Hektik und Stress sind Fremdwörter für dich? Herzlichen Glückwunsch! Wenn du aber dauergelangweilt und ständig unterfordert bist, herrscht Boreout-Gefahr. Wir zeigen dir, wie du ihn früh erkennst und haben 6 Tipps gegen Boreout für dich.

Boreout – der hässliche kleine Bruder des Burn-Out

Boreout ist das häufig verschwiegene Gegenstück zum viel diskutierten Burn-Out. Dabei sind viel mehr Menschen betroffen, als man vermutet: Laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und des Bundesinstitutes für Berufsbildung leidet sogar jeder siebte Angestellte in Deutschland unter einem Boreout. Der gesamtwirtschaftliche Schaden durch die Krankheit wird in Deutschland auf über 250 Milliarden Euro geschätzt.

Ein Boreout entsteht durch ständige Unterforderung im Job. Entweder wird das eigene Potenzial bei den anstehenden Aufgaben nicht ausgeschöpft oder man hat schlicht viel zu wenig zu tun. Was sich auf den ersten Blick wie der feuchte Traum jedes*r Angestellten anhört, kann ganz schnell in Frustration umschlagen. Wer sich täglich zur Arbeit quält, um dort acht Stunden der wertvollen Lebenszeit abzusitzen, verliert nicht nur die Motivation, sondern schnell auch das Vertrauen in das eigene Können. Denn fehlt der berufliche Erfolg, fehlen auch Anerkennung und Lob. Und nicht nur das: Ohne einen Sinn in der eigenen Arbeit zu sehen, leidet auch die eigene Wertschätzung. Die Folge sind tiefschürfende Selbstzweifel, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen bis hin zu körperlichen Symptomen wie Tinnitus, Kopf- und Rückenschmerzen sowie Magen- und Darmleiden. In vielen Fällen führen diese Leiden dann sogar zu psychischen Krankheiten wie Depressionen.

Ist das noch Langeweile oder schon Boreout?

Jede*r ist mal während der Arbeitszeit gelangweilt. Wenn dir die folgenden Situationen als ständige Begleiter bekannt sind, solltest du jedoch aufpassen – Boreout-Gefahr!

●    Du fühlst dich gelangweilt oder unterfordert.
●    Dich interessiert deine Arbeit überhaupt nicht.
●    Du ziehst deine Arbeitsaufgaben künstlich in die Länge.  
●    Du spielst anderen vor, du hättest viel zu tun.
●    Du checkst während der Arbeitszeit häufig private E-Mails, treibst dich auf Facebook herum und erledigst online-Einkäufe.
●    In den E-Mails an deine Kolleg*innen findet man nichts Arbeitsrelevantes – nur Cat-Content und Gifs.
●    Du fällst nach Feierabend erschöpft ins Bett, obwohl der Tag gar nicht stressig war.
●    Du würdest dir am liebsten einen neuen Job suchen und bleibst nur, weil du deine Sicherheiten nicht aufgeben willst.
●    Du siehst keinen Sinn in deiner Arbeit und bist unglücklich.

6 Tipps gegen Boreout

1. Verdacht auf Boreout dokumentieren

Selbsterkenntnis ist auch hier der erste Weg zur Besserung. Ob du wirklich unter Boreout leidest, kannst nur du selbst herausfinden. Sei ehrlich zu dir selbst und denk daran: Deine Situation hat nichts mit schlechter Leistungen, Inkompetenz oder Faulheit zu tun. Konzentriere dich stattdessen darauf, den Frust, der einen so großen Teil deines Lebens bestimmt, ein für alle mal loszuwerden. Wenn du meinst am Boreout erkrankt zu sein, geh strategisch vor. Führe eine Woche lang ein Protokoll und dokumentiere, was du den ganzen Tag am Schreibtisch getrieben hast: Wie schnell erledigst du deine Aufgaben und wie oft schindest du dabei Zeit, nur um beschäftigt zu wirken? Was macht dir an deinem Job noch Spaß und was nicht? Wenn die negativen Seiten überwiegen, solltest du über einen Jobwechsel nachdenken

2. Freizeit als Ausgleich

Nur weil es auf Arbeit schlecht läuft, muss sich das nicht auf dein gesamtes Leben übertragen. Du hast einen miesen Job, aber du kannst dich über so viel mehr definieren! Wenn du auf Arbeit unglücklich bist, solltest du deine Freizeit umso mehr nutzen, um einen Ausgleich zu schaffen. Statt deinen Feierabend vor Netflix zu verbringen, suchst du dir vielleicht eine Theatergruppe, fängst an in einer Band zu spielen oder treibst deinen Körper sportlich an seine Grenzen. Durch körperliche und geistige Anstrengung werden Endorphine ausgeschüttet werden, die dich glücklich machen. Erfolge in der Freizeit werden dir zudem das Gefühl von Stärke und Vertrauen zurückgeben – und das ist genau das, was du brauchst, um aktiv etwas an deiner Arbeitssituation zu ändern.

3. Mit dem Chef reden

Die erste Maßnahme um dein Glück im Arbeitsleben zu finden ist das Gespräch mit deinen Vorgesetzten. Schildere die Situation und verlange nach neuen Aufgaben und Herausforderungen. Durch deine Selbstdokumentation weißt du jetzt genauer, was dir an deinem Job Spaß macht. Vielleicht hast du auch schon eine konkrete Idee, welche neuen Herausforderungen du gerne meistern würdest und kannst diese deinem Chef direkt vorschlagen. Du brauchst dich vor diesem Gespräch nicht zu fürchten: ein guter Chef hat Interesse an motivierten und zufriedenen Mitarbeitern. Und niemand hat etwas davon, wenn du deine Zeit nur bezahlt absitzt.

4. Positiv stressen

Wie beim Burnout müssen sich Boreout-Betroffene sich erst langsam wieder an neue Aufgaben herantasten. Ständige Unterforderung verringert deine Belastbarkeit. Um wieder in Hochform zu kommen, solltest du dir geistige Herausforderungen suchen. So verbesserst du nicht nur deine Gehirnfunktionen sondern auch deine gesamte Leistungsfähigkeit. Suche dir eine intellektuelle Herausforderung, der du nach dem Feierabend nachgehen kannst und mit der du dich weiterbildest. Erlerne eine neue Sprache, lies interessante Bücher, fang an ein Instrument zu spielen oder finde endlich heraus, wie man ein Auto repariert – alles, was dir Spaß macht, ist erlaubt!

5. Konsequenzen ziehen

Dein Job nimmt einen Großteil deiner Lebenszeit ein und die solltest du nicht mit chronischer Unterforderung verbringen. Für neue berufliche Herausforderungen ist es gar nicht immer unbedingt notwendig, dem ganzen Unternehmen den Rücken zu kehren. Manchmal reicht es schon, die Abteilung oder das Projekt zu wechseln. Hör dich bei Kolleg*innen um – vielleicht ergibt sich ja etwas auf dem schnellen Dienstweg. Wenn du trotz Gesprächen mit deinen Vorgesetzten und neuen Aufgaben nach wie vor unmotiviert und unterfordert bist, solltest du Konsequenzen ziehen und deine „innere Kündigung“ auch aufs Papier bringen.

6. Einen Job mit Sinn finden

In der Regel gibt es drei Kriterien, die bestimmen, wie glücklich du mit deinem Arbeitsleben bist: Sinn, Zeit und Geld. Wer diese Faktoren in einem guten Gleichgewicht hält, hat keinen Boreout zu befürchten. Wir alle wollen das Gefühl haben, etwas Wichtiges beizutragen. Daher wird vor allem Sinn unserer täglichen Arbeit immer wichtiger. Schließlich gibt niemand gern zu: Mein Job ist totaler Bullshit und bringt niemandem etwas. Überlege dir daher genau, welche Themen dir wichtig sind und was du gerne verändern möchtest, bevor du dich neu bewirbst.   

New Work hilft!

Das größte Problem am Burnout: Die Überforderung am Arbeitsplatz wird schnell chronisch. Betroffenen fällt es schwer, aus diesem Zustand auszubrechen und fürchten sich davor, ihre Sicherheiten aufzugeben. So steigt die Frustration noch mehr an, Vorgesetzte geben als Folge dessen anspruchsvolle und interessante Aufgaben immer öfter an andere Mitarbeiter*innen. Das Paradigma von New Work kann helfen, Arbeitnehmer*innen wie Unternehmen gleichermaßen einen Boreout zu ersparen. Es kann zum Beispiel helfen, wenn Arbeitszeiten flexibel an die eigenen Lebensumstände angepasst werden können statt täglich acht Stunden am Arbeitsplatz absitzen zu müssen. Suche daher gezielt nach Unternehmen mit flachen Hierarchien und Arbeitgeber*innen, die Eigenverantwortung fördern, zum Beispiel Start-ups.

Hört sich gut an? Dann überwinde deine innere Kündigung und bewirb dich für einen Job mit Sinn!