Vegan leben liegt absolut im Trend. Immer mehr Menschen streichen nicht nur Fleisch, sondern alle tierischen Lebensmittel vom Speiseplan. Ein Leben ganz ohne tierische Produkte betrifft aber nicht nur die Ernährung, sondern macht auch vor dem Kleiderschrank nicht Halt: Leder, Wolle oder Seide haben hier keinen Platz mehr.

Einfach nur auf Leder und Co. zu verzichten, reicht allerdings noch nicht aus. In einigen, auf den ersten Blick veganen Kleidungsstücken versteckt sich das Tier nämlich im Detail. Und wer zusätzlich nicht nur Wert auf vegane Kleidung, sondern auch auf nachhaltige Produktalternativen legt, muss beim Einkaufen noch genauer hinschauen.

Vegan ist nicht gleich nachhaltig

Auch in der Modeindustrie ist der Trend rund um einen Lebensstil ganz ohne tierische Produkte natürlich schon angekommen. Immer mehr Labels setzen daher auf vegane Kleidung. Es stimmt zwar, dass in diesen Kleidungsstücken keine tierischen Produkte verarbeitet werden, häufig aber werden sie weder fair produziert, noch bestehen sie aus nachhaltigen Produktalternativen.

Ein gutes Beispiel dafür ist Polyester. Die synthetische Faser ist eine günstige und beliebte Alternative für alle, die auf Wolle verzichten. Das Problem: Polyester besteht aus Erdöl und ist damit biologisch nicht abbaubar und umweltschädlich.

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Auch vegane Handtaschen aus Kunstleder werden in der Regel aus Polyester gefertigt. Doch damit noch nicht genug. Eine Untersuchung von Öko-Test ergab, dass fast zwei Drittel der getesteten Kunstledertaschen zusätzlich mit Schadstoffen wie PAK, Schwermetallen und Weichmachern belastet sind. Diese sind nicht nur umweltschädlich, sondern auch gefährlich für unsere Gesundheit.

Solch ernüchternde Ergebnisse verärgern, verunsichern und werfen bei vielen Kunden zwangsläufig auch die Frage auf: Was kann ich überhaupt noch guten Gewissens kaufen?

Das Tier steckt im Detail

Ähnliche Fallstricke gibt es auch bei Kleidungsstücken, die zwar auf den ersten Blick ohne tierische Produkte auskommen, bei genauerem Hinsehen aber alles andere als vegan sind. Hier muss auf jede Kleinigkeit geachtet werden. Denn was hält meine neuen Schuhe, die Kunstledertasche oder auch Jacken eigentlich zusammen? Diese Produkte werden in der Regel geklebt und der verwendete Klebstoff enthält in der Regel tierische Stoffe und wird in der Regel aus Knochenresten und Tierhäuten gewonnen –  oder besteht aus Kasein, zu dessen Herstellung wiederum Milch benötigt wird.

Auch bei Knöpfen ist Vorsicht geboten. Häufig lassen sich unsere Blusen und Hemden mit Knöpfen aus Perlmutt oder Horn schließen. Gerade bei herkömmlichen Marken, die sich nicht auf vegane Produkte spezialisieren, sollte man daher beim Kauf genau hinschauen.

Gibt es Alternativen?

Um nicht bei so vielen Möglichkeiten etwas „falsch“ zu machen, sollte man die guten Vorsätze vielleicht einfach wieder über Bord werfen? Auf keinen Fall, denn mit ein wenig Recherche und Geduld entdeckt man viele gute Produktalternativen.  

So gibt es beispielsweise vegane Klebstoffe auf Stärkebasis oder aus synthetischem Leim. Statt Hornknöpfen sind Modelle aus Kupfer oder Steinnuss (dem Samen der südamerikanischen Steinnusspalme) zu empfehlen.

Und auch für Seiden- und Lederliebhaber gibt es Ausweichmöglichkeiten: Soja-Seide zum Beispiel. Sie besteht aus Sojabohnen-Proteinen und ist ein Nebenprodukt bei der Herstellung von Tofu. Sie ist der echten Seide nicht nur äußerlich sehr ähnlich, sondern auch noch günstiger in der Herstellung.

Als Lederersatz bieten sich Kork oder Ananasleder an. Vor allem letzteres ist nicht nur vegan, sondern auch besonders nachhaltig, da es aus Ananasblättern gefertigt wird, die sonst weggeschmissen werden.

Einkaufs-Tipps

Wer sicher gehen möchte, dass die neuen Klamotten und Accessoires den eigenen Ansprüchen gerecht werden, sollte beim Einkaufen genau hinschauen und ein paar Tipps beachten – das kostet zwar Zeit, lohnt sich aber.

1.    Das Etikett genau lesen
Erstes Gebot: Das Etikett gründlich lesen oder im Onlineshop auf der Informationsseite nach Bestandteilen und dem Herstellungsprozess suchen. Besondere Vorsicht ist vor allem bei Schuhen geboten, denn häufig werden auch bei Kunstlederschuhen die Schuhinnensohlen aus Leder hergestellt. Genaue Materialinformationen finden sich meistens auf der Schuhunterseite oder unter der Zunge.

2.    Durchfragen
Gibt das Etikett keine ausreichenden Auskünfte, lohnt es sich, bei den Verkäufern im Laden oder auch beim zuständigen Kundenservice nachzuhaken. Und falls alle Stricke reißen können auch Onlineforen eine Hilfe sein.

3.    „PETA-Approved Vegan“
Ein Zertifikat, dass sowohl vegane als auch fair produzierte Kleidung auszeichnet, gibt es zurzeit leider (noch) nicht. Bei Kleidungsstücken, die mit der „PETA-Approved Vegan“-Zertifizierung gekennzeichnet sind, kannst du aber zumindest sicher sein, dass das Produkt ganzheitlich vegan ist. Immerhin ein guter Anfang.

Viele Fallstricke und nur wenig Hilfe: Vegan shoppen klingt im ersten Moment mehr nach Arbeit, als nach Spaß. Doch es bewegt sich etwas in der Modebranche. Auch herkömmliche Labels und Modeschöpfer beschäftigen sich immer häufiger mit dem Thema Nachhaltigkeit und denken über vegane und grüne Produktalternativen nach. Und auch die Zahl ganzheitlich veganer – und gleichzeitig nachhaltiger – Modemarken nimmt stetig zu. Die coolsten Green Fashion Labels und noch viele weitere Informationen rund um das Thema nachhaltige Mode findest du auch im aktuellen enorm Magazin.

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