Die Open Society Foundations kehrten kürzlich ihrem Hauptsitz in Budapest den Rücken und verlagerten ihr Hauptquartier nach Berlin. Grund dafür: ein zunehmend repressives Klima gegenüber zivilgesellschaftlichen Organisationen in Ungarn. Jobsuchende in Deutschland haben jetzt die Chance, Teil der interessanten Organisation zu werden. Wir haben mit Senior Kommunikationsexperte Daniel Makonnen über die Stiftung und ihre Visionen gesprochen.

Daniel, was sind die “Open Society Foundations”?

Die Open Society Foundations sind ein Netzwerk aus Stiftungen, die sich global für Menschenrechte einsetzen. Wir sind die größte Stiftung, die sich ausschließlich mit diesen Themen beschäftigt – vom unabhängigen Journalismus, über Geschlechtergerechtigkeit bis hin zu mehr Rechten für Menschen mit Behinderung. Wir arbeiten weltweit: Insgesamt sind wir in mehr als 120 Ländern aktiv, mit über 2000 Beschäftigten und einem jährlichen Budget von etwa 1 Milliarde US-Dollar.

Wow, das hört sich nach einer großen Vision an! Wer ist denn der Kopf hinter dem Netzwerk?

Die Open Society Foundations wurden von George Soros gegründet und aufgebaut. Er ist gebürtiger Ungar und hat sowohl die Nazizeit als auch die sowjetische Diktatur durchlebt. Glücklicherweise konnte er aber nach New York fliehen und wurde dort erfolgreicher Investor an der Wallstreet. Mit seinem Geld wollte er etwas Gutes tun. Er hat sich schon immer für eine offene Gesellschaft eingesetzt – für Rechtsstaatlichkeit, Pressefreiheit und Rechte von Minderheiten. Also für Werte, die für eine Demokratie unabdingbar sind. Um diese Werte zu verteidigen, fing Soros im Jahr 1979 an, Stipendien an Schwarze Studierende in Südafrika zu vergeben während dort noch Apartheid herrschte. 1984 wagte er den nächsten Schritt und gründete seine erste eigene Stiftung in Ungarn. Und damit hatte er großen Erfolg. Es dauerte nicht lange, bis die Stiftung in ganz Osteuropa tätig war; danach folgten die Länder der ehemaligen Sowjetunion und schließlich wurden daraus die Open Society Foundations wie wir sie heute kennen, also ein weltweites Netzwerk. 

Was ist eure Mission? Kannst Du drei Themenschwerpunkte nennen, an denen die Open Society Foundations arbeiten?

Wir beschäftigen uns allen voran mit den Grundwerten der Demokratie. Rechtsstaatlichkeit ist die Basis für eine offene Gesellschaft. Zu ihr gehört auch, dass ein Staat transparent handelt, einem jeden den Zugang zum Rechtssystem ermöglicht und anständige Kontrollmechanismen hat. Danach kommt direkt die Presse- und Meinungsfreiheit. Ein Teil unserer Mission ist es, für freie Berichterstattung einzutreten, auch über unangenehme Themen. Im Moment leben weltweit viele investigative Journalisten in Angst. Ein drittes Kernthema ist unser Einsatz für die Rechte vulnerabler Gemeinschaften, wie etwa die Roma. 

Was macht ihr konkret gegen eines dieser Probleme?

Wir arbeiten an einer großen Bandbreite von Themen. Dabei geht es uns vor allem um Gemeinschaften, die zurückgelassen wurden und um Menschen, die nicht gehört werden. Ihnen wollen wir helfen. Wir unterstützen zum Beispiel die Rohingyas in Myanmar, Menschen aus Afrika mit Albinismus aber beispielsweise auch Menschen in Nordengland, die von der Wirtschaftskrise gebeutelt wurden.
Einer unserer großen Arbeitsbereiche ist die Unterstützung von Roma in Europa. Das ist so etwas wie unser Vorzeigeprojekt, weil es sich sehr stark für eine offene Gesellschaft einsetzt. Seit dem Zusammenbruch des Kommunismus werden Roma weitestgehend von den europäischen Regierungen vernachlässigt. Zwölf Millionen Europäer mit Roma-Hintergrund werden diskriminiert und ausgegrenzt und niemand unternimmt etwas dagegen. Wir wollen das ändern und das Problem der Roma auf die politische Agenda setzen. In den frühen 90ern hat Soros deshalb damit angefangen, studierende Roma mit Stipendien zu fördern. Dadurch hatten einige von ihnen endlich Zugang zu höherer Bildung und sie konnten gute Universitäten besuchen. Wir fördern auch die Identität, Geschichte und Kultur der Roma. Die Open Society Foundations waren eine der ersten Verfechter für Roma-Kultur und haben in diesem Zusammenhang das erste kulturelle Roma-Zentrum in Berlin eröffnet, das Europäische Roma-Institut für Kunst und Kultur. Nachdem Demokratie und Menschenrechte momentan wieder vermehrt Rückschläge erfahren, werden auch die Roma wieder von vielen Staaten bedroht und misshandelt. Es ist heute also wichtiger denn je sich für die Roma einzusetzen. In der Praxis heißt das, dass wir zivilgesellschaftliche Organisationen und betroffene Studierende finanziell unterstützen, etwa durch Stipendien. Aber die Open Society Foundations fördern auch Forschung. In manchen europäischen Staaten müssen Roma auf separate Schulen gehen, wie wir es aus den 50er Jahren zu Zeiten der Rassentrennung in den USA kennen. Dazu hat bislang keine einzige offizielle Institution je geforscht. Deshalb haben wir eine eigene Forschung dazu beauftragt und die Ergebnisse anschließend politischen Entscheidungsträger*innen vorgelegt. Denn erst wenn wir über das Ausmaß eines Problems Bescheid wissen, können wir über Lösungen sprechen. Wir beraten auch in Brüssel und in anderen europäischen Hauptstädten zur Förderung von Roma-Rechten. Dafür nutzen wir auch viel konventionelle und soziale Medien, um Roma-Gemeinschaften eine Stimme zu geben. Wir verfolgen also unterschiedliche Strategien, um bestimmte Themen zu fördern.

Was ist deine Rolle im Netzwerk?

Ich bin Senior Communications Officer bei den Open Society Foundations. Das Kommunikationsteam besteht aus über 30 Personen. Die meisten meiner Kolleg*innen sitzen in New York, aber wir haben auch Mitarbeiter*innen in Washington D.C., in London und eben hier in Berlin. Wir arbeiten als globales, transnationales Team zusammen, was natürlich auch manchmal herausfordernd ist. Alleine der Zeitunterschied gestaltet es manchmal schwer, sich abzusprechen. Aber gleichzeitig ist es auch ein riesen Vorteil, Perspektiven aus verschiedenen Teilen der Welt einbeziehen zu können. 

Daniel Makonnen arbeitet am Schreibtisch
Daniel Makonnen bei der Arbeit im Kommunikationsteam der Open Society Foundations
© Jacobia Dahm/Redux

Wie sieht ein typischer Tag bei Open Society aus?

Mein Job erfüllt zwei wichtige Funktionen: Einerseits ist es meine Aufgabe, die Geschichte einer offenen Gesellschaft einem gewissen Publikum näher zu bringen. Einige wohltätige Organisationen waren in der Vergangenheit nicht so transparent, wie es die Öffentlichkeit von ihnen erwartete. Deshalb ist es mein Job, Artikel über die Arbeit der Open Society Foundations und über George Soros in den Medien zu platzieren. Manchmal gehört dazu auch, dass ich Fehlinformationen oder Lügen über unser Netzwerk richtigstellen muss. Wir geben uns wirklich viel Mühe, die Öffentlichkeit über unsere Arbeit zu informieren, woher wir kommen und welche Werte wir vertreten. Das ist uns sehr wichtig, weil wir in der Gesellschaft eine zentrale Rolle einnehmen. Aber auch, weil wir immer öfter von rechten und autoritären Regierungen angegriffen werden. Sie sind mit dem was die Open Society Foundations und andere NGOs, die wir fördern, vertreten, nicht einverstanden. Deshalb müssen wir unsere Arbeit und unsere Werte immer öfter öffentlich verteidigen. 

Der zweite Teil meines Jobs besteht darin, unseren Begünstigten eine Stimme zu geben. Wenn investigative Journalist*innen in Zentralamerika angegriffen werden, zum Beispiel. Oder wenn eine Forschungsgruppe im Westbalkan wichtige Arbeit gegen Korruption leistet. Wir unterstützen beispielsweise eine Gruppe von Entrepreneuren mit Roma-Hintergrund, die mit einer interessanten Geschäftsidee Roma-Gemeinschaften in Osteuropa helfen wollen. Ich verschaffe diesen engagierten Menschen Gehör, indem ich Journalist*innen von ihnen erzähle. Damit sorge ich dafür, dass die Welt ihren Einsatz wahrnimmt. Ich sehe mich selbst bei den Open Society Foundations also als eine Art Brücke zwischen der Zivilgesellschaft vor Ort und der internationalen Öffentlichkeit. Dafür reise ich viel nach Osteuropa und Zentralasien und sammle dort Geschichten, wie ein Reporter eigentlich. Dann treffe ich mich mit Journalist*innen und bringe sie mit NGOs und Aktivist*innen zusammen.

Das hört sich nach einem sehr abwechslungsreichen Job an! Was sind deine größten Ziele für die nächsten fünf Jahre?

Wir werden uns auch in den nächsten Jahren nicht vor schwierigen Themen und Debatten wegducken. Die Open Society Foundations engagieren sich momentan vor allem für ökonomische Gerechtigkeit und Arbeitsrechte. Eine der großen Herausforderungen und Teil unserer Missionen ist es, die Geschichten darüber überzeugend zu erzählen. Ein anderer Schwerpunkt wird die Arbeit sein, die wir gerade zur Rückführung afrikanischer Kulturgüter an afrikanische Museen begonnen haben. Während der Kolonialzeit wurde afrikanische Kunst oft einfach gestohlen. Das ist ein sehr sensibles Thema, daher sind wir stark darum bemüht, einen Dialog zwischen Zivilgesellschaft, Regierungen, dem privaten Sektor und anderen Akteuren herzustellen. Als übergeordnetes Ziel für die nächsten Jahre wollen wir unsere eigene Geschichte weiter verbreiten und die Open Society Foundations so greifbarer für die Menschen machen. Die Zivilgesellschaft in Deutschland ist so dynamisch. Es gibt viele Stiftungen und es werden viele fruchtbare Debatten geführt. Wir wollen ein Teil dessen werden. Wir wollen, dass unser Publikum unsere Rolle in der Gesellschaft versteht. Wir wollen zeigen, dass es bei Demokratie nicht nur um Wahlen geht. Denn es geht um mehr: um Rechtsstaatlichkeit, Pressefreiheit und eine offene Gesellschaft.

 

Dieser Artikel wurde im Auftrag von Open Society Foundations erstellt.

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