Der Sektor der Altenpflege in Deutschland steht seit vielen Jahren in keinem besonders guten Licht: Hoher Zeitdruck, schwere körperliche und psychische Belastungen, unzuverlässige Arbeitszeiten und niedrige Löhne. Das sind alles Aspekte, die einen Arbeitsplatz nicht unbedingt attraktiv machen. Doch es geht auch anders! Versteckt und größtenteils von den Medien unbeachtet, gibt es unzählige Einrichtungen, die es besser machen. Einrichtungen, die alles Mögliche daransetzen, dass ihre Pfleger*innen und Angestellten einen guten Arbeitsplatz haben. Wie funktioniert das? In diesem Artikel geben wir Euch einen Einblick in die Ergebnisse unseres Projekts „Zukunftsfähige Altenpflege“:

„Ich brauche denkende Mitarbeitende, die mich auf Fehler aufmerksam machen“ 

Viel zu oft sehen sich Vorgesetzte vor allem als unantastbare, kontrollierende Instanz. Es werden Top-Down Entscheidungen getroffen, die weder für die Einrichtung noch für die Mitarbeiter*innen sinnvoll sind. Dabei sind die Pfleger*innen diejenigen, die am meisten Wissen in der alltäglichen Arbeit haben: Sie haben tagtäglich Kontakt zu den Heimbewohner*innen, kennen Arbeitsabläufe in und auswendig und wissen um die Stärken und Schwächen ihrer Kolleg*innen Bescheid.


Eine Führungs- und Betriebskultur, die dies erkennt und auf Augenhöhe, Transparenz, Kooperation und Beteiligung setzt, verbessert den Arbeitsplatz für alle. So sind in einigen Einrichtungen alle Protokolle aus den Sitzungen der Leitungsteams intern einsehbar, es gibt Ideen-Treffen, bei denen zusammen mit Mitarbeiter*innen einrichtungsinterne Arbeitsabläufe analysiert und weiterentwickelt werden und eine gemeinsame Planungsgruppe für den Neubau eines Gebäudes. 

Dienstplan von oben Adé – Mitarbeiter*innen entscheiden, wann sie arbeiten

Auch das Immanuel Seniorenzentrum aus Berlin vertraut auf seine Mitarbeiter*innen: Die Leitung gibt Dienstpläne in blanko heraus, die die Mitarbeitenden selbstständig ausfüllen. Anforderungen, wie die einzelnen Schichten besetzt sein sollten, stellen die Mitarbeitenden dabei ebenfalls selbst. Der große Mitbestimmungsspielraum zahlt sich aus: Das System hat dazu geführt, dass es eine insgesamt sehr hohe Zufriedenheit mit der Dienstplangestaltung gibt, nur wenige Schichten getauscht werden und so mit einer großen Kontinuität gearbeitet werden kann.

Gemeinsam die Werte der Einrichtung definieren

Auch die Sozial-Holding Mönchengladbach setzt auf ihre Mitarbeiter*innen. In der Einrichtung wurden die Führungskräfte mithilfe externer Unterstützung darin geschult, mit ihren Mitarbeiter*innen eine Zukunftswerkstatt zur Leitbildentwicklung durchzuführen. Aus den Ergebnissen wurde ein gemeinsames Leitbild kondensiert. Was bringt das? Die Mitarbeiter*innen diskutieren und definieren selbst, was ihre Leitwerte im Pflegealltag sein sollen. So sprachen sie über Grenzziehungen zwischen eigener Sicherheit und Persönlichkeitsrechten der Bewohner*innen oder den Einbezug von Angehörigen. 

Es braucht Mut und Kreativität in der Altenpflege. Weiter so!

Allen Maßnahmen gemeinsam ist, dass dem Wissen und der Perspektive von Mitarbeiter*innen Wertschätzung entgegengebracht wird. Die Mitarbeiter*innen sind informiert, bringen sich ein und tragen dazu bei, dass Entscheidungen auf Leitungsebene optimal auf ihre Bedürfnisse im Arbeitsalltag abgestimmt sind. Die Beispiele zeigen also: Mut und Kreativität zahlen sich aus und machen Dinge auch in schwierigen Rahmenbedingungen möglich. Weiter so!


Dieser Gastartikel wurde von Tanja Brumbauer von ZOE erstellt. ZOE ist ein junges Team, das Unternehmen und Organisationen dabei unterstützt Nachwuchskräfte zu begeistern und Nachhaltigkeit umzusetzen. Unser Ansatz verbindet Nachhaltigkeit und New Work Methoden.