„Mich packte das Gründerfieber schon in der Schule. Ich hatte immer Spaß an eigenen Projekten – daran, etwas aufzubauen. Nach dem Abi studierte ich dann BWL und nach der Uni arbeitete ich bei Unternehmensberatungen. Ich merkte aber jedes Mal, dass das nichts für mich ist. Spätestens nach sieben Monaten habe ich immer gekündigt.

Durch Zufall fing ich 2008 bei Rocket Internet an. So bin ich in die Berliner Start-up-Szene gerutscht und später auch bei dem Inkubator ‚Team Europe‘ gelandet. Zwischendurch war ich noch Berater, habe Deals und Übernahmen begleitet – ganz seriös, ohne Bart und im Anzug. Das war alles cool, ich habe wahnsinnig viel gelernt, bin irgendwann aber in eine Sinnkrise gerutscht. Als junger Gründer denkt man meist nur an das Geld bis man merkt, dass das nicht erfüllend ist – dass man so keinen sozialen oder nachhaltigen Mehrwert schafft.

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Deswegen habe ich vor drei Jahren mit Philip Siefer Einhorn gegründet und bin dort sehr glücklich, weil es eben nicht um Geld oder Ruhm geht, sondern darum, die Welt zu verbessern. Das Produkt – in unserem Fall nachhaltige und fair produzierte Kondome – ist für uns mehr Mittel zum Zweck, um zu zeigen, dass Kapitalismus auch anders geht: Dass Unternehmen ein tolles, begehrenswertes Mainstreamprodukt machen, aber gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich sein und einen Impact haben können.

Kaptalismus ist nicht grundsätzlich schlecht

Kapitalismus grundsätzlich zu verteufeln, ist sinnlos. Er ist da und die Frage ist, wie wir ihn gestalten. Er hat sich in eine komische Richtung entwickelt. Wir wollen ihn in eine andere schubsen. Deswegen geben wir unser Wissen auch weiter: in Workshops oder Vorträgen. Vielleicht gründen wir demnächst sogar eine ‚Einhorn University‘ – und ich finde den Weg zurück zu meinen Wurzeln als Berater.

Ich will nicht unbedingt mein Leben lang Kondome produzieren. Trotzdem habe ich das Gefühl, angekommen zu sein. Wir stehen mit Einhorn für bestimmte Werte – für die Vision von ‚unf*c k the economy‘. Im kommenden Jahr wollen wir weitere Probleme lösen und neue Produkte auf den Markt bringen, etwa wenn es um das Thema Periode geht. Wir könnten irgendwann auch ein Auto bauen, wenn wir das wollen. Das macht es so spannend. Ich genieße die Freiheit, die ich derzeit habe.“

Dieser Artikel erschien zuerst im enorm Magazin.