Uns bei GoodJobs geht es nicht nur darum, wie schon jetzt möglichst viele Menschen Erfüllung in ihrer Arbeit finden und damit die Welt verbessern. Wir machen uns genauso Gedanken zur Zukunft der Arbeit – und dazu gehört unserer Meinung auch das Thema Automatisierung. Das hier ist Teil zwei einer Serie zu den Ausprägungen und Auswirkungen von Automatisierung.

Wir (ja, auch wir von GoodJobs) sprechen beim Thema Automatisierung noch viel zu oft davon, ob und wie viele Jobs der Digitalisierung zum Opfer fallen. Diese Denkweise – allein schon die Begriffe und der Ausdruck – sind von Grund auf falsch.

Fangen wir einmal bei den Begriffen an: Ein grundlegendes Missverständnis ist, dass durch die Digitalisierung Jobs wegfallen. In erster Linie fallen Aufgaben weg. Das eigentliche Problem sind Jobs, die nur aus wenigen, automatisierbaren Aufgaben bestehen. Denn wenn eine Maschine mich komplett ersetzen kann, all meine Aufgaben restlos übernimmt, was sind meine Fähigkeiten, meine Skills dann wert? Viele dürften sich dann auch die Frage stellen: Was bin ich dann als Mensch überhaupt noch wert?

Dabei liegt genau darin die Antwort, zumindest eine. So groß der Hype um künstliche Intelligenz und Roboter derzeit ist, und so unbeschreiblich groß das Potenzial dieser Technologien ist, sind wir noch lange nicht an einem Punkt, an dem Maschinen Menschen ersetzen können. Aufgaben: definitiv. Jobs: zu einem Großteil. Menschen: noch lange nicht.

Mehr menschliche Kompetenzen in den Jobs

Konkret heißt das, dass sich Jobs – wenn man sie vor der Automatisierung schützen will – stärker auf menschliche Kompetenzen konzentrieren müssen. Computer werden in absehbarer Zeit Empathie, Kreativität und die Lösung komplexer Probleme nicht übernehmen. Gerade für besonders menschliche, soziale Berufe wie in der Pflege, Bildung oder im Ehrenamt bietet die Automatisierung deswegen eine große Chance, weil ihnen allein schon in Abgrenzung zur maschinellen Wirtschaft eine größere Bedeutung zukommt. Gerade der Pflege käme ein Mehr an Menschen und Menschlichkeit zugute.

Zwar gibt es erste Versuche damit, beispielsweise wenn Roboter in der Pflege eingesetzt werden oder sich Computerprogramme als Art Director, Komponisten oder Maler versuchen dürfen. Doch sind es derzeit nicht mehr als zaghafte Versuche. Die Ergebnisse in Ton und Bild sind durchaus Werke, aber damit vor dem Werk das Wort „Kunst“ gerechtfertigt ist, fehlt noch einiges.

Das ist auch eine Erfahrung, die wir hier bei GoodJobs gemacht haben. Man könnte zahlreiche Aspekte im Partnerkontakt automatisieren, über Umfragen, Mailings und maschinelle Anrufbearbeitung. Wir machen es aber nicht, weil uns die Rückmeldung unserer Partner  immer wieder zeigt, dass der persönliche Kontakt von Mensch zu Mensch und die damit einhergehende Wertschätzung, eine unserer größten Stärken ist.

Jobs brauchen endlich mehr Sinn

Ebenso wichtig wird aber, dass unsere Jobs in Zukunft einen völlig anderen Sinn bekommen – oder überhaupt erst einmal einen Sinn. In den kommenden Jahren werden nämlich vor allem jene einfachen, repetitiven Arbeiten automatisiert, die schlecht bezahlt sind und sich häufig durch eine gewisse Stumpfheit auszeichnen – eben jene, die wir genauso gut auch Maschinen machen lassen können. Davon werden vor allem betroffen sein Transport, Logistik, Fabrikarbeiten, Einzelhandel, aber auch Bürotätigkeiten.

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Das ist erst einmal großartig! Es gibt einfach noch zu viele Jobs, die Menschen erledigen, weil sie es müssen, obwohl sie ihnen nur sehr selten Freude bereiten. Diese Jobs sind reine Erwerbsarbeit und haben absolut nichts mit Erfüllung, Berufung und Sinn zu tun haben. Ich will nicht sagen, dass niemand als Verkäufer in einem Supermarkt glücklich werden kann. Für diese Leute wird es auch immer die Nische von Supermärkten mit menschlichen Kassierern geben. Aber nicht umsonst fallen gerade die genannten Branchen immer wieder durch schlechte Bezahlung und unfaire, menschenverachtende Arbeitsverhältnisse auf.

Wachsende Ungerechtigkeit muss gelöst werden

Und selbst wenn nicht ganze Jobs, sondern vor allem Aufgaben wegfallen, ist das alles andere als gefahrlos, im Gegenteil. So oder so wird uns die Automatisierung von Arbeit befreien, wir haben also mehr Zeit für andere Aufgaben. Weniger Aufgaben, aber dafür mehr Menschen mit Zeit, das führt  – der Logik von Angebot und Nachfrage sei gedankt – dazu, dass die Löhne sinken. Genau dieses Problem der „weichen“ Automatisierung skizziert beispielsweise ein Bericht der Investmentbank Barclays.

In letzter Konsequenz bedeutet das zwei Dinge: Wir müssen zum einen bald der wachsenden Ungleichheit begegnen, die sich durch die Automatisierung ergibt, beispielsweise durch ein bedingungsloses Grundeinkommen. Egal ob hart oder weich, formal gering qualifizierte Menschen werden die ersten Opfer der Automatisierung sein. Dass ihre Jobs nicht komplett wegfallen, heißt dabei nicht, dass es ihnen letztlich besser geht.

Eine zweite Konsequenz – und etwas, das vor allem langfristig entscheidend sein wird – muss sein, dass wir uns grundsätzlich Gedanken darüber machen, in welcher Art von Gesellschaft und Wirtschaft wir zukünftig leben wollen. Wir müssen anfangen, Jobs und Arbeit vom Erwerb zu trennen. Wir müssen Jobs einen Sinn geben, damit Menschen sie gerne machen. Wir müssen anfangen, Arbeit als Tätigkeit zu definieren, für die Menschen gerne aufstehen und nicht, damit sie am Ende des Tages etwas zu essen haben.

Endlich das machen, was wir wollen

Das bietet uns als Gesellschaft aber eine wahnsinnig große Chance: Viele Studien beweisen, dass Menschen, die ihre Arbeit gerne machen, diese auch besser machen. Zudem hindert die reine Erwerbsarbeit unzählige von uns daran, das zu tun, was wir wirklich wollen. Das kreative, soziale und innovative Potenzial unser Gesellschaft schöpfen wir nur deswegen nicht aus, weil wir zu sehr damit beschäftigt sind, Geld zu verdienen.

Endlich einmal mehr lesen, sich einen eigenen Garten zulegen, sich mehr im Verein engagieren, sich als Maler versuchen, mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen, überhaupt einmal in Ruhe ausschlafen; jeder von uns hat etwas, das ihn glücklich macht, zu dem aber durch die Arbeit weder Zeit noch Raum bleiben. Letztlich bietet diese Befreiung vom Muss der Arbeit die Chance, unsere eigene Existenz zu begreifen und nicht nur einen Sinn in der Arbeit, sondern im ganzen Sein zu finden.

Was machen wir, wenn es keine Jobs mehr gibt?

Wie wir unser Denken und die Art zu arbeiten ändern können, muss ausführlich diskutiert werden. Sicher die charmanteste, weil simpelste Lösung ist ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE). Doch natürlich ist auch diese Idee nicht ohne Fallstricke. Zum einen stellt sich die Finanzierungsfrage. Zudem muss das BGE natürlich so hoch ausfallen, dass die Menschen sich wirklich voll dem widmen können, was sie wollen, was ihnen Sinn und Erfüllung gibt.

Aber gerade diese Fragen werden langfristig nur noch drängender. Denn auch wenn mittelfristig vor allem Aufgaben und nicht so viele Jobs wegfallen: Irgendwann lässt sich sicherlich jeder Job automatisieren. Vor allem wenn hochentwickelte künstliche Intelligenzen den Sprung in menschenähnliche Roboter schaffen, werden wir zumindest als Arbeitskraft obsolet.

Es gibt keine einfachen Antworten auf all die Herausforderungen, die sich durch die Automatisierung auftun. Aber wir müssen anfangen, uns darüber ernsthaft zu unterhalten, was wir machen wollen, wenn die Maschinen uns alle Arbeit abgenommen haben.

 

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