Mit den Folgen der Corona Krise steht unsere Wirtschaft vor einer der größten Herausforderungen seit ihrem Bestehen. Wie gehen wir mit diesen Herausforderungen um? Welche Lösungen, Ideen und Möglichkeiten gibt es, sie nicht nur zu überstehen, sondern ihnen sogar mit Freude und Leichtigkeit begegnen zu können? 

Was Corona mit dem Borkenkäfer zu tun hat

Zur Zeit ist Corona nicht nur in aller Munde, sondern auch so ziemlich in jeder Schlagzeile zu finden und eigentlich wollte ich kein Wort darüber verlieren. Nachdem ich mich gestern mit einem Freund, der Unternehmer, Forst- und Betriebswirt ist, unterhalten habe, habe ich mich jedoch dazu entschieden, das Thema am Rande mitzunehmen. Denn mir wurde klar, dass es ein relevantes Symptom meines Themas darstellt. Im gestrigen Gespräch ging es nämlich um die Rolle des Borkenkäfers, der den Forstwirt auf einen Missstand hinweist. „Corona ist wie der Borkenkäfer“ war in jenem Gespräch der Satz, der mich um eine Erkenntnis reicher machte. 

Im Gespräch über das Problem mit dem Borkenkäfer, der zu einem großen Fichtensterben führt, ging es um unsere Art der Forstwirtschaft – die Monokultur. Sie führt dazu, dass der Borkenkäfer, hat er einmal begonnen mit seinem Werk, eben jede Fichte angeht, die ihm vor die Nase gerät, und in der Monokultur betrifft es dann natürlich alle Bäume dieses Waldes. Wechselt man die Perspektive und sieht den Borkenkäfer nicht als Krankheit, sondern als Symptom, gibt sich direkt ein Lösungsansatz zu erkennen. In diesem Fall ist der Borkenkäfer (Corona) schon der erste Schritt der Genesung. Durch ihn kann ich erkennen, was falsch läuft. Die Lösung in diesem Fall wäre die Permakultur, die auf Vielfalt baut, so dass sich der Borkenkäfer nicht von Fichte zu Fichte bewegen kann, da die anderen Baumarten eine Überpopulation von vorne herein ausschließen. Denn die Monokultur ist eine Erfindung des Menschen, die bei weitem nicht so widerstandsfähig ist wie die komplexe Ordnung, die die Natur zu erkennen gibt (und die wir bis heute aber nur ansatzweise verstehen). Betrachtet man den Corona-Virus (beziehungsweise das, was dann schlussendlich zu diesem weltweiten Wirtschaftseinbruch geführt hat) nicht als Problem, sondern als Symptom, gibt sich ebenfalls das Problem dahinter zu erkennen – und auch ein inspirierender Lösungsansatz.

Das alte System und Corona als sein Krankheitssymptom

Wie die Fichte in ihrer Monokultur leben auch wir heute in einem kranken System, das sehr einseitig ausgerichtet ist und nun anscheinend an Corona erkrankt ist – um mal bei dieser Metapher zu bleiben. Um die Gründe dafür zu erkennen, muss man in Raum und Zeit etwas Abstand gewinnen, um den sogenannten „Overview“ zu erhalten: In den letzten Jahrhunderten erfanden wir die Industrialisierung, die Massenproduktion und die Weltwirtschaft. Das „Höher, Schneller, Weiter“ wurde zum Selbstverständnis erklärt. Wir begannen, die Welt und uns selbst wie Gegenstände, wie Maschinen zu behandeln. Der Wert war nicht mehr der Mensch, sondern das Produkt. Erst produzieren wir, dann konsumieren wir, um anschließend wieder zu produzieren. Heute bezeichnen wir uns sogar schon als „Human Ressources“, wenn wir von unseren Mitarbeitern* und Kollegen sprechen. Was auf der Strecke blieb, war der Mensch mitsamt seinen ihm ureigenen Fähigkeiten, vorne voran die Empathie. Dieser Umgang mit uns und der Natur ist nicht nur an seine Grenzen gestoßen, wir sind mittlerweile ein gutes Stück weiter darüber hinaus geraten. Monokultur in Reinform – der Mensch betrachtet sich selbst nur noch als Ressource und Gebrauchsgegenstand. Sein Streben nach vielfältiger Entwicklung wurde gänzlich dem Wirtschaften unterstellt: produzieren, um zu konsumieren um anschließend Neues wieder zu produzieren. Das viel zitierte Hamsterrad.

Auf dem Weg in die Veränderung

Dass wir so also nicht weitermachen können, scheint klar zu sein. Dafür sprechen viele Faktoren wie die Umweltverschmutzung und unser Verständnis von der Natur und uns als Teil von ihr. Alles ist auf maximale Ausbeutung ausgerichtet. Und obwohl es uns angeblich so gut geht wie noch nie, sind wir nicht wirklich glücklich oder erfüllt. Wir haben viel materiellen Reichtum angehäuft, die Frage ist nur, zu welchem Preis? Viele Menschen spüren, dass wir auf falschen Pfaden wandeln. Das zeigt sich in Trends wie dem Vegetarismus und Veganismus, das zeigt das Urban Gardening, und sogar in der Wirtschaft wird immer häufiger vom „Purpose“ gesprochen. Unternehmenskulturen werden hinterfragt und mit systemischen Entwicklern nach und nach an das menschliche Wesen und seine Bedürfnisse und Potenziale angepasst. Das passiert natürlich noch nicht überall, aber es ist doch deutlich spürbar. Wenn man bei der Metapher des Symptoms bleibt, zeigt uns „Corona“, dass wir uns eine falsche, destruktive Umgangsweise angewöhnt haben – sowohl mit uns als auch mit der Natur, unserem Planeten und all seinen Bewohner*innen. Woran liegt das? Was können wir verändern? Was müssen wir verändern? Es lohnt sich, einen Blick zurückzuwerfen, um zu verstehen, wieso wir heute so denken und uns entsprechend verhalten. Erkennen wir, von wo wir kommen, können wir Alternativen in Betracht ziehen, weil wir die Prinzipien unseres Handelns nachvollziehen können, die wir dann im nächsten Schritt wandeln könnten. Wichtig ist es hier, bewusst einen Perspektivwechsel zu vollziehen, der uns neue Eindrücke und Sichtweisen ermöglicht.

Der Ursprung unseres Systems

Sucht man nach den Wurzeln unseres Handelns, stößt man auf unser (altes) Weltbild, das auf einem Vergleich vom Philosophen René Descartes beruhte. Er sprach von der Welt als einem riesigen Uhrwerk, in dem ein Rädchen sauber ins nächste greift. Dieses Weltbild brachte uns im Laufe der Zeit dazu, die Natur, die Welt und uns wie eine Maschine, einen Gegenstand betrachteten. Dadurch begannen wir dann alsbald, die Welt – und uns – auch wie jene zu behandeln. In dieser Welt, in der der Stärkere den Schwächeren frisst erwuchs auch unser konkurrentes Verhalten und der Wettbewerb, der durch die neoliberale Wissenschaft noch befeuert wurde. Durch sie reduzieren wir die Natur bis heute ausschließlich auf ihre materiellen Funktionen und Eigenschaften sowie auf objektiv bewertbare Ergebnisse. Wir sind jedoch Subjekte, haben ein individuelles Erleben, das auf unseren ureigenen individuellen Erfahrungen beruht. Und eben jenes Verständnis lehrt uns auch die Quantenphysik. Seit ihrer Erforschung ist klar, dass jedes Forschungsergebnis immer von seinem Beobachter abhängig ist. Die subjektive, individuelle Sichtweise ist also essenziell für unsere zukünftigen Beobachtungen. Dieses Verständnis sollte uns dazu veranlassen, den Menschen mitsamt seinen individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten nicht nur zu berücksichtigen. Wir sollten es als Maßstab jeder zukünftigen Entscheidung einsetzen, egal ob in der Wirtschaft, der Wissenschaft oder der Kultur. Es würde sich also anbieten, einen Schritt beiseite zu treten und eine neue Perspektive auf uns und die Welt einzunehmen. 

Der Mensch als essenzieller Teil des globalen Netzwerks

Denn neueste Erkenntnisse aus der Wissenschaft, die bereits in der Romantik von Goethe und Hölderlin ausführlich auf poetische Weise beschrieben wurden zeigen, dass das Bild der Maschine nicht nur fehlerhaft, sondern gänzlich falsch ist. Die Natur ist ein Reigen der Wechselwirkung und Kooperation, ein vermeintlich chaotisches, nichtlineares System (hier sei erwähnt, das Chaos lediglich eine Ordnung darstellt, die wir bis heute noch nicht entschlüsseln konnten). Dies ist uns spätestens seit dem großen Rummel um den Klimawandel und seine möglichen Folgen bewusst geworden. Forscher wie Suzanne Simard haben beispielsweise erkannt und wundervoll beschrieben, wie im Wald alles miteinander wechselwirkt. Vom Pilzmyzel über Mikroorganismen, Vögel, Insekten und Bäume findet hier eine große Gemeinschaft zusammen, in der jeder mit dem anderen interagiert, und in dem jeder Einzelne ohne den anderen aufgeschmissen wäre. Der Forstwirt Erwin Thoma sagte mir in einem Gespräch gar, dass „würde der Wald auch nur ein Jahr so wirtschaften wie der Mensch es heute noch tut, gäbe es in einem Jahr keinen einzigen Wald mehr auf der Erde“. 

Die Natur des Menschen ist es nicht, nur zu produzieren und zu konsumieren und Besitz zu horten. Er will leben, entdecken, spielen, träumen, schöpferisch tätig sein, ohne dass es wirtschaftliche Erwartungshaltungen gibt, die sein Handeln „erlauben“. Das können wir hervorragend bei Kindern und ihrer Lernkurve beobachten, die steil ansteigt bis zu jenem Punkt, an dem Erwachsene in die „Bildung“ eingreifen und den Lernmodus von intrinsisch auf extrinsisch umstellen. Der Hirnforscher Gerald Hüther hat dazu erstaunliche Forschungsarbeit geleistet und sie im Dokumentarfilm „Alphabet“ von Erwin Wagenhofer vorgestellt. Diese Art des Arbeitens erfüllt uns nicht (mehr) und immer mehr Menschen begeben sich auf die Suche nach ihrem Sinn im Leben anstatt stoisch Tag für Tag zur Arbeit zu gehen, das betrifft vor allem die jüngeren Generationen. Die Autorin Mokka Müller beschreibt in ihrem Buch „Das vierte Feld“ den Beginn unserer Suche nach Sinn dahingehend, dass wir mehr und mehr erkennen, dass die Natur, und damit auch wir, lebendiger sind und freier, statt statisch und einseitig. Sie fungiert eher wie ein Netz, das ständig in Bewegung ist, sich verbindet, löst, um sich an neuen Stellen wieder zu verknüpfen. Denn wie alles im Leben ist es die Entwicklung, die das Leben ausmacht. Das gilt für alles, auch und gerade für uns. Und für dieses Verständnis braucht es ganz andere Umgangsformen und eine andere Ethik in der Wirtschaft als bisher.

Warum lahmt unser System?

Ein primärer Motor unserer Gesellschaft findet sich im allseits gelobten Wettbewerb, sei es in der Wirtschaft oder im Spiel. Er beherrscht uns von Kindheitstagen an und bereitet uns spielerisch auf den „Ernst des Lebens“ vor. Während Kinder, die aus Eigenantrieb noch Welten entdecken und kreative Lösungen suchen, findet man diese Eigenschaften in der Welt der Wirtschaft nur noch bei einer Handvoll Menschen anzutreffen. Ergebnis sind meist lineare Innovationen, die nur noch auf alten Ideen aufbauen. Sogenannte „Breakthrough-Innovationen“ sind sehr selten geworden in der heutigen Zeit. So sind Dinge wie die Quantenphysik bereits vor knapp hundert Jahren entdeckt worden – vermutlich die letzte wahre Innovation der „modernen“ Forschung. Während wir heute immer noch mit dem Teilchenmodell in der Physik arbeiten, welches die Erkenntnisse der Quantenphysik nicht einmal ansatzweise berücksichtigen kann, geschehen auf der Quantenebene Dinge, die unser Teilchenmodell gar nicht abbilden kann. Und eben jene Prozesse könnten unser Denken, Handeln und Wirtschaften bereits morgen revolutionieren. Doch stattdessen produzieren wir größtenteils immer noch linear und seriell. 

Warum unser Wettbewerbsdenken von Vorgestern ist

Wir brauchen neue Ansätze, andere Perspektiven und nicht nur die Weiterentwicklung alter Strukturen. Und erst recht brauchen wir keine Verbote oder Einschränkungen, denn Mangel existiert in dieser Welt eigentlich nicht. Wir gehen schlicht und einfach unsinnig mit den Ressourcen um, und das liegt mitunter am selbstgeschaffenen Hamsterrad. Wenn das Grundprinzip der Natur nun die Wechselwirkung und Adaption ist, macht unser Verständnis vom konkurrenten Wettbewerb jedoch gar keinen Sinn mehr. Forscher wie Alfie Kohn haben schon in den 90ern herausgefunden, dass der Wettbewerb nicht nur uneffektiv ist, sondern er sogar Innovation und Wachstum ausbremst und zerstört. In diesem System wird mehr Energie darauf verwendet wird, die Entwicklung des „Konkurrenten“ zu behindern als die eigene zu beschleunigen. Und hier haben wir noch nicht einmal beleuchtet, welche Entwicklung möglich wäre für uns als Gemeinschaft, wenn die Kompetenzen der beiden Konkurrenten zusammenfließen und der Konkurrent zum Partner und Gefährten wird – das wäre zum Bespiel ein erster sinnvoller Perspektivwechsel.

Ressourcenverschwendung statt Innovation und Synergien

Ein gutes Beispiel ist in der Architekturbranche zu finden. Wenn ein Wettbewerb ausgelobt wird, nehmen in der Regel in einem geladenen Wettbewerb zehn bis zwanzig Büros teil. Jedes Büro investiert in der Regel etwa 10.000 bis 50.000 Euro an Gehältern und Ressourcen. Es gewinnt jedoch immer nur ein Büro, ein paar erhalten Honorarpreise, die die Unkosten decken, der Rest geht leer aus. Was wäre möglich gewesen, wenn alle Kompetenzen zusammengeflossen wären? Wie viel Wissen, wie viel Entwicklungsmöglichkeiten haben wir bis heute verbrannt, die uns allein in dieser Krise vielleicht bereits vor Wochen eine adäquate und sinnvolle Lösung beschert hätten. Die Frage ist also: Wo stünden wir heute, welche Erkenntnisse hätten wir heute, wenn wir in Forschung und Wirtschaft nicht gegen sondern miteinander gearbeitet hätten? Was bedeutet es für unsere Arbeitskultur, für unsere Forschung, unser Miteinander? 

Kooperation als Gamechanger

„Stellen Sie sich eine ressourcenbasierte Gesellschaft vor! Ein solches System hält keine Ideen zurück, es fördert sie!“
Joseph Alexopulus (Jan Teunen, „Helfen“)

Frederic Laloux hat bereits vor ein paar Jahren Unternehmen begleitet (Frederic Laloux, „Reinventing Organisations“), die diese Form des Wirtschaftens schon (vor)leben und damit unglaubliche Erfolge erzielen; nicht nur für sie sondern auch für ihr Umfeld und für die Gesellschaft als solches. Ein gutes Beispiel bildet Jos de Blok, der ein innovatives Konzept der mobilen Alten- und Krankenpflege entwickelte. Anstatt, wie im alten Denken Gang und Gäbe, diese Erkenntnis für sich zu behalten und daraus Kapital zu schlagen, bereitete er diese Erkenntnis in einer Präsentation sauber auf und sendete sie an alle „Mitbewerber“ – mit dem Hinweis, er würde auch vorbeikommen und Unklarheiten persönlich vor Ort tiefergehend beleuchten. Auf die Frage, warum er diesen USP einfach so teilte, anstatt ihn wirtschaftlich auszuschlachten sagte de Blok, ihm gehe es darum, dass den Menschen geholfen werde und dass die Idee in die Welt käme, damit es so schnell wie möglich so vielen Menschen wie möglich besser gehe als gestern noch. Was für den wettbewerbsorientierten Unternehmer unglaublich daran ist, dass dieses Unternehmen heute eines der erfolgreichsten Unternehmen in seiner Branche herangewachsen ist, dass weltweit agiert. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass alle Mitarbeiter einen Sinn in dem sehen, was sie während ihrer Arbeit tun. Sie können eigenverantwortlich agieren und sind glücklich mit dem, was sie ausüben und wie sie es ausüben. Dieser Aspekt sollte in jedem Unternehmen berücksichtigt werden. Laut Gallupstudie ist es jedoch im Großteil aller Unternehmen bisher so, dass im Schnitt 75 Prozent aller Mitarbeiter maximal Dienst nach Vorschrift verrichten, da sie primär extrinsisch motiviert werden, anstatt dem eigenen Antrieb zu folgen. Die meisten beklagen mangelnde Handlungsfreiheit und, dass sie nicht gesehen werden. Und auch das liegt an der Kultur des Mit- beziehungsweise des Gegeneinanders, das auf dem Gedanken des Wettbewerbs und des Gewinner-Verlierer-Handelns fußt. Oben bestimmt, was Unten zu tun hat. Und dieses Sich-Positionieren kostet viel Zeit und Aufmerksamkeit. Energie, die ebenfalls in das gemeinsame Lösungen Finden investiert werden könnte, was nicht nur mehr Freude beim Arbeiten und damit bessere Ergebnisse zur Folge hätte sondern auch ein besseres Arbeitsklima in den Unternehmen mit sich brächte. Und entgegen der vielzitierten Annahme, der Mensch wäre ein konkurrentes Wesen, lassen sich kooperative Prozesse unglaublich schnell erlernen und bleiben auch Jahre später noch erhalten und werden gepflegt. Es kommt eben nur darauf an, was man gelernt hat und wie man es pflegt.

Für mehr Kooperation statt Konkurrenz

Das lebt uns die Natur Tag für Tag vor – im Mikro- wie im Makrokosmos. Alles im Leben fußt auf dem Grundgedanken der Beziehung, ob in der Physik, der Chemie oder der Biologie. Warum sollte es also in unserem Alltag anders sein? wir haben uns schlicht und einfach an eine andere Kultur des Miteinanders – oder besser des Gegeneinanders gewöhnt. Und das funktioniert in dieser komplexer gewordenen Welt nun einfach nicht mehr. Es wäre also durchaus angeraten, die Prinzipien der Wechselwirkung und des Miteinanders zu studieren und zu kultivieren. Es ist nicht nur sinnvoll, nach Alfie Kohn bereitete es uns sogar viel mehr Freude, was aus wirtschaftlicher Perspektive zu besseren Ergebnissen, Produkten und Dienstleistungen führt. Denn, wer mit mehr Freude arbeitet, entwickelt mehr Leidenschaft und erzielt damit schlussendlich auch das bessere Ergebnis. Und wenn man Freude teilt, wird sie mehr, wie vermutlich alles im Leben. Im Großen wie im Kleinen. Wir müssen lediglich damit beginnen.

Es ist nun nicht mehr schwer zu erkennen, dass Kooperation nicht nur innerhalb einer Organisation sinnvoll ist, sondern auch zwischen einzelnen Organisationen. Gewährt man sich einen sogenannten Overview, zeigt sich, dass sich, folgen wir dem Potenzial der Kooperation, aus Unternehmen Organisationen entwickeln, die sich irgendwann zu selbstorganisierenden organismusartigen Gebilden weiterentwickeln können. Diese kommen ohne pyramidale Strukturen aus, die auf extrinsischer Motivation beruhen, doch dazu in einem späteren Artikel mehr.

Fragen, die wir uns als Teil einer Organisation nach der Krise stellen sollten sind also: Was müssten wir verändern, damit wir gemeinsam an Lösungen arbeiten, die uns allen zugutekommen? Wie lässt sich Kooperation erlernen? Wie lassen sich diese Prozesse in Unternehmen entwickeln? Welche Potenziale bergen sie für den Einzelnen; für den Mitarbeiter, den Vorstand, den Kunden, den Zulieferer? Und so unterschiedlich die Antworten auch sein mögen, eines ist gewiss: Dieser Perspektivwechsel weg vom konkurrenten Bild hin zu einem kooperativen Prozess setzt bestimmte positive Prozesse in Gang, die weit mehr dem Menschen entsprechen, als wir es bis heute für möglich halten. Ohne Wettbewerb können wir endlich ressourcenbasiert arbeiten und produzieren, weil Macht und Einfluss nicht mehr im Vordergrund stünden, sondern das Gemeinwohl. Und wir können langfristig eine Kultur des Teilens statt des Hortens etablieren.

 

* Ich beziehe mich im gesamten Text immer auf alle Geschlechtertypen.

 


Patrick Voigt (*1977) ist Kommunikationsdesigner und Inhaber des interdisziplinären Studios 22quadrat, einem Studio für narrative Gestaltung, sowie des Filmstudios 9sekunden, das sich primär mit Architekturfilm und der Darstellung von Unternehmenskultur befasst. Er setzt sich seit vielen Jahren intensiv disziplinübergreifend mit Themen aus den Gebieten Architektur, Grafik, Kunst, Interieur, Unternehmenskultur und -kommunikation, Purpose Zen, Minimalismus, Kooperation und menschlicher Wahrnehmung auseinander. Im Studio 22quadrat werden die Bereiche Architektur, Wirtschaft, Gestaltung, Philosophie und Kunst im Anschluss durch die subtile Einbindung von Narrativen miteinander verwoben. Ziel ist eine intuitive Informationsvermittlung und die Freilegung und Förderung von vorhandenen aber noch unerkannten Potenzialen von Unternehmen und Marken.