Am Freitag, den 20. September streiken diesmal nicht nur Schüler*innen. Auch die Arbeitswelt ist aufgerufen, an diesem Tag Maus, Stift,  Bohrmaschine oder Haarschere niederzulegen und für das Klima auf die Straßen zu gehen. Viele Unternehmen haben bereits angekündigt, dass sie den Streik unterstützen, indem sie ihre Mitarbeiter*innen freistellen, um an den deutschlandweiten Demonstrationen teilzunehmen. Was du als Arbeitnehmer*in tun kannst und wissen musst, um Teil des globalen Klimastreiks zu sein, das erfährst du hier.

Darf ich als Angestellte*r an diesem Tag einfach die Arbeit schwänzen? 

Die Antwort ist leider: Nein. Zwar dürfen zum Beispiel Lokführer und Flugbegleiter nach deutschem Arbeitsrecht streiken um bessere Arbeitsbedingungen, also einen Tarifvertrag, zu erwirken. Streiks sind aber nur dann rechtlich zulässig, wenn sie von einer Gewerkschaft getragen werde. Ein Streik, um die Politik zu mehr Klimaschutz zu bewegen, ist jedoch arbeitsrechtlich nicht geschützt. Vielmehr handelt es sich dabei um einen politischen, oder auch “wilden Streik”. Bleibt ihr einfach von der Arbeit fern, ohne, dass euer Arbeitgeber euch für die Demonstration frei gegeben hat, begeht ihr also Vertragsbruch. Das bedeutet nicht nur, dass ihr für diesen (nicht wahrgenommenen) Arbeitstag nicht bezahlt werdet, es könnten sogar arbeitsrechtliche Sanktionen drohen. Diese können von einer Abmahnung über eine ordentliche Kündigung bis hin zu einer fristlosen Kündigung führen. Wenn ihr euch also am 20. September engagieren wollt, solltet ihr euch vorher absichern. 

Arbeitsrechte kennen – und Sanktionen anfechten

Hast du dich kurzerhand entschlossen, unerlaubt von der Arbeit fernzubleiben um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren und dein*e Arbeitgeber*in hat dich gekündigt? Dann hast du die Möglichkeit dagegen gerichtlich vorzugehen! Wichtig ist, dass du innerhalb von drei Wochen nach Erhalt der Kündigung beim Arbeitsgericht klagst. Aber mach dir nicht allzu große Hoffnungen – nach deutschem Arbeitsrecht sind Sanktionen bei sogenannten “wilden Streiks” zulässig und eine Niederlage vor Gericht für dich wahrscheinlich. 

Nimm dir Urlaub

Eine weitaus sicherere Methode ist es, sich für den Streiktag Urlaub zu nehmen. So kannst du am 20. September dein Commitment in Sachen Klimaschutz zeigen und bekommst den Tag sogar noch bezahlt. Normalerweise muss dir dieser Urlaub auch gegeben werden, das steht im Bundesurlaubsgesetz (ja, soetwas gibt es wirklich). Einzig wenn Urlaubswünsche deiner Kolleg*innen vorrangig zu berücksichtigen sind, zum Beispiel weil sie ihren Urlaub lange vor dir gemeldet haben und du sie vertreten musst, oder dringliche betriebliche Belange können dazu führen, dass dein Urlaub abgelehnt wird. In diesem Fall kannst du dich an den Betriebsrat wenden, oder, falls es bei dir im Betrieb keine Mitarbeitervertretung gibt, auch direkt zum Arbeitsgericht gehen. 

Sei einfach ehrlich

Ganz ohne viel Gemauschel: sag einfach offen und ehrlich, dass dir das Thema Klima am Herzen liegt und du gerne an der Demonstration teilnehmen möchtest. Sicher findest du gemeinsam mit deiner*m Arbeitgeber*in eine einvernehmliche Lösung – sei es in Form eines Urlaubstags, einer Freistellung, eines Ausgleichs von Überstunden oder ein Tag im Home-Office, bei dem ihr flexibel mal ein Stunden zur Demo gehen könnt. 

Überzeuge deinen Arbeitgeber mitzumachen 

Das naheliegendste ist natürlich, euer Unternehmen davon zu überzeugen, den Klimastreik selbst zu unterstützen. Und dafür habt ihr ein paar gute Argumente. Nicht nur, dass sich dein*e Arbeitgeber*in damit für eine lebenswerte Zukunft für nachfolgende Generationen einsetzt, jedes Engagement trägt auch zu einem positiven Firmenimage bei. Gerade wenn du einen GoodJob hast, sollte eigentlich nicht mehr viel Überzeugungsarbeit notwendig sein – sofern dein Unternehmen sein Versprechen ernst meint!

In unserem ersten Artikel zum Klimastreik haben wir aufgelistet, was dein Arbeitgeber tun kann, um den FridaysForFuture Schüler*innen den Rücken zu stärken. Vielleicht findest du dort weitere Inspirationen, die du in deiner Organisation ansprechen kannst, um am 20. September gemeinsam mit uns und vielen anderen GoodCompanies auf die Straße zu gehen und für eine enkeltaugliche Zukunft zu demonstrieren.