Wenn wir auf die politischen Zusagen und Entwicklungen der letzten Jahre blicken, kommen wir zu dem Entschluss, dass die Bemühungen nicht weit genug gehen. Es wurde mehr Personal, bessere Ausbildung, mehr Verantwortung und höhere Löhne sowie Entlastung durch Digitalisierung von der Konzertierten Aktion Pflege 2019 in Aussicht gestellt. 

Fünf Arbeitsgruppen haben sich dem angenommen und in der Zwischenbilanz im November 2020 den Status Quo vorgestellt. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil : “Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir sind auf dem richtigen Weg”. Was heißt das konkret?  

Zu Beginn des Jahres 2020 wurde eine Ausbildungsvergütung eingeführt, das Schulgeld abgeschafft und die Pflegeschulen wurden mit digitaler Technik ausgestattet. Die neu eingeführte hochschulische Pflegeausbildung ist mit rund 30 Studiengängen gestartet. Und die begleitenden Informations- und Öffentlichkeitskampagne “Mach Karriere als Mensch” ist bis 2023 geplant.

Seit Januar 2021 werden 20.000 zusätzliche Stellen für die Pflegehilfskräfte geschaffen. Es wurden Einrichtungen gegründet, die Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen bei der Gewinnung internationaler Pflegekräfte unterstützen, die Fachkräfte im Ausland bei der Anerkennung ihrer ausländischen Berufsabschlüsse beraten und Maßnahmen für die betriebliche und soziale Integration sicherstellen. 

Der Mindestlohn für Pflegehilfskräfte steigt schrittweise und ab dem Juli 2021 gibt es erstmals einen Mindestlohn von 15 Euro für Pflegefachkräfte. Künftig sollen nur noch Pflegeeinrichtungen für die Versorgung zugelassen werden, wenn diese ihre Beschäftigten nach Tarif bezahlen. Die Gewerkschaft ver.di und die Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche haben den Entwurf eines bundesweiten Tarifvertrages für die Altenpflege erarbeitet. (Zwischenzeitlich wissen wir, dass dieser scheiterte.) 

Um die Befugnisse der Pflegekräfte zu stärken und auszuweiten, wurde ein Strategieprozess eingeleitet. 

Wir sind definitiv noch nicht am Ziel und sehen auch nicht alle Probleme damit angegangen.

Deutschland geht die Pflege aus

Neben einer ungerechten Bezahlung und der hohen Arbeitsbelastung für Pflegekräfte sehen wir Herausforderungen in der sozialen Unsicherheit. Immer mehr älteren, pflegebedürftigen Menschen stehen jetzt schon zu wenige Fachkräfte gegenüber. Wer wird für die Helfenden von heute morgen da sein? Immer mehr Pflegekräfte verlassen den Bereich und zu wenig ausgebildetes Fachpersonal kommt nach. 

Um den Beruf der examinierten Pflegekraft attraktiver zu machen, wird u.a. vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe und dem Deutschen Pflegerat ein Einstiegsgehalt von 4.000 Euro brutto gefordert. Damit soll der Flucht aus dem Pflegeberuf, den Lohnunterschieden zwischen Ost und West sowie zwischen Krankenhäusern und Langzeitpflege entgegengewirkt werden. Selbst mit den verschiedenen Schritten zum erhöhten Mindestlohn 2021 liegen Welten zwischen Vorstellung und der Realität. Ein erster bundesweit einheitlicher Tarifvertrag für die ambulante und stationäre Pflege zu Beginn 2021 scheiterte an den kirchlichen Verbänden. Ihr Veto begründen die Verbände mit der Tarifautonomie.  

Die gleichen Verbände drängen auf die Pflegereform. Beim aktuellen Entwurf geht es allerdings darum, dass Pflegebedürftige entlastet werden sollen und dem Vermeiden von Pflegebedürftigkeit. Politiker der Koalition gehen nicht mehr davon aus, dass die Pflegereform es noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg schafft. Aber selbst wenn, wird uns nicht klar, inwiefern die Pflegereform 2021 faire Gehaltsentwicklungen für Arbeitnehmer*innen und damit den Pflegekräften sicherstellen soll. 

Who cares? Immer mehr Stimmen verschaffen sich Gehör

Unzählige Petitionen und prominente Unterstützer*innen werden in der letzte Zeit lauter. GoodJobs beteiligt sich an dem Austausch, stellt den Dialog zwischen Arbeitnehmer*innen, Unternehmer*innen und Politiker*innen her. Wir wollen Potenziale und Lösungsansätze diskutieren, Interessierte und Aktionen zusammenführen, um auch bei der Bundestagswahl 2021 etwas zu bewirken. Dabei beantworten wir unter anderem die Fragen: “Wie können Potenziale der Gesellschaft genutzt werden?”, “Was sind alternativen Arbeitsmodelle in der Pflege?” oder “Welche unterstützenden Technologie gibt es bereits?”. Unser Online Magazin, die GoodJobs Social Media Kanäle und der Podcast Geil Montag! bieten ein Sprachrohr.  
Als Jobplattform wollen wir mit unseren Werten, Matchmaker zwischen sich nachhaltig entwickelnden Arbeitgeber*innen und motivierten Arbeitnehmer*innen sein. Auf GoodJobs finden sich nur Jobs wieder, die einen Impact für die Gesellschaft leisten. Wir fordern Gleichheit des Entgelts, Gesundheitsförderung, mehr Diversität sowie faire und moderne Arbeitsmodelle. 

Finde weitere Informationen auf der Seite: www.goodjobs.eu/de/care