New Work ist ein Sammelbegriff, der Prinzipien wie Holocracy, Design Thinking oder flexible Arbeitszeitmodelle vereint und innovative Methoden oder ganze Zukunftsbilder entwirft. Neben den aktuellen Entwicklungen wie Automatisierung, Digitalisierung oder Globalisierung ist ein Aspekt dabei von besonderer Wichtigkeit: Das Streben nach Sinn im Job! Wir glauben, dass Sinnhaftigkeit der Arbeit viel mehr im Zentrum der New Work Bewegung stehen muss. So wird aus New Work das zeitlose „Good Work“. Wie ihr euer Good Work Potenzial entfaltet, erfahrt ihr in dieser Artikel Reihe. Im ersten Teil fragen wir unsere Gastautorin Rike Bucher, wie Werte unsere Arbeit bereichern können.

Werte sind wieder en vogue. Noch vor ca. 50 Jahren sprach man von Tugenden. Sie bezeichneten Menschen, deren Handeln als wertvoll für die Gesellschaft betrachtet wurden. Tugenden sind eine Art Vorstufe zu Werten und beide haben Wurzeln bis in die Antike. Sie sind auch festverankerte Elemente unserer heutigen Gesellschaft. Wertvorstellungen oder kurz Werte, bezeichnen heute im allgemeinen Sprachgebrauch erstrebenswerte oder moralisch gute Qualitäten von Menschen und seit einiger Zeit eben auch von Unternehmen. Aber wie kann man Werte konkret nutzen, um besser zu arbeiten?

Entdecke wie Werte dich authentischer machen!

Der Trick dabei ist ganz einfach: Sei du selbst! Bei der Arbeit verstecken wir uns oft hinter einer neutralen Maske, um uns vor persönlichen Angriffen zu schützen. So können wir jedoch keine authentischen Werte für uns, geschweige denn für unser Unternehmen festlegen. Wir sollten wieder mehr auf unsere intuitiven Emotionen und Haltungen hören und daraus unsere Werte ableiten. Um den Weg von einer Haltung zu einer Wertvorstellung nachzuzeichnen, habe ich mir die Studie „Siegeszug der Emotionen“ des Zukunftsinstituts Frankfurt vorgenommen. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen Emotionen und Werten. Matthias Horx, Gründer des Zukunftsinstitutes, stellt fünf bemerkenswerte Zukunftstugenden auf, die aufschlüsseln, welche innere Haltung welche Werte erzeugen kann.

Die Haltungen oder Einstellungen lauten

o    Distanzfähige Empathie
o    Aktive Bewusstheit
o    Lustvolle Askese
o    Progressive Reflexion
o    Innere Resonanz

Aus Emotionen werden Werte 

Distanzfähige Empathie nennt Horx den ersten Wert. Gemeint ist empathisch und mit Gefühl auf Menschen zuzugehen, ohne sich in der Begegnung selbst zu verlieren. Damit ich mich noch selbst spüre, wenn ich andere supporte, benötige ich eine angemessene Distanz. Mitgefühl – im Gegensatz zum Mitleid – führt ins Handeln. Fühlen mit anderen kann also zu einem Wert wie Gemeinschaft, gegenseitige Anerkennung und Gerechtigkeit führen. Das sind Werte, die Pfeiler eines neuen Humanismus in Unternehmen sein können, aber auch ganz persönliche Werte, die euch in Freundschaften wichtig sind.

Mit Aktiver Bewusstheit möchte ich die zweite Einstellung beschreiben. Interessant sind hier die wissenschaftlichen Fakten: bei „bewusster Wahrnehmung“, also der normalen nicht geschulten Wahrnehmung verarbeiten wir 40 Bit pro Sekunde. Mit unserem unbewussten Wahrnehmen – also alle nicht ausgesprochenen Prozesse – bis zu sage und schreibe 11 Millionen Bit pro Sekunde. Während eines Meetings fallen uns viele Dinge auf. Wenn wir unsere Meinung sagen sollen, beschränken wir uns oft auf die Äußerungen, die andere gerne hören. Dabei könnten wir mit den achtsamen Wahrnehmungen deutlicher zu einem guten Ergebnis beitragen. Denn alles Ungesagte bleibt im Raum stehen. Wieviel würde also für uns und für Unternehmen gewonnen, wenn diese wertvollen Eindrücke, Meinungen abgerufen und einbezogen würden? Vorrausetzung dafür ist allerdings eine Lernende Organisation im Sinne von Neugier und Offenheit und der Glaubenssatz, dass jeder, wirklich jeder mit seiner Aktivität zum Unternehmenserfolg insgesamt beiträgt. Frédéric Laloux  und Tim Leberecht  – stellvertretend für viele andere – geben zukunftsweisende Hinweise. 

Warum hat Lustvolle Askese etwas mit Werten zu tun? Vielleicht wird es deutlicher, wenn wir hier von gewolltem Minimalismus  sprechen. Verzichten ist eine Kunst, denn sie führt zu mehr Konzentration und Kreativität. Wenn ihr in Eurem Kleiderschrank Ungeliebtes aussortiert, könnt ihr danach besser überschauen, welches T-Shirt zu welcher Jeans passt. Weniger ist mehr und kann regelrecht befreien. Minimalismus führt zu Unabhängigkeit, Freiheit und mehr Lebensfreude. Dies sind Werte, die sehr häufig in meinem Coaching genannt werden und die sich in negativer Form in Manipulation, Abhängigkeit und Burnout äußern. 

Die vierte Haltung nennt sich Progressive Reflexion. (Horx spricht von „Progressiver Dankbarkeit“). Schnell sind wir bei Kritik und Wut, weniger schnell sind wir bei dem Satz „Was läuft positiv, wo steckt Energie drin?“ wenn etwas schief geht. Auch wenn ich eine Jobabsage bekommen habe oder das letzte Produkt ein Flopp war, hat dieses Ereignis dennoch dazu angespornt, noch mal neu zu suchen, das Richtige zu finden. In der Reflexion, auf dem heimischen Sofa, im Meeting oder Coaching, seht ihr dann plötzlich, dass das gar kein Scheitern war, sondern eine Vorphase zu eurem heutigen Erfolg. Reflexionszeit ist in unserer Zeit Gold wert. Sie erlaubt uns Nachhaltigkeit, Slow Motion und Sicherheit.

Die fünfte Haltung ist mit Innerer Resonanz verbunden. In sich hineinhorchen ermöglicht Selbstwirksamkeit. Sie reichert unsere emotionale Kompetenz an. Sie hilft uns, Entscheidungen abzuwägen und auf unsere Intuition zu hören. Sie vergrößert unsere innere Freiheit, ordnet Siege und Enttäuschungen ein und verhilft uns dazu, authentisch zu sein. Innere Resonanz führt im besten Fall zur Einzigartigkeit – ganz nach dem Motto „Ich mach’s so und das ist gut so!“

Eigene Werte erkennen und leben

Diese Werte
o    Gemeinschaft, gegenseitige Anerkennung und  Gerechtigkeit
o    Neugier und Offenheit
o    Unabhängigkeit, Freiheit und mehr Lebensfreude
o    Nachhaltigkeit und Sicherheit
o    Innere Freiheit, Authentizität, Einzigartigkeit

finden sich auch unter den Lebensmotiven von Steven Reiss wieder. Reiss hat in den 90er Jahren für sein Werte- und Motivations-Profil an der Ohio State University ca. 100.000 Befragungen ausgewertet und dann die heute gültigen 16 Bedürfnisse bzw. Werte zusammengestellt. So hat er die intrinsische Motivation - also diejenige, die ohne äußere Impulse von mir selbst ausgeht - untersucht. Mein Anliegen war es, für euch Haltungen und Werte gegenüber zu stellen und damit zu zeigen, wie stark bei der Wertebildung die eigene innere Leistung zählt. Denn jede Eigenentwicklung und jede Beziehung zu anderen sowie letztlich jede Unternehmenskultur wird lebendig durch das Erkennen der eigenen Werte. Die große und wichtige Aufgabe der Unternehmen ist es dabei, Räume für dieses authentische Ich-Sein zu schaffen. 


Schreibt mir hier, wenn ihr mehr über eure Werte erfahren wollt. Die Auseinandersetzung mit Werten empfinde ich als eine sehr lohnende Arbeit. Schließlich lernt ihr nicht nur über euch selbst, was euch richtig motiviert, sondern auch eure Unternehmen und Organisationen profitieren davon. Wenn alle Unternehmen auf dem Pfad von Werten und „Good Work“ wandeln würden, ja, dann sähe unsere Welt ganz anders aus. 

Rike BucherRike Bucher entfaltet als Coach das volle Potential von New Leadern. Ihre Themen sind: Intuition, Authentische Führung, Emotionale Kompetenz, Umgang mit Stress, New Work. Ihr Coaching verbindet Kopf mit Bauch, ihre Workation verbindet Sizilien mit Berlin.