Menschen mit Migrations- und/oder Fluchterfahrung, welche eine Behinderung haben, sind in unserer Gesellschaft meist unsichtbar. Insbesondere auf dem Arbeitsmarkt. Der Verein MINA – Leben in Vielfalt e.V. hat sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit Migrations- und/oder Fluchterfahrung sowie deren Angehörigen mit Beratung und Unterstützungsangeboten zur Seite zu stehen. Auch und insbesondere am Arbeitsmarkt. Und zwar mit einem Angebot, das genauso divers ist, wie unsere Gesellschaft selbst. 

In Hinblick auf den Arbeitsmarkt haben Menschen mit Behinderung meist nur wenige Wahlmöglichkeiten. Ein Großteil arbeitet in sogenannten „Werkstätten für behinderte Menschen“ (WfbM). Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen Arbeitsplatz auf dem regulären Arbeitsmarkt, sondern um ein Angebot der beruflichen Rehabilitation. Zwar gibt es positive Entwicklungen und unzählige Instrumente zur Arbeitsmarktintegration, um Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung oder für Menschen mit Migrations- bzw. Fluchterfahrung auf den ersten Arbeitsmarkt bereitzustellen. Kommt beides zusammen – Migrations- und/oder Fluchterfahrung und Behinderung – sind die Herausforderungen jedoch deutlich größer. Anders gesagt: Menschen mit Migration- und/oder Fluchterfahrung haben es doppelt schwer, Leistungen bewilligt zu bekommen oder Unterstützung beim Finden eines inklusiven Arbeitssettings zu erhalten. 

Migration und Behinderung auf dem Arbeitsmarkt: Viele bürokratische Hürden

Auch wenn das Angebot zur Arbeitsmarktintegration facettenreicher ist als noch vor einigen Jahren, gleicht die Bereitstellung der Informationen meist einem undurchdringbaren Bürokratie-Dschungel. Der Weg zu Leistungen und der Eingliederungshilfe ist mit vielen Stolpersteinen und Hürden versehen. Und so finden Menschen mit Migrations- und/oder Fluchterfahrung aufgrund fehlender Informationen nur selten ihren Platz in ein inklusives Arbeitssetting. “Dieses Informationsdefizit sowie die Unkenntnis des deutschen Sozialsystems schränkt die Selbstbestimmung immens ein”, sagt Yildiz Akgün, Leiterin und Gründungsmitglied des Vereins MINA – Leben in Vielfalt e.V.. Deswegen ist professionelle Beratung und sprachlicher Beistand – beispielsweise in Form von Übersetzung – so wichtig. 
 

Der Verein wurde 2010 als Migrantenselbstorganisation gegründet, um Migrant*innen mit Behinderung und deren Angehörige zu beraten und sie  bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu begleiten. Mit Beratung, konkreten Maßnahmen und Angeboten will  MINA – Leben in Vielfalt e.V. allen Menschen ein Leben in einer inklusiven Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt ermöglichen. Denn: “Unsere Gesellschaft ist bunt und darin liegt eine immense Kraft”, erklärt Yildiz Akgün. Jedoch: “Um Diversität im Arbeitsleben umzusetzen, muss der Arbeitsmarkt inklusiver werden. Hier bedarf es vor allem Mut und Offenheit gegenüber kreativen Lösungen, insbesondere auf Seiten der Arbeitgeber.” 

So arbeitet MINA – Leben in Vielfalt e.V.

Dafür setzt sich der Verein MINA – Leben in Vielfalt ein. „Die große Vision ist es, dass Menschen mit Behinderung gleichberechtigt am Leben teilhaben können und das ohne Barrieren wie Sprache, Herkunft oder Behinderung.“, sagt Yildiz Akgün. In Berlin bietet das Team von MINA Angebote im Bereich der Beratung in Sprachen wie u.a. Deutsch, Türkisch, Arabisch oder Französisch an. Außerdem gibt es  diverse Freizeitgruppen sowie Angebote zur Selbsthilfe für Menschen mit Migrationserfahrung und Behinderung sowie deren Angehörige. Viele der Mitarbeiter*innen von MINA sind selbst Menschen mit Migrationserfahrung und Behinderung oder haben eine angehörige Person mit Behinderung. 

© Copyright: MINA - Leben in Vielfalt e.V.

Eine weitere wichtige Säule des Vereins ist das Projekt Ehrenamt in Vielfalt. Es wird durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration finanziert und gibt die Erfahrungen an der Schnittstelle Migration und Behinderung an Interessierte in ganz Deutschland weiter. Hierzu werden u.a. kostenlose Workshops für Ehrenamtliche und Hauptamtliche aus den Bereichen Behinderten- und Geflüchtetenhilfe, Migrantenselbstorganisation, Politik und Verwaltung sowie für weitere Interessierte  angeboten, die ihr unter diesem Link findet.

Design Thinking und ein Buchprojekt

Ein weiteres Arbeitsfeld des Projekts ist die engmaschige Prozessbegleitung von aktuell drei Organisationen der Behindertenhilfe. “Mit Hilfe agiler und kreativer Methoden –  z.B. Design Thinking –  erarbeiten wir mit den Organisationen konkrete Lösungswege, um Menschen mit Migrations- und/ oder Fluchterfahrung und einer Behinderung wirksam zu erreichen und zu begleiten”, so Yildiz Akgün. Außerdem werden im Rahmen eines partizipativen Projekts 20 Erfahrungsberichte von Menschen mit Migrations- und/oder Fluchterfahrung und Behinderung gesammelt und voraussichtlich im 3. Quartal dieses Jahres in verschiedenen Sprachen veröffentlicht. Das Buch wird dann u.a. auf der Homepage kostenlos erhältlich sein. 

MINA – Leben in Vielfalt e.V.: Du willst mitmachen?

Auch wenn es sich aktuell in Corona-Zeiten noch schwierig gestaltet,  bietet MINA Ehrenamtlichen die Möglichkeit bei den Gruppenaktivitäten und Veranstaltungen zu unterstützen. So finden über das Jahr beispielsweise Theateraufführungen und andere kulturelle Veranstaltungen, Gartenfeste oder Beteiligungen an Straßenfesten statt. Wer wiederum Lust hat, MINA hauptberuflich zu unterstützen, der kann sich auf der Website schlau machen (mina-berlin.eu).

Außerdem sucht der Verein immer wieder nach Praktikant*innen, die für mehrere Monate unterstützen. “Grundsätzlich freuen wir uns jederzeit über neue Kooperationsanfragen, um Menschen mit Migrationserfahrung und Behinderung stärker ins Zentrum zu rücken. Sei es in Form kreativer Aktionen oder durch die Entwicklung passender Schulungen zur Schnittstelle Flucht, Migration und Behinderung.”, sagt Yildiz Akgün. Bei Anfragen wendet ihr Euch am besten an [email protected]



MINA - Leben in Vielfalt e.V.
Der Verein MINA wurde 2010 als Migrantenselbstorganisation gegründet, um Migrant*innen mit Behinderung und deren Angehörige zu beraten und bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu begleiten. Seit dem vermehrten Zuzug von Menschen mit Fluchterfahrung ist die Beratung in diesem Bereich ein weiterer Schwerpunkt des Vereins. MINA steht für die Freiheit von Menschen mit Behinderung, ein barrierefreies, selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu führen.