine guten Alternativen kennst?

👉 hemmende Orientierungslosigkeit, da Du nicht weißt, was nun der richtige Schritt ist?

Dann ist es an der Zeit, dass Du Dir klar über Deine Chancen und Veränderungsmöglichkeiten wirst.

 

Verstehen als Schlüssel zum Handeln - Gründe für Quiet Quitting

Um für Dich erkennen zu können, welche Chancen und Möglichkeiten die richtigen für Deine individuelle Situation sind, ist es wichtig, zunächst zu verstehen, welche Faktoren Dich zu diesem Punkt des Quiet Quitting gebracht haben, sodass Du mögliche Muster erkennst und diese nicht wiederholst. Denn nachhaltige berufliche Zufriedenheit ist dann möglich, wenn Du Dir über Deine Bedürfnisse und Möglichkeiten bewusst bist.

Die Gründe für Quiet Quitting im Job können vielfältig sein. Manche beschreiben das Fehlen einer attraktiven Perspektive und Entwicklungsmöglichkeit in ihrer aktuellen beruflichen Situation. Andere erleben sehr viel Stress am Arbeitsplatz, von dem sie sich abgrenzen wollen oder eine Betriebskultur, in der Sie keine Wertschätzung erfahren - z.B. von Führungskräften, die ihre Stärken nicht wahrnehmen und das Gefühl vermitteln, nicht für die Person wahrgenommen zu werden, die man eigentlich ist

Wie steht es in Deiner beruflichen Situation um:

📍 fehlende Perspektive und Entwicklungsmöglichkeiten?

📍 Stress am Arbeitsplatz?

📍 starke Unterforderung oder starke Überforderung?

📍 fehlende Wertschätzung?

📍 fehlender Fokus auf Deine Stärken?

Welche dieser oder anderer Faktoren sind eine Belastung für Dich? Durch welche Faktoren resultierte in der Vergangenheit stilles Kündigen für Dich? Was ist passiert? Seit wann würdest Du sagen, hast Du still gekündigt?

 

Berufliche Klarheit - Nutze Deine stille Kündigung als Chance

Nun hast Du für Dich herausfinden können, ob Du von Quiet Quitting betroffen bist und hast verstanden, welche Faktoren und Wendepunkte in Deinem Job dazu geführt haben können. 

Diese Erkenntnisse kannst Du nun nutzen, um gezielt zu entscheiden, welcher nächste Schritt der richtige für Dich ist.

 

1. Gewinne Klarheit über Deine Werte und Bedürfnisse

Quiet Quitting kann belastend sein, aber auch dazu führen, dass Du nun so viel mehr darüber weißt, was Du beruflich nicht mehr möchtest und was Du für Bedürfnisse für eine zufriedenstellende Arbeitsstelle brauchst.

Aus diesem Grund fertige als Basis für die nächsten Schritte diese Übersicht an:

 

2. Nutze Quiet Quitting als Absprung, um zu neuen beruflichen Ufern aufzubrechen

Du siehst also, dass es auf die Sichtweise Deiner Situation ankommt, denn belastende Umstände ermöglichen auch immer wertvolle Erkenntnisse. Es kommt darauf an, ob und wie Du diese erkennst und für Dich nutzt.

Nutze diese Phase, um Energie zu tanken und von einem Leere-Gefühl zu einem Gefühl von Fülle, Spaß und Freiheit zu kommen. Tanke Energie zum Beispiel durch diesen fünf Ideen:

🎓 Umschulung oder Weiterbildungsmöglichkeiten: Wolltest Du schon lange eine bestimmte Weiterbildung machen? Dann nutze jetzt die Chance, wo Du beruflich weniger eingebunden bist. Vielleicht zahlt Dein Arbeitgeber Dir die Kosten oder ein Teil davon.

🧘‍♂️ Selbstreflexion und persönliches Wachstum: Reflektiere und verstehe, wie Du in diese Situation gekommen bist und was Du eigentlich wirklich brauchst, um Dich beruflich wieder glücklich zu fühlen. Nutze dafür z.B. die obige Übung oder Podcasts und Bücher.

Außerdem hilfreich bei deiner persönlichen Sinnsuche: Das IKIGAI-Konzept.

🎯 Unterstützungsmöglichkeiten wie Coaching und Beratung: Wenn Dich Podcasts, Bücher und Gespräche mit Deinem Umfeld nicht mehr weiterbringen, hole Dir professionelle Unterstützung von Karriereberater:innen oder Coaches.

🤝 Netzwerken und Gleichgesinnten: Du musst nicht alles alleine schaffen! Nutze die Kenntnisse von Experten, um schneller an Dein Ziel zu kommen. Knüpfe Kontakte in Deinem beruflichen Umfeld, oder in online Netzwerken mit Menschen, die eine ähnliche Situation bereits erfolgreich durchgestanden haben. 

👩🏼‍🎨 Praktika, Probearbeiten, Freelancing: Auch wenn Du Dich noch nicht in die nächste Bewerbungsphase stürzen möchtest, erwäge die Möglichkeit, ein Praktikum oder Probetag(e) an einem Ort zu absolvieren, der Dir gut tut. Durch das stumpfe Arbeiten bei stiller Kündigung können solche Erlebnisse neuen Schwung reinbringen und starre Abläufe aufbrechen. Diese Orte können Bioläden, Blumenläden, Dein Lieblings-Cafe etc. sein.

 


© Stella Hannemann

 

3. Mein persönlicher Tipp:

Ermögliche Raum für Veränderung durch Offenheit: Suche das offene und ehrliche Gespräch mit Deinen Vorgesetzten. Es kann sein, dass Du seit langer Zeit bereits unklare Signale sendest, indem Du Dich zum Beispiel von allen sozialen Interaktionen distanzierst und Deine Vorgesetzten somit gar nicht wissen, wie es wirklich um Dich steht. 

 

Erkennen von Mustern, die Dich in Sackgassen und Unzufriedenheit führen: Für mich war es ein echter „Gamechanger“, als ich erkannt habe, dass ich meine Jobs immer wieder nach (für mich) falschen Werten und Faktoren ausgesucht habe. Das hat mich immer wieder zum Punkt gebracht, dass ich nach wenigen Monaten super unzufrieden war und nicht wusste warum. Diese Klarheit ist die Basis für richtige Entscheidungen und ein inneres Vertrauen.

 

Mein Fazit zu Quiet Quitting

Eine belastende berufliche Situation wie Quiet Quitting kann sich ins Privatleben und in die Gesundheit ziehen und deutlich bemerkbar machen. Daher ist es wichtig, dass Du selbst Deine Situation ernst nimmst und versuchst so gut es geht zu verstehen, wie Du in diese Situation gekommen bist. Auf diesem Weg kannst Du wertvolle Erkenntnisse sammeln, die es Dir ermöglichen, die richtigen nächsten Schritte zu gehen. 

 

👩🏼 Über Vanessa Danesan

 

Vanessa Danesan ist zert. Life Coach (DBCA) und spezialisiert auf Berufscoaching und Bewerbungstraining. Sie begleitet Menschen mit einem lösungsorientierten Coaching-Ansatz dabei, zu erkennen, was sie ausmacht, welches Potenzial und Stärken in ihnen steckt und wie sie sich damit ein authentisches (Berufs)Leben gestalten. Impulse rund um diese Themen teilt sie wöchentlich in ihrem Podcast „True Compass Talks“  sowie bei Instagram und auf LinkedIn.

 

 

Quellen: