Wenn wir über die Zukunft unserer Gesellschaft und der Arbeitswelt reden, stellt sich immer auch die Frage: Wie soll all das in Zukunft aussehen, wenn traditionelle Maximen von Arbeit, Geld und Wirtschaft sich überholt haben werden – Stichwort Automatisierung.

Derzeit viel diskutiert wird deswegen das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) – also ein fester Geldbetrag, den jeder Bürger monatlich ausgezahlt bekommt, ohne etwas dafür tun zu müssen, bedingungslos eben. Diese Idee ist für viele an Radikalität kaum zu überbieten, sieht man einmal von einem kompletten Umsturz unseres derzeitigen Gesellschaftssystems oder Kommunismus ab.

Doch so schön die Idee klingt, ist ein BGE nicht ohne Probleme. Zum einen ist und bleibt da die Finanzierungsfrage. Dass es machbar ist, wurde längst durchgerechnet, die entscheidende Frage ist nur, wie hoch ein BGE ausfallen könnte und ob das zum Leben wirklich reicht. Zum anderen ändert auch ein BGE erst einmal nichts am bestehenden System und vielen seiner Fehler, wie der wachsenden Ungleichheit in der Gesellschaft. Das schafft es nur, wenn zur Finanzierung beispielsweise hohe Vermögen stärker besteuert werden.

Der Think Tank sagt: Umverteilen!

Außerdem setzt die Einführung des BGE ein großes Vertrauen voraus – Vertrauen darin, dass jedermann das Geld einzusetzen weiß. Was, wenn das Konto Mitte des Monats auf einmal leer ist? Dann muss man doch wieder arbeiten gehen – und zwar nicht, weil es so schön ist, sondern weil man muss.

In diese Diskussion hat der US-amerikanische Think Tank „Institute for the Future“ (IFTF) im letzten Jahr die Idee von sogenannten Universal Basic Assets (UBA) geworfen. Der Name leitet sich von der englischen Bezeichnung für das BGE ab: Universal Basic Income.

Die Idee erinnert entfernt durchaus so ein bisschen an Kommunismus. Statt – wie beim BGE – einfach nur Geld umzuverteilen, würden praktisch alle Güter umverteilt oder neu gedacht. Nur ein Beispiel: Statt für eine Wohnung zu bezahlen, wird das Gut – das Asset – Wohnraum einfach gerecht verteilt. Doch der Reihe nach.

Die Idee hinter UBA

Das IFTF unterteilt Assets – grob übersetzt Wirtschaftsgüter – in drei Kategorien: private, öffentliche und offene. Private sind so etwas wie Geld oder Land, also Dinge, die jeder privat besitzen kann. Öffentliche Assets gehören allen und befinden sich meist in Staatshand. Dazu zählt beispielsweise die Polizei.

Die offenen Assets als dritte Form sind eine relativ neue Art von Gütern, die sich am besten mit Open-Source-Software vergleichen lässt. Sie sind in der Regel auch jedermann zugänglich, werden aber von einer Gruppe an Menschen verwaltet, zu der im Normalfall ebenso allen gehören können, die sich einbringen wollen. Das beste Beispiel ist Wikipedia. Ebenso zählen Kryptowährungen zu diesen offenen Assets oder von Freiwilligen organisierte Repair-Cafés.

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Das IFTF schlägt nun eine neue Diskussion um diese UBA vor. Es stelle sich die Frage, wie private Güter fair verteilt und verwaltet werden können, ohne dass sich Wohlstand in den Händen weniger konzentriert.

Die öffentlichen Assets müssten, so der Think Tank, den Bürgern einfacher verfügbar gemacht werden. Kostenfreie Bildung wäre ein Beispiel dafür. Dieser Zugang kann aber auch auf völlig anderem Weg erfolgen: Der Alaska Permanent Fund ist ein Fonds in staatlicher Hand, der sich aus den Gewinnen der lokalen Ölförderung speist. Jedes Jahr wird die Hälfte des Gewinns als Dividende an die Bewohner Alaskas ausgeschüttet. Somit wird das Asset – die Nutzungsrechte an dem Land – den Bürgern zugänglich gemacht.

UBA: Viel radikaler als ein BGE

Während es bei privaten und öffentlichen Gütern vor allem um neue Ideen und eine gerechtere Verteilung geht, sieht das IFTF ein großes Wachstumspotenzial bei den offenen Assets, vor allem weil durch das Internet noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft seien. Aber auch Ansätze wie die geschlossene, bargeldlose Gemeinschaft beim Burning-Man-Festival fallen unter diese Kategorie. Diese offenen Assets könnten die Lücke zwischen den anderen beiden Kategorien schließen. Denn sie gehören weder nur einer Person noch dem Staat; sie gehören den Menschen und basieren auf einer intrinsischen Kooperation zwischen den Beteiligten.

Aber natürlich ist all das derzeit nur ein Gedankenspiel, ein neuer Wirtschaftsansatz, der unser Leben rund um alle verfügbaren Güter organisiert. In vielen Bereichen haben wir heute schon so etwas wie Universal Basic Assets. Neben den erwähnten Beispielen wie Alaska, Wikipedia oder dem Burning Man zählen dazu auch ein gesetzlicher Mindestlohn, eine gebührenfreie Bildung oder der offene Zugang zu Regierungsdaten und -informationen.

Nur: Der Schritt hin zu einer Gesellschaft, die komplett auf Basis dieses Konzepts funktioniert, bedeutet nichts anderes als ein völlig neues Wirtschaftssystem. Der Einschnitt durch UBA wäre daher auch ungleich stärker als durch ein BGE. Das sieht das IFTF eher als eine einzelne Maßnahme unter vielen.

Eigene Assets entwickeln – für eine gerechtere Gesellschaft

Und natürlich sind noch nicht alle Fragen rund um UBA geklärt. Das IFTF hat zwar ein Manifest und erste mögliche Leitlinien erarbeitet. Aber bei vielen Gütern stellt sich schlicht die Frage, wie man sie misst, um sie dann gerecht zu verteilen. Und was heißt dann gerecht? Hat eine größere Person auch ein Recht auf eine größere Wohnung? Und so vielversprechend die Blockchain als Motor für mehr offene Assets ist, herrscht unter Experten noch Uneinigkeit über die technische Sinnhaftigkeit und Zuverlässigkeit.

Doch um genau diese Fragen zu klären, ruft das IFTF auf, selbst aktiv zu werden: Mithilfe seines Manifests könne jeder eigene Ziele einer gerechteren Gesellschaft entwerfen – und dann auch eigene Assets konzipieren. Vor allem gehe es aber darum, zu sehen, wie all die Güter, die wir auch heute schon haben, in einem großen Zusammenspiel funktionieren können – damit die Gesellschaft gerechter wird.