Egal ob Algorithmen, Computer oder Roboter: Maschinen greifen immer weiter in unsere Arbeitswelt ein, es ist von einer neuen industriellen Revolution die Rede. Aber ein Programm als Chef? Eine Umfrage liefert gespaltene Ergebnisse

Eine Firma heißt zwölf neue Mitarbeiter willkommen, es gibt Kuchen, vielleicht sogar Ballons und mittendrin: Mitarbeiter AI-CD β – ein Roboter. Ja, das ist tatsächlich passiert. AI-CD β ist Creative Director der Werbeagentur McCann Japan, eine Maschine mit künstlicher Intelligenz (KI) und einem Stift an seinem Roboterarm.

Okay, Japaner. Die stehen eben auf Roboter. Aber langfristig betrachtet führt an mehr Maschinen in der Arbeitswelt kein Weg vorbei. AI-CD β zeigt das umso mehr, da er Creative Director ist. Kreativ, Kreativität. Also genau die Fähigkeit, von der allenthalben behauptet wird, dass sie nur Menschen hätten. Wenn uns die Computer etwas nicht wegnehmen können, dann das! Von wegen.

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KI als Vorgesetzte: Noch eine Minderheit

Eine repräsentative Umfrage aus Kanada befeuert diese Sichtweise. Das Beratungsunternehmen Intensions hat dafür fast 2300 Leute zu ihrem Arbeitsalltag interviewt. Dabei ging es um Generelles wie flexible Arbeitszeiten oder die Bereitschaft, eine eigene Firma zu gründen.

Gleichzeitig hat Intensions aber auch das Verhältnis zu KI am Arbeitsplatz abgetastet. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass etwa ein Viertel der Befragten einen Computer für vertrauenswürdiger und ethischer hält als den eigenen Chef. Bei den Jüngeren bis 39 Jahren ist es sogar ein Drittel.

Einziges Problem: Die Studienleiter haben bei ihren Fragen impliziert, dass der Computer „unbiased“, also durch nichts beeinflusst oder voreingenommen ist. Niemand hat die Frage gestellt, ob ein unvoreingenommener Roboter besser ist als ein unvoreingenommener Chef.

Jüngere sind aufgeschlossener

Und egal welches Alter man zugrundelegt: Es bleibt eine Minderheit, die den eigenen Vorgesetzten durch ein Programm ersetzen will. Dennoch zeigt die Studie interessante Trends auf, gerade im Unterschied der Generationen.

Die 20- bis 39-Jährigen wünschen sich beispielsweise mehr Sinn im Job. 29 Prozent sind frustriert, dass ihr derzeitiger Beruf ihnen das nicht bietet. Bei den Über-40-Jährigen sind es nur 19 Prozent. Die Jüngeren sind, das bestätigt auch die Studie, im Allgemeinen flexibler und wünschen sich mehr Freiheiten im Beruf. Fast ein Drittel von ihnen will auf Arbeit auch eigene Projekte und Interessen verfolgen können.

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Die Millenials und Generation Y sind auch den neuen Techniken gegenüber aufgeschlossener: 34 Prozent würde die eigene Bewerbung lieber von einem (unvoreingenommenen) Computerprogramm prüfen lassen. 33 Prozent hätten kein Problem damit, wenn die eigene Arbeit von einem Computer überwacht wird. Und immerhin 26 Prozent wünschen sich, dass das gesamte Unternehmen von einer Maschine gemanaget wird.

Die Studie bestätigt damit: Die Arbeitswelt verändert sich. KI in der Rolle der Vorgesetzten ist aber auch für diese Diskussion ein neuer Aspekt. Besonders das Management bekommt neue Fragen auf den Tisch. Nicht nur, wie man Maschinen als Angestellte behandelt, sondern auch: Wie geht man mit Robotern als gleichberechtigte Kollegen oder Chefs um – und was passiert, wenn sie einen ersetzen?

Dieser Artikel erschien zuerst im enorm Magazin.