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Die Fähigkeit, Glück zu erlernen

Ein hohes Wohlbefinden zu empfinden ist einfach - wenn man das Konstrukt dahinter versteht. Denn Wohlbefinden und Glück sind nicht nur im psychologischen Sinne zwei Paar Schuhe – sie unterscheiden sich auch auf neurologischer Ebene. Und bedingen sich sogar gegenseitig.

Leonard Gabriel Heygster

27.08.2021

Die Fähigkeit, Glück zu erlernen

© Rafael Heygster

Ein hohes Wohlbefinden zu empfinden ist einfach - wenn man das Konstrukt dahinter versteht. Denn Wohlbefinden und Glück sind nicht nur im psychologischen Sinne zwei Paar Schuhe – sie unterscheiden sich auch auf neurologischer Ebene. Und bedingen sich sogar gegenseitig.

Glück als Cocktail

Aus neurologischer Sicht ist Glück nichts weiter als eine Belohnungsantwort im Gehirn. Merkmal einer solchen Reaktion wiederum ist das Ausschütten eines Cocktails verschiedener Botenstoffe, wie beispielsweise Endorphin, Serotonin oder Dopamin. Diese werden im Gehirn über Rezeptoren aufgenommen. Dabei gilt: je mehr dieser Botenstoffe an den Rezeptoren andocken, desto intensiver ist das wahrgenommene Glücksgefühl. 

Wenn Glück unglücklich macht

Am Beispiel von Essen können Wissenschaftler*innen verständlich darlegen, warum Dinge, die ursprünglich eine sehr hohe Belohnungsantwort im Gehirn ausgelöst haben, langfristig unglücklich bzw. unzufrieden machen können. Das ständige Ausschütten von glücksbringenden Botenstoffen führt nämlich zu einer neuen Ausrichtung ihrer Andockstellen, der Rezeptoren. Vereinfacht gesagt wird die Anzahl der Rezeptoren dann reduziert. Was vorher also zu einer hohen Glücksantwort geführt hat, macht nicht mehr so glücklich wie früher. 

Im Teufelskreis des Glücks

Das Beispiel adipöser Menschen zeigt hier einen Teufelskreis auf: Wer sich bereits viel übergessen hat, muss sich in Zukunft noch mehr überessen, um eine gleich hohe Glücksantwort zu provozieren wie zuvor. Glücksmomente können in ihrer Häufigkeit also abnehmen, umso mehr man sie erfährt. 

Die Sockelkante des U’s

Um dies besser zu verstehen, kann man sich die Entstehung von Glück oder Unglück wie ein umgedrehtes U vorstellen. Um langfristig ein hohes Wohlbefinden zu empfinden, sollte man versuchen, sich dauerhaft in der Sockelkante des Us aufzuhalten. Am Beispiel Geld wäre dies der Fall, wenn man über genügend Geld verfügt, um sich keine Sorgen über die eigene Existenz machen zu müssen, aber noch keine Sorgen hat, was man mit all dem Geld anstellen könnte. Oder wenn man das Lieblingsessen eben doch nur ab und an genießt. Mit anderen Worten kann man festhalten: Ein gesundes Mittelmaß hält Menschen glücklich. 

Wohlbefinden – der sachliche Gegenpol

Mit dem Wohlbefinden verhält es sich anders als mit dem Glück. Es ist nicht an die Ausschüttung von Botenstoffen und ihre Aufnahme durch Rezeptoren gebunden, denn es bedingt sich durch den Verstand. Dieser ist zum Teil genetisch bedingt, wird aber vor allem in der frühen Kindheit entwickelt: Je nachdem, wie sich die für Wohlbefinden verantwortlichen Netzwerke im Gehirn durch frühkindliche Erfahrungen, wie Zuneigung oder Geborgenheit, ausprägen, hat eine Person später eine höhere oder geringere Wahrscheinlichkeit, ein hohes Wohlbefinden zu erfahren. 

Die Königsdisziplin des Glücks

Das menschliche Gehirn kann zu fast jedem Zeitpunkt etwas Neues erlernen. Und weil Wohlbefinden eben kognitiv wahrgenommen wird, ist es auch fast immer möglich, es zu einem gewissen Maße zu "erlernen". Da dies aber nur über einen sehr langen Zeitraum passiert, sind Geduld und Ausdauer die Tugenden der Wahl, um einen gewünschten Perspektivwechsel zu provozieren. 

Neuroplastizität als Schlüssel

Möchte eine Person ihr Wohlbefinden durch beispielsweise eine Dankbarkeitsroutine steigern, so führt das stetige Wiederholen der Routine zu einer Umstrukturierung im Gehirn. Dieser Vorgang nennt sich Neuroplastizität. Im Gehirn findet dadurch vor allem eine Verknüpfung der für das Empfinden von Glück und Wohlbefinden zuständigen Netzwerke und Regionen statt. Gleichzeitig findet auch eine Veränderung der zuständigen Netzwerke selbst statt. 

Von glücksjagender zur glücksfindender Person

Wer also bemüht ist, die eigene Haltung gegenüber der Welt langfristig so auszurichten, dass sich ein erhöhtes Wohlbefinden einstellt, hört mit der Zeit automatisch auf, dem eigenen Glück nachzujagen. Man wird also von glücksjagender zur glücksfindender Person.

 


Über humansarehappy

humansarehappy schafft Verständnis für die Entstehung von Wohlbefinden und vereint wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Methoden und inspirierenden Lebensgeschichten. 

Im humansarehappy Podcast spricht Leonard Gabriel Heygster mit Expert*innen und Lebenskünstler*innen aus den Bereichen Wissenschaft, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu den Themen Wohlbefinden und Glück.  

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