Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts gilt der 1. Mai als Festtag der Arbeiterbewegung in Deutschland. Ein Tag, an dem für faire Arbeitszeiten, bessere Bezahlung und vor allem menschenwürdige Arbeitsbedingungen gekämpft wurde. Arbeiter wollten etwas verändern und gingen für ihre Recht auf ein besseres (Arbeits-)Leben auf die Straße.

Es war also kein Zufall, dass sich der Unmut über unfaire Arbeitsbedingungen 1886 genau am 1. Mai entlud. Rund 400.000 Arbeiter gingen überall in den USA auf die Straßen und legten damit den Grundstein für den zentralen Aktions- und Feiertag der Arbeiter weltweit.

Der deutsche „Blutmai“

In Deutschland herrschte innerhalb der Arbeiterbewegung zunächst Uneinigkeit, wie man den 1. Mai begehen sollte. Während die Kommunisten auf der Straße für mehr soziale Gerechtigkeit und Wohlstand kämpfen wollten, sahen die Sozialdemokraten den Tag eher als friedlichen Feiertag. Seinen blutigen Höhepunkt erlebte der Streit am 1. Mai 1929.

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Nachdem sich die KPD nicht an ein allgemeines Protestverbot hielt, kam es zu blutigen Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und der Polizei, die mehr als 30 Menschen das Leben kostete. Der Tag ging als sogenannter „Blutmai“ in die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung ein.

Zur Feier des Tages: Heute frei

Unabhängig von allen Uneinigkeiten wurde der Tag erstmals 1919 zum gesetzlichen Feiertag erklärt, allerdings nur einmalig. Erst unter den Nationalsozialisten etablierte sich der „Tag der Arbeit“ dauerhaft als gesetzlicher Feiertag und ist es bis heute geblieben.

Während der 1. Mai nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Ostdeutschland hauptsächlich für die sozialistische Propaganda des SED-Regimes genutzt wurde, gingen in Westdeutschland an diesem Tag die Gewerkschaften auf die Straße. In den 1980er Jahren etablierten sich zudem vor allem in Hamburg und Berlin ausgehend von einer radikalisierten autonomen Szene gewaltsame Maikrawalle.

Was ist übrig vom „Tag der Arbeit“?

2018 scheint der „Tag der Arbeit“ den größten Teil seiner Sprengkraft und Bedeutung verloren zu haben. Was sich auch an den deutlich ruhigeren Protesten in Hamburg und Berlin zeigt. Natürlich rufen die Gewerkschaften in vielen Städten noch immer zu Protesten auf, doch für die meisten scheint der 1. Mai vor allem eines zu bedeuten: Sie haben frei. Ein Feiertag unter vielen, über den man sich aber selbstverständlich freut, denn – Gott sei Dank – heute muss nicht gearbeitet werden.

Eine Einstellung, die wir uns eigentlich nicht leisten sollten. Natürlich kann man argumentieren, dass unsere Arbeitsbedingungen, unser Gehalt und unsere allgemeine soziale Situation heute um eine vielfaches besser sind, als Ende des 19. Jahrhunderts. Wir müssen nicht mehr für eine Sozialversicherung oder geregelte Arbeitszeiten auf die Straße gehen, nicht einmal mehr für den Mindestlohn. Uns geht es im Großen und Ganzen gut, wir sind abgesichert.

Doch reicht das? Sollten wir uns damit zufrieden geben? Viele von uns leben von Wochenende zu Wochenende. Die Arbeit ist eine notwendige Pflicht, die zwar erfüllt wird, aber keinesfalls Erfüllung bedeutet. An Feiertagen wird dann natürlich gefeiert, dass nicht gearbeitet werden muss.

Ein neuer Kampf

Und genau da liegt das Problem. Eigentlich sollte uns der „Tag der Arbeit“ daran erinnern, dass es sich lohnt, für neue Strukturen auf dem Arbeitsmarkt zu kämpfen. Generationen vor uns sind auf die Straße gegangen, um etwas zu verändern. Wir hingegen liegen auf der Couch und geben uns mit dem Status quo zufrieden.

Dabei wäre doch genau jetzt die Zeit, um sich mit inhaltlichen Fragen zu beschäftigen. Die soziale Frage ist für die meisten Menschen in Deutschland geklärt, doch glücklich mit ihrem Joballtag sind viele deshalb noch lange nicht.

Hinzu kommt, dass die Digitalisierung unsere Arbeitswelt in den kommenden jahren komplett auf den Kopf stellen wird. Bestimmte Aufgaben werden automatisiert werden, dafür wird es neue Stellen geben,die besetzt werden müssen. es wird also höchste zeit, dass wir uns den fragen der Zukunft stellen, uns überlegen, wie und wofür wir arbeiten wollen.

Die Arbeiterbewegung hat in über 100 Jahren vieles erreicht, ausruhen darf man sich darauf aber nicht, denn es gibt noch so vieles wofür es sich zu kämpfen lohnt. Wir sollten unsere Freiheiten nutzen, um eine Arbeitswelt zu schaffen, in der es weniger um reine Pflichterfüllung und mehr um die Suche nach dem Sinn geht.

 

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