Uns bei GoodJobs geht es nicht nur darum, dass möglichst viele Menschen Erfüllung in ihrer Arbeit finden und damit die Welt verbessern. Wir machen uns auch Gedanken über die Strukturen in unserer Arbeitswelt, die verhindern, dass jeder seinen persönlichen GoodJob finden kann. Dabei wollen wir aber nicht nur Probleme ansprechen, sondern uns vor allem mit möglichen Lösungsansätzen beschäftigen. Das hier ist Teil eins einer Serie über Möglichkeiten und Ideen, die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt erfolgreich zu meistern.

Was, wenn man endlich einen Job gefunden hat, der wirklich Spaß macht. Einen Beruf, für den man morgens gerne aufsteht, mit Aufgaben, die einen echten Mehrwert generieren. Was, wenn man also seinen persönlichen GoodJob gefunden hat – und sich trotzdem nicht zu 100 Prozent darauf einlassen kann, weil man sich um die Betreuung der eigenen Kinder sorgen muss?

Eine verlässliche und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung ist nicht nur im Interesse der Eltern und der Politik. Auch Unternehmen sollten sich noch viel intensiver mit diesem Thema beschäftigten. Denn es ist unumstritten, dass sich Eltern nur dann voll auf ihren Job konzentrieren können, wenn sie wissen, dass ihre Kinder gut betreut sind.

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Und genau das ist häufig nicht der Fall. In vielen Familien geht es nämlich schon lange nicht mehr nur um die Qualität der Betreuung, sondern vor allem darum, ob sie sich das Angebot überhaupt leisten können. Kein Wunder also, dass eine Studie der Bertelsmann Stiftung derzeit mächtig für Aufsehen sorgt: Denn sie zeigt, dass insbesondere einkommensschwache Familien in Deutschland übermäßig stark durch Kita-Beiträge belastet werden.

Doppelte Belastung

Der ElternZoom 2018 zeigt, dass Haushalte unterhalb der Armutsrisikogrenze einen nahezu doppelt so hohen Anteil ihres Einkommens für die Kita-Betreuung aufwenden wie finanziell besser gestellte – trotz der in vielen Orten geltenden Sozialstaffel.

Armutsgefährdete Familien geben monatlich durchschnittlich 118 Euro für die Kita ihrer Kinder aus, das sind fast zehn Prozent ihres gesamten Haushaltseinkommens. Bei Familien oberhalb der Armutsgrenzen machen die Ausgaben von rund 178 Euro hingegen „nur“ fünf Prozent des Haushaltseinkommens aus. Hinzu kommen noch weitere Auslagen für Mittagessen, Ausflüge und beispielsweise Bastelmaterialien. Bei diesen Zusatzgebühren – monatlich rund 45 Euro – wird die finanzielle Lage der Familie bisher überhaupt nicht beachtet.

Die Beitragsfreiheit ist (vorerst) keine Lösung

Auch die Politik hat mittlerweile eingesehen, dass sich an dieser ungleichen Belastung etwas ändern muss. Familienministerin Franziska Giffey ist der Auffassung, dass „das Einkommen der Eltern nicht darüber entscheiden darf, ob und wann Kinder in eine Kindertageseinrichtung gehen“. Ihre Lösung: Kita-Beitragsfreiheit für alle.

Das klingt im ersten Moment nach einem plausiblen und vor allem naheliegenden Ansatz. Doch bei genauerem Hinsehen wird schnell klar, dass die Einführung der allgemeinen Beitragsfreiheit, einige Einschränkungen mit sich bringen würde.

Laut der Bertelsmann Stiftung müsste der Staat für eine generelle Beitragsfreiheit jährlich rund 5,7 Milliarden Euro aufbringen, für Zusatzgebühren weitere 1,6 Milliarden Euro. Laut Giffey sind in der gesamten Legislaturperiode allerdings lediglich 3,5 Milliarden Euro für die Kindertagesbetreuung eingeplant.

Die Qualität könnte auf der Strecke bleiben

Die Rechnung kann so nicht funktionieren und auch für Jörg Dreger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, steht fest, dass „dem politischen Versprechen der Beitragsfreiheit die finanzielle Substanz fehlt“. Ein Abbau der Beiträge bei gleichbleibender Finanzplanung könne daher nur zu Lasten der Betreuungsqualität umgesetzt werden.

Weniger Betreuer und schlechtere Ausstattung – vor den Folgen schlechterer Betreuung haben viele Eltern Angst. Die Qualität ist den meisten wichtiger als die Beitragsfreiheit. Auch 53 Prozent der Eltern unterhalb der Armutsrisikogrenze würden laut dem ElternZoom für mehr Personal und bessere Ausstattung sogar noch höhere Beiträge akzeptieren.

Entlastung einkommensschwacher Familien

Um Qualitätseinbußen zu verhindern, wäre zunächst nicht eine Kita-Beitragsfreiheit für alle sinnvoll, sondern zunächst „nur“ für Familien unterhalb der Armutsrisikogrenze. Dies würde rund 730 Millionen Euro pro Jahr kosten – ein finanzieller Aufwand, der im Vergleich zu 5,7 Milliarden Euro fast nach Kleingeld klingt.

Des Weiteren sind die Kita-Gebühren zur Zeit noch Ländersache. Das heißt, die Höhe der finanziellen Belastung hängt maßgeblich vom Wohnort ab. Während beispielsweise in Berlin die Gesamtkosten für die Kita-Betreuung nur rund zwei Prozent eines durchschnittlichen Haushaltseinkommens ausmachen, beteiligen sich Eltern in Baden-Württemberg mit rund sieben Prozent ihres durchschnittlichen Haushaltseinkommens an der Kita-Finanzierung.

Fairer wäre es, die Kita-Beiträge bundesweit einheitlich zu bemessen – etwa prozentual am Äquivalenzeinkommen. Das würde bedeuten, dass nur der Teil des Einkommens in die Beitragsberechnung mit einfließen würde, der oberhalb der Armutsrisikogrenze liegt. Armutsgefährdete Eltern könnten in diesem Modell so sowohl von den Kita-Beiträgen als auch den Zusatzgebühren befreit werden.

Wir brauchen Qualität und Gerechtigkeit

Nur wenn die Betreuung ihrer Kinder gesichert ist, können sich Eltern ohne Sorge auf ihren Job konzentrieren. Daher ist es einerseits wichtig, dass die Kosten der Betreuung keine zu große finanzielle Belastung darstellen und jedes Kind in Deutschland die Chance auf einen Betreuungsplatz hat. Andererseits darf die finanzielle Entlastung der Eltern nicht zu einem Qualitätsabbau führen.
Keine einfache Aufgabe für die Politik.Doch es gibt Möglichkeiten und Ideen, wie ein Gleichgewicht zwischen Gerechtigkeit und Qualität zu erreichen ist.

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