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Darüber sprechen ist Gold – Über den Umgang mit psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz

Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz zu thematisieren ist leider immer noch ein heikles Thema. Wie geht man im Team damit um? Was kann ich als Kolleg*in tun, was als Führungskraft? Ein Versuch, den Umgang mit psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz aus der dunklen Ecke zu holen

Anthea Backfisch

07.12.2020

Darüber sprechen ist Gold – Über den Umgang mit psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz

© Volodymyr Hryshchenko via Unsplash

Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz zu thematisieren ist leider immer noch ein heikles Thema. Wie geht man im Team damit um? Was kann ich als Kolleg*in tun, was als Führungskraft? Ein Versuch, den Umgang mit psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz aus der dunklen Ecke zu holen. 

Psychisch krank ist nicht nur Burnout

Hinter dem Begriff psychische Erkrankungen steht eine Vielzahl an Erkrankungen. Im Arbeitskontext hört man immer wieder von Burnout, aber dies wird nicht als Krankheit definiert, sondern als ein Syndrom- als Zustand körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung. Unter die Top 3 der psychischen Erkrankungen gehören Angststörungen, Depression und Alkoholabhängigkeit, welche sich nicht immer im Verhalten widerspiegeln. Daher ist es ratsam, Hobby-Diagnosen zu vermeiden und die Situation sensibel wahrzunehmen.  

Finde den richtigen Moment

Du hast die Vermutung eine*r deiner Kolleg*innen ist psychisch belastet und du möchtest Unterstützung anbieten? Suche einen ruhigen Moment dafür und frage sensibel nach („Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit …. wirkst. Gibt es vielleicht Dinge die dich derzeit beschäftigen?“). Sollte die Person in diesem Moment nicht mit dir darüber sprechen wollen, signalisiere, dass du auch in späteren Momenten für sie da bist („Wenn etwas sein sollte, kannst du gerne immer auf mich zukommen.“). Schon das Interesse am Wohlbefinden deines Gegenübers ist hilfreich. Es kann sehr gut sein, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt auf dich zu kommt. Wenn nicht, hast du dein Bestes getan. Denn es bringt nichts, das Thema ständig aufzugreifen. 

Das H-I-L-F-E-Konzept

Personen in Führungspositionen haben besondere Verantwortung, wenn ein*e Mitarbeiter*in psychisch instabil ist. Folgende Handlungsschritte sind hier hilfreich: Hinsehen: Ein aufmerksames Wahrnehmen von Verhaltensveränderungen, Initiative ergreifen: Das beobachtete Verhalten offen und sensibel thematisieren, Leitungsfunktion wahrnehmen: Gemeinsam mit der betroffenen Person konkrete Arbeitsziele vereinbaren, Fördern: Geduld, Flexibilität und Verständnis aufbringen, Expert*innen hinzuholen: Bei Überforderung Beratungsstellen oder Psychotherapeut*innen kontaktieren. 

Unterstützung vom Unternehmen

Ist eine erkrankte Person länger als 6 Wochen arbeitsunfähig, hat sie Anspruch auf ein Betriebliches Eingliederungsmanagement, welches verpflichtend für den* die Arbeitgeber*in ist. In einem Gespräch wird geplant, wie der Wiedereinstieg gut gelingen und die Arbeitsgestaltung aussehen kann. Hier ist auch der Raum, um zu klären, ob das Team informiert werden soll.  

 

Sprich es an

Sollte sich dein*e Kolleg*in schon offen zu einer psychischen Erkrankung bekannt haben, darfst du ruhig nachfragen, welcher Umgang damit gewünscht ist. Indem du nachfragst, signalisierst du, dass es für dich ein „ganz normales Thema“ ist und du keine Berührungsängste hast. Das ist oft das Einfachste für die betroffene Person. 

Weg mit dem Stigma

Eine achtsame und offene Unternehmenskultur ist ein nachhaltiger Weg, um einen gesunden Umgang mit dem Thema Psyche zu erreichen. Ob großes Unternehmen oder Start-up, es lohnt sich, das Thema psychische Gesundheit zu behandeln, damit wir die Psyche aus der dunkeln Ecke holen. Bist du dabei? 

Weitere Informationen für Betroffene, Kolleg*innen, Führungskräfte und Arbeitgeber*innen finden sich in dieser sehr ausführlichen Handlungshilfe.

 

Anthea Backfisch ist systemische Beraterin und Coachin im Netzwerk Beratung & Entwicklung und beendet gerade ihr Masterstudium in Public Health. Sie beschäftigt sich intensiv mit der Frage wie mentale Gesundheit in der Arbeitswelt gefördert werden kann, und berät dazu Unternehmen und Einzelpersonen.  
 

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