„Wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir uns für eine*n andere*n Bewerber*in entschieden haben.“ Na toll, wieder eine Absage! Die Motivation für die nächste Bewerbung ist im Keller, das Selbstbewusstsein gesellt sich gleich dazu. Wie aber kann unsere Enttäuschung neue Möglichkeiten eröffnen?

Sinn finden

Im ersten Augenblick, wenn der Frust über die Ablehnung groß ist, fällt es schwer daran zu glauben, dass diese Absage etwas Gutes oder gar einen Sinn haben soll. Doch nicht umsonst verwenden wir Redensarten (oder vielleicht Weisheiten?) wie „Es hat nicht sollen sein!“ oder „Nichts geschieht ohne Grund!“. Sätze dieser Art wirken beruhigend und stärken unsere Resilienz, indem wir den vermeintlich schlechten Geschehnissen eine Sinnhaftigkeit zusprechen. Viktor Frankl, Begründer der Logotherapie, Psychiater und Überlebender eines Konzentrationslagers, würde vermutlich korrigieren, dass wir den Ereignissen keinen Sinn geben müssen, sondern dass wir ihn nur erkennen brauchen. Denn Sinn ist immer gegeben. Aufgrund seiner beruflichen Biografie und persönlichen Erlebnisse gilt Frankl als ausgewiesener Experte für Sinn – Warum sollten wir ihm also nicht glauben?

Raum für Gefühle

Den Sinn in etwas zu erkennen, bedeutet übrigens nicht, dass wir uns keine Zeit nehmen dürfen, traurig oder enttäuscht zu sein. Das gehört dazu und ist sogar wichtig – nur eben nicht
allzu lange! Wenn wir schmerzhafte Gefühle einfach wegschieben, begegnen sie uns nicht selten in anderer Erscheinung wieder. Vermiedene Gefühle können sich dann in Form emotionaler Schwankungen, sozialer Konflikte oder auch körperlicher Beschwerden Luft machen. Wenden wir uns den schmerzhaften Gefühlen allerdings im Übermaß zu, können wir darin versinken und in eine Abwärtsspirale geraten. Deshalb ist hier Balance gefragt!

Mit Reframing zum Perspektivwechsel

Stellen wir uns also nach einer Trauerphase die Frage: Was ist das Gute im Schlechten? Indem wir Antworten auf diese vorerst paradox anmutende Frage suchen, erzielen wir wichtige Erkenntnisse: Eigentlich war der Weg zur potenziellen Arbeitsstelle ohnehin zu weit, das Gehalt war geringer als es uns zusteht oder die Unternehmensphilosophie passte nicht zum eigenen Wertesystems. Diese Feststellungen können wir uns zum einen zu Nutze machen, um uns unserem Wunschjob anzunähern, zum anderen sind sie viel selbstwertdienlicher als Gedanken wie: Ich habe zu wenig Erfahrung, ich bin zu alt oder ich spreche zu schlecht Englisch. Wieso nicht das Gute im Schlechten sehen, wenn wir die Wahl haben?

Neue Bewerbung, neues Glück

Nach Jobabsagen haben wir oft das Gefühl von vorne zu beginnen, doch sollten wir immer bedenken, dass jede Absage eine Chance ist, sich noch einmal mit dem eigenen Profil und den persönlichen beruflichen Wünschen auseinander zu setzen. Wir können unseren Fokus bei der Stellensuche noch einmal schärfen, indem wir uns fragen: Was genau suche ich Was will ich? Was kann ich? Wer braucht all das, was ich zu bieten habe? Passen meine Kompetenzen und Wünsche zusammen? Wenn wir also den ersten Schreck überwunden haben und erkennen, warum es genau so sein sollte, können wir uns mit neuer Zielstrebigkeit wieder an die Jobsuche begeben. Wir können Stellenbörsen anhand unserer selbst aufgestellten Kriterien durchkämmen, bei Bedarf unsere Kompetenzen aufpolieren und potenziellen Arbeitgeber*innen vermitteln: Ich bin das perfekte Match!

Übung macht den*die Meister*in

Außerdem lässt jedes Jobinterview unsere Fähigkeit der Selbstvermarktung wachsen. Denn die meisten Menschen sind es nicht gewohnt, in solcher Ausführlichkeit über sich und die eigenen Kompetenzen zu sprechen. Indem wir verschiedene Bewerbungsprozesse durchlaufen und Vorstellungsgespräche mit unterschiedlichen Personen führen, kriegen wir Übung darin. Und die hilft uns ganz bestimmt beim nächsten Bewerbungsgespräch. Es könnte sogar passieren, dass wir Freude daran finden. Denn wann haben wir im Alltag schon mal die Gelegenheit ganz ungeniert unsere Schokoladenseite ins Rampenlicht zu stellen?

Selbstcoachingfragen
• Was kann ich? Welche Kompetenzen bringe ich mit?
• Woran möchte ich arbeiten? Wo sehe ich Entwicklungsfelder?
• Was für eine Stelle genau suche ich? Was will ich?
• Welches Umfeld braucht mich? Für wen biete ich einen Mehrwert?

Zum Weiterlesen

Bolles, Richard N. (2017). Durchstarten zum Traumjob. Das ultimative Handbuch für Ein-, Um- und Aufsteiger. Campus.
Frankl, Victor E. (2019). Über den Sinn des Lebens. Beltz.
Frankl, Vivtor E. (2018). ...Trotzdem ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager. Penguin Verlag.
Reulein, Dunja (2014). Selbstmarketing für Bewerber. Wie Sie Ihr berufliches Profil schärfen und sich erfolgreich bewerben. Springer.

Katharina Schuler arbeitet als Psychologin und Beraterin mit Klient*innen zu Themen der beruflichen Orientierung und persönlichen Entwicklung. Ihre Mission: Menschen auf dem Weg zu mehr Selbstkenntnis, mehr Wachstum und mehr Sinn zu begleiten. Sie liebt den Zauber von Veränderung und Neuanfängen!