Man mag es kaum vermuten, doch der Unterschied beginnt tatsächlich schon im Kindesalter: Mädchen bekommen weniger Taschengeld als Jungen, das zeigte erst kürzlich die Kinder-Medien-Studie 2017. Dabei beträgt die prozentuale Ungleichberechtigung der jüngsten Altersgruppe über 16 Prozent – und kommt der bei den Erwachsenen schon erstaunlich nah.

Wie wird er definiert?

Der Gender Pay Gap beschreibt grob gesagt die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Konkret geht es um den prozentualen Unterschied des Brutto-Stundenlohns auf dem Arbeitsmarkt innerhalb eines Staates.

Wie groß ist er?

Das hängt von der Betrachtung ab, mal sind es nur 6, mal 49 Prozent. Der häufig genannte Wert von 21 Prozent vergleicht den Brutto-Stundenverdienst aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen im Durchschnitt miteinander. Daher spricht man auch vom „unbereinigten“ Gender Pay Gap. Der bereinigte Wert von 6 Prozent vergleicht den Entgeltabstand von Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und beruflichen Werdegang – also wie viel Geld Frauen tatsächlich für exakt die gleiche Arbeit weniger bekommen. Oft werden sogar Männer und Frauen im gleichen Unternehmen verglichen. Ermittelt wird die Lohnlücke jedoch nur alle vier Jahre, da der Aufwand enorm ist.

Moment. Und wie kommt ihr auf 49 Prozent?

Generell steht der Gender Pay Gap im Fokus. Allerdings gibt es auch einen sogenannten Gender Income Gap. Bei dem geht es nicht nur um den Lohn, sondern das gesamte Einkommen, also auch Zinsen, andere Kapitaleinkünfte oder Mieten. Laut dem DIW Wochenbericht entfällt von allen Einkommen in Deutschland nur etwa ein Drittel auf Frauen, zwei Drittel auf Männer – womit sich ein Gender Income Gap von 49 Prozent ergibt. Da dieser aber noch schwieriger auflösen lässt als die Lücke bei den Gehältern, konzentrieren wir uns hier auf den Gender Pay Gap.

Wie wird der Gender Pay Gap verursacht?

Die Ursache der Lohnunterschiede ist oftmals auf strukturelle Umstände zurückzuführen. Frauen arbeiten demnach häufiger in schlecht bezahlten und tarifgebundenen Branchen und Berufen und sind weniger in Führungspositionen vertreten. Familiäre Auszeiten und Arbeit in Teilzeit verstärken das Lohngefälle. Das erklärt aber nur einen Großteil des unbereinigten Gender Pay Gap. Selbst wenn Frauen den gleichen beruflichen Werdegang nachweisen können, ist ihr Gehalt statistisch gesehen 6 Prozent geringer als das eines Mannes in der gleichen Position. Letzteres ist nichts anderes als Diskriminierung.

Bedeutet das nicht auch, dass sich Frauen weniger leisten können?

Wenn Frauen weniger verdienen, können sie auch weniger kaufen. Der Wohlstand im Land fällt geringer aus, was sich auch negativer auf die Wirtschaft auswirkt. Nicht zu vergessen ist die sogenannte „Pink Tax“ (Die sogenannte pinke Steuer auf Produkte für Frauen). Die Verbraucherzentrale Hamburg hat im Frühjahr 2016 nachgerechnet und kam zu dem Ergebnis, dass bei Produkten für Frauen Preisaufschläge von bis zu 200 Prozent festzustellen sind. Frauen verdienen also nicht nur weniger, sie dürfen für fast identische Produkte auch noch mehr zahlen. Ist das gerecht?

Ist es überhaupt möglich den Gender Pay Gap zu verhindern?

Der bereinigte Gender Pay Gap könnte mittels eines Gesetzes verhindert werden. Doch selbst so ein Prozess ist oft langwierig und kompliziert. Zwar wurde vom Bundestag das sogenannte Lohntransparenzgesetz verabschiedet, mit dem Mitarbeiter Einsicht in die Gehälter ihrer Kollegen verlangen können, jedoch ist auch dies keine Garantie für die Abschaffung der Lohnungleichheit. Kleinere Betriebe unter 200 Mitarbeitern sind davon nicht betroffen. Es gibt also Lücken im Gesetz. Andererseits können strukturelle Gründe wie Arbeit in Teilzeit und Familienplanung, die einen Einfluss auf den unbereinigten Gender Pay Gap haben, nicht mit einem Gesetz gelöst werden. Dafür braucht es beispielsweise mehr Frauen in Führungspositionen und gesamtgesellschaftliche Anstrengungen für mehr Gleichstellung.

 

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