Es gibt einige Anekdoten zu Steve Jobs. Doch kaum eine beschreibt seine Persönlichkeit, als kreatives Genie einerseits und perfektionistischem Kontrollfreak auf der anderen, so gut zusammen wie die zu den Toiletten bei Pixar.

Sie geht in etwa so: Als CEO von Pixar war Steve Jobs einst für die Neuplanung des Hauptquartiers verantwortlich. Bei der Frage, wo denn der beste Platz für die Mitarbeitertoiletten sei, schlug Jobs vor, sie ins Erdgeschoss zu verbannen, ganz an den Rand des Gebäudes – damit alle Mitarbeiter auch wirklich ein bisschen bis dorthin laufen müssen.

Mehr Kreativität durch Innenarchitektur

Die Intention hinter dieser Idee war aber keinesfalls sadistischer Art. Vielmehr ging es Jobs darum, dass sich die Mitarbeiter im zentralen Atrium des Gebäudes zufällig treffen und über den Weg laufen sollten. Er wollte mit solchen spontanen Begegnungen die Kreativität und den Austausch über Abteilungen hinweg anregen.

Wie Business Insider schreibt, konnte Pixar-CTO Edwin Catmull Jobs aber von dieser „absurden“ Idee abbringen – und die Mitarbeiter bekamen auch in den oberen Etagen, neben ihren Büros, sanitäre Anlagen.

Dieser Ansatz, Kreativität über die Innenarchitektur anzukurbeln, ist aber alles andere als neu. Schon die Allen-Kurve aus den 70er Jahren zeigt, dass die Bürogestaltung Auswirkungen auf die Interaktion der Mitarbeiter hat. Mit ihrer Hilfe zeigte der MIT-Professor Thomas J. Allen, dass die Kommunikation zwischen Mitarbeitern einer Firma rapide abnimmt, je weiter sie voneinander entfernt sitzen.

Neue Kollegen, neue Ideen

Vor etwa zehn Jahren hat Allen diese Annahme noch einmal auf den Prüfstand gestellt, vor allem weil inzwischen neue digitale Kommunikationsformen wie E-Mail hinzugekommen waren. Sein Ergebnis: Es bleibt dabei, je weiter Mitarbeiter voneinander entfernt sitzen, desto weniger kommunizieren sie, unabhängig vom Kommunikationsmittel.

Wie wichtig der Austausch unter Mitarbeitern und die interne Kommunikation für ein Unternehmen aber sind, verdeutlicht ein Experiment, über das die Harvard Business Review erst kürzlich berichtet hat. Bei einem südkoreanischen E-Commerce-Unternehmen wurden beim Umzug ins neue Büro einige Teams durcheinandergewürfelt. Kollegen, die vorher kaum miteinander zu tun hatten, saßen jetzt nebeneinander.

Und das hat sich für das Unternehmen gleich doppelt gelohnt. Zum einen sind so völlig neue Produktideen aus den sich überschneidenden Zuständigkeiten entstanden. Außerdem hat sich die Performance der Verkäufer spürbar verbessert.

Platzwechsel bedeutet auch Ideen-Wechsel

Die einfache Erklärung: Wer mit neuen Menschen in Kontakt kommt, kommt automatisch auch mit neuen Ideen in Berührung, was sich wiederum positiv auf die eigene Kreativität auswirkt. Es ist der berühmte Ausbruch aus der Komfortzone, der das Gehirn trainiert. Der Platzwechsel im Büro geht einher mit neuen Sinneseindrücken und Wahrnehmungen. Andere Menschen und ihre Lebensrealitäten geben einem zudem auch völlig neue Impulse für das eigene Denken. Das macht auch beispielsweise Coworking-Spaces für viele Kreative, Freelancer und Konzerne so interessant.

Sunkee Lee, der als Professor das Experiment in Südkorea begleitet hat, erklärt aber, dass sich diese Effekte nicht zwingend und vor allem nicht dauerhaft selbst einstellen. Zum einen lohnt es sich, wenn die Mitarbeiter schon eingearbeitet sind und fest in den Strukturen stehen. Außerdem ist der Effekt natürlich umso größer, je weniger sie vor dem tatsächlichen Platzwechsel schon mit den neuen Kollegen zu tun hatten, beispielsweise in Kaffee- oder Mittagspausen.

Trau dich aus der Komfortzone

Lee ist sich zudem sicher, dass nach einer gewissen Zeit ein Sättigungseffekt eintritt. Völlig logisch, denn die neuen Kollegen von heute, werden nach einer gewissen Zeit auch zu gewohnten Alltagsbegleitern, der kreative Input bleibt dann irgendwann natürlich aus.

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Dennoch zeigt das Experiment eines: So bequem der eigene, angestammte und personalisierte Platz im Büro ist, so spannend kann es sein, genau diese Komfortzone einmal zu verlassen. Dabei sollte man es aber auch nicht übertreiben: Ein Team jeden Monat durcheinanderzuwürfeln, bringt mehr Unruhe als Kreativität. Der sozusagen interdisziplinäre Austausch unter Kollegen sollte im besten Fall also wohl überlegt und geplant sein.

Geht auch: Arbeitsplatz einfach mitnehmen

Es geht aber auch unkomplizierter und spontaner, beispielsweise mit dem sogenannten Lunch-Roulette. Also sich zum Mittagessen einfach mal mit Kollegen aus einer anderen Abteilung verabreden. Mit Donut gibt es dafür sogar einen eigenen Slack-Bot. Sein einziger Sinn besteht darin, von Zeit zu Zeit zwei Mitarbeiter aus einem Unternehmen für eine Kaffeepause zusammenzuführen. So lernt man gleichzeitig das eigene Unternehmen und die Menschen dahinter besser kennen.

Und auch für alle, die sich nicht so recht von ihrem eigenen Schreibtisch verabschieden wollen, gibt es Lösungen: Der US-amerikanische Spieleentwickler Valve hat den Arbeitsplätzen seiner Mitarbeiter kurzerhand Rollen spendiert. Wenn man also einmal einen Tapetenwechsel und Kontakt zu neuen Kollegen will, heißt es einfach: Stecker aus der Steckdose und losrollen. Viel einfacher kommt man wohl kaum zu mehr Kreativität.

 

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