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Good2Know – Confidence Gap und Tipps für eine selbstbewusste Bewerbung

Frauen bewerben sich seltener auf Jobs, deren Anforderungen sie nicht erfüllen als Männer. Ist die “Confidence Gap” Schuld? Nicht unbedingt.

Julia Dillan

27.01.2022

blauer Leucht-Schriftzug "Say It Louder!"

Alena Jarrett via Unsplash

Laut eines internen Reports von Hewlett-Packard (HP)  bewerben sich männliche Mitarbeiter eher für eine Beförderung, wenn sie 60 Prozent der Anforderungen erfüllen – Frauen mehrheitlich erst, sobald sich alle Qualifikationen und Anforderungen mit der Stellenanzeige decken. Diese Zahlen sind nur für den PC- und Druckerhersteller HP erhoben worden, weshalb hier zwar nicht mit einem Anspruch auf Vollständigkeit gerechnet werden kann, allerdings eine Tendenz deutlich wird: FLINTA* bewerben sich seltener auf Stellen, bei denen sie sich nicht vollkommen sicher sind, alles zu erfüllen. (die Abkürzung FLINTA* steht für: Frauen, Lesben, Inter Personen - also diejenigen, die sowohl weibliche, als auch männliche Geschlechtsmerkmale aufweisen, Nicht-Binär, Trans und Agender. Der Stern * steht für alle, die sich in der Bezeichnung in keinem der Buchstaben wiederfinden und in unserer patriarchalen Mehrheitsgesellschaft marginalisiert werden. Sprich: Nicht cis hetero männlich sind. Hier kannst du mehr zu den einzelnen Begriffen lesen.)Woran liegt das? Etwa an der sogenannten “Confidence Gap”? Was das ist, warum diese nur bedingt eine Rolle in dieser Kontroverse spielt und wie euch ein selbstbewusstes Auftreten dennoch in der Bewerbung hilft, lest ihr in diesem Artikel.

Was bedeutet “Confidence Gap”?

Die „Confidence Gap“ beschreibt die Geschlechterunterschiede in Sachen Selbstbewusstsein. Frauen haben aufgrund ihrer Sozialisierung und patriarchaler Strukturen  tendenziell weniger Selbstbewusstsein als Männer – denn schon als Kind wird ihnen vorgelebt, wie sich Machtverhältnisse verteilen. Gesellschaftlich wird noch immer reproduziert, dass Dominanz “männlich” sei und sich Mädchen und Frauen anzupassen haben. Das ist fatal und leider ist die Gesellschaft in 2022 noch immer nicht an dem Punkt angekommen, an dem wir frei von internalisierten Sexismen sind. Wenn du mehr über diese “Unconscious Biases” lesen möchtest, klick dich mal in diesen Artikel rein!

Häufig wird medial dargestellt, dass diese ‘Lücke’ ein Makel von FLINTA* sei, allerdings sollte der Fokus vielleicht eher darauf liegen, die Machtstrukturen zu verstehen und so auch zu erkennen, inwiefern cis Männer eventuell zu selbstsicher sind. Geschlechtsidentitäten sind trotz all dieser Studien und Darstellungen keine Garantie für die Menge an vorhandenem Selbstbewusstsein. Unter dem Imposter-Syndrom leiden die meisten immer mal wieder. Jedoch lässt sich durch den gesellschaftlichen Druck ahnen, dass FLINTA* häufiger unter dem sogenannten “Hochstapler*innen-Syndrom” leiden. Sich immer wieder behaupten zu müssen ist anstrengend und kann an der Selbstsicherheit nagen.

Natürlich haben FLINTA* keinen Grund, unsicher zu sein – außer der wirkenden Machtverhältnisse. Eine Studie der Cornell Universität hat herausgefunden, dass Männer ihre Fähigkeiten und ihre Leistung überschätzen, während Frauen beides unterschätzen. Wir vermuten, dass der Unterschied auch zwischen cis Männern und FLINTA* besteht, bei Studien wird allerdings noch kaum auf Geschlechtervielfalt eingegangen und viel nur im binären System gemessen. Die tatsächliche Leistung unterscheidet sich selbstverständlich weder in Qualität noch in Quantität. Dass die Gender Pay Gap noch immer besteht, ist ein Indikator, dass wir noch viel aufzuholen haben, wenn es um Gleichberechtigung geht. 

Woher kommen dann diese Differenzen in der Bewerber*innenanzahl? 

Eine LinkedIn Studie von 2019 hat sich damit beschäftigt, welche Zusammenhänge zwischen Geschlechtern und dem Bewerbungsprozess bestehen. So scheinen Frauen wählerischer bei der Auswahl der Stellenanzeigen, auf die sie sich bewerben, zu sein, hätten aber eine 16 Prozent höhere Erfolgsrate. Ein Grund dafür könnte eben diese Sorge sein, vermeintlich geringere Chancen zu haben, wenn nicht alle Anforderungen erfüllt sind und sie auch die Zeit von Recruiter*innen nicht verschwenden wollen. In der Tat werden Frauen in der Berufswelt häufiger an ihren Fähigkeiten auf dem Papier gemessen als ihre Kollegen. Eine McKinsey-Studie fand zum Beispiel heraus, dass Männer oft aufgrund ihres Potentials befördert oder angestellt werden, Frauen häufiger aufgrund ihrer Berufserfahrung und der Stationen in ihrem Lebenslauf. Statt dem Selbstbewusstsein ist also eher die eigene Erfahrung und die Einschätzung während des Bewerbungsprozesses Schuld. 

Müssen Bewerber*innen denn 100 Prozent der Stellenanzeige erfüllen?

Nein! Die fälschliche Annahme, dass das Anforderungsprofil in Stellenausschreibungen die Mindestvoraussetzung ist, ist immer noch sehr verbreitet. So gibt es viele, die sich nicht auf eine Stelle bewerben, wenn sie ein Jahr zu wenig Arbeitserfahrung oder keine Kenntnisse in einem einzelnen Programm haben. Was überzeugt Personaler*innen – insbesondere von GoodCompanies? Motivation, Persönlichkeit, ein  gutes Motivationsschreiben und natürlich ein spannender erster Eindruck!

Journalistin Teresa Buecker trifft es sehr gut: “Selbstbewusstsein schadet dennoch nicht: Der Job, der sich einen kleinen Tick zu groß für euch anhört, wird wahrscheinlich genau der richtige sein. Denn die spannendsten Jobs sind diejenigen, die fordern und in denen man wachsen kann. Wenn ihr schon vor der Bewerbung alle beschriebenen Anforderungen erfüllt, seid ihr vermutlich eines: überqualifiziert.”

Wenn ihr also das nächste Mal auf unserem Portal eine Stelle seht, die wie für euch gemacht klingt, und ihr gut begründen könnt, warum ihr ein guter Fit seid (sowohl fachlich als auch persönlich) – bewerbt euch! 

Tipps für mehr Selbstbewusstsein in der Bewerbung:

1. Deine Gedanken über dich selbst machen einen Unterschied. Setze dich hin und notiere dir deine Stärken, Errungenschaften, Erfolge. Notiere nur die positiven Dinge, Negatives brennt sich schnell in unser Unterbewusstsein ein und verzerrt so die Wahrnehmung.

2. Steh dazu, was du dir in Schritt 1 notiert hast. Wer deine Stärken und deine Persönlichkeit nicht anerkennt, ist vielleicht nicht der*die richtige Arbeitgeber*in für dich. Tue das, was dir gut tut und kleide dich so, wie du dich gut fühlst. Natürlich ist das leichter gesagt, als getan - insbesondere wenn du einen Job suchst. Aber mit dem Grundgedanken in einen Bewerbungsprozess einzusteigen und dich nicht zu verbiegen, nur um den Job zu bekommen, kann eine große Hilfe sein!

3. Versuche, präsent zu sein. Höre zu was dein*e Gegenüber im Gespräch sagt und reagiere aktiv darauf. Dieser Tipp ist eigentlich in fast jeder Situation Gold wert – wer aktives Zuhören beherrscht, gibt anderen Menschen das Gefühl, gehört und respektiert zu werden.

4. (Er)kenne Konzepte wie das Imposter-Syndrom und lerne, damit umzugehen. “Der Schlüssel ist, die eigene Leistung, aber auch die Bedingungen realistisch einzuschätzen. Denn der eigene Anspruch, den Betroffene an sich selber stellen, ist alles andere als realistisch. Man ist eben nicht nur gut, wenn man alles zu jeder Zeit kann. Dies ist von keinem Menschen erfüllbar.” 

5. Lass dich nicht von Absagen runterziehen. Mache von deinem Recht gebrauch, nachzufragen, woran es gelegen hat und feile an deiner nächsten Bewerbung. Jedes Vorstellungsgespräch gibt dir auch Klarheit über deine eigenen Wünsche und Ansprüche. Mehr Tipps, wie du aus Absagen lernen kannst, liest du hier.

6. Verstehe den Bewerbungsprozess! Kannst du dich in der Rolle sehen? Welche Fähigkeiten fehlen dir, hast du das Gefühl, sie sind wirklich essentiell für die Aufgaben? Ganz besonders unsere GoodCompanies suchen nach Menschen, die motiviert sind. Da lässt sich bei einem guten Fit auch mal der Aufgabenkatalog anpassen oder ein Skill intern vermitteln. Trau dich!

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