Kennst du diese Gespräche mit Freunden, dass man eigentlich etwas ganz anderes machen wollen würde? Schluss mit dem gut bezahlten Marketing Job für Produkte, die kein Mensch braucht. Endlich einen Beitrag leisten! Klimawandel, Migration, Bildungschancen, es gibt doch so viel zu tun! Am besten gleich morgen kündigen. Dann erstmal reisen und danach die Welt retten. Soweit der Plan. Und beim nächsten Bier drei Wochen später ist dann doch nichts passiert.

Willkommen im goldenen Käfig!

Dieses Phänomen lässt sich als der goldene Käfig beschreiben. Eigentlich willst du raus, aber irgendwie ist es auch sehr bequem. Die Kollegen sind nett, der Job ist gut bezahlt und gibt dir Sicherheit. Vielleicht hast du hart gearbeitet, um da zu sein, wo du jetzt bist. Vielleicht hat sich auch einfach alles so ergeben, ohne dass du viel dazu tun musstest. Auf jeden Fall hast du dich gemütlich eingerichtet. Du hast einen bestimmten Lebensstil erreicht. Du gibst viel Geld aus für Reisen, Fitness-, Musik- und Streamingabos, deine Wohnung oder dein Haus.

Erfolg im Außen fühlt sich von innen nicht immer wie Erfolg an

Vielleicht wird dir immer wieder gratuliert, weil dein Leben so erfolgreich scheint. Du machst tolle Projekte, kommst auf der Karriereleiter nach oben. Aber im Inneren gibt es diese Stimme die fragt: Ist es das jetzt gewesen? Wozu das Ganze? Du fängst an, beim Einkaufen mehr auf die Herkunft der Produkte zu achten. Du informierst dich über Sozialunternehmen und träumst vom bedingungslosen Grundeinkommen. All das machst du in deiner Freizeit – deine Karriere läuft davon unberührt weiter.

Bis du irgendwann feststellst, dass deine Werte nicht mehr zu dem passen, was du beruflich bisher gemacht hast. Dieser Prozess passiert meistens nicht abrupt, sondern ganz langsam. Die Sinnfrage ist ein Symptom dafür, die Ausstiegsgedanken („Einfach kündigen und ab nach Bali!”) ein anderes.

Wir sind auf Selbstoptimierung programmiert

Von außen betrachtet ist die Lösung ganz einfach: Mach doch was Sinnvolles! Aber das ist nicht so einfach, deshalb liest du ja diesen Text. Wir werden dazu sozialisiert Erfolg in äußeren Maßstäben zu messen: Gehalt, Verantwortung, Bekanntheit des Arbeitgebers. Das ist die Logik, die uns die Gesellschaft anbietet. Sie ist leicht zu verstehen und du kannst dich darin gut mit anderen vergleichen. Wer 500€ mehr im Monat verdient, ist erfolgreicher. An sich ist die Logik nicht falsch oder verwerflich. Sie ist allerdings auch keine Garantie für Zufriedenheit.

Du entscheidest, was Erfolg für dich bedeutet

Wer wirklich raus will aus dem Hamsterrad, braucht seine eigene Definition von Erfolg. Was ist das, was dir wirklich wichtig ist? Wie willst du leben? Mit welchem Gefühl willst du zur Arbeit gehen? Mit welchem Gefühl willst du nach Hause kommen? Wie viel Geld brauchst du, um ein gutes Leben zu führen? Welche Menschen hast du gerne um dich? Wer diese Fragen für sich beantwortet, kann auch Entscheidungen treffen, die glücklich machen. Vielleicht ist es für deine Zufriedenheit besser in der Stadt zu bleiben, in der deine Freunde leben statt den prestigeträchtigen Job ganz woanders anzunehmen. Es gibt keine allgemeingültigen Maßstäbe, wie ein gutes (Arbeits-)Leben aussieht. Du musst deine eigenen Maßstäbe finden. Dabei können Vorbilder helfen: Wen bewunderst du für seinen/ ihren Lebensentwurf? Was fasziniert dich daran? Was würdest du möglicherweise anders machen?

Wir können uns gegenseitig unterstützen – oder im Weg stehen

Es gibt zwei große Hürden auf dem Weg zur Karriere mit Sinn: Du selbst – und die Menschen um dich herum. Du wirst schnell feststellen, wer dich unterstützt und wer deinen Weg eher kritisch begleitet. Du musst deshalb keine Freundschaften beenden. Beide Perspektiven können hilfreich sein. Allerdings liegt es an dir, wie sehr du die Erwartungen anderer an dich heranlässt. Viele Eltern verstehen nicht, warum ihr Kind sich gegen Sicherheit und für vermeintlich naiven Idealismus entscheidet. Manche Freunde fühlen sich kritisiert, wenn du sagst, dass du keinen Bullshit-Job mehr machen möchtest. Bitte erhebe nicht deine Maßstäbe zur allgemeinen Wahrheit über den Sinn des Lebens. Diskutiere und lerne so viel wie es dir guttut, aber gestehe dir selbst und anderen auch zu, dass jede*r seinen eigenen Weg geht.

Die Welt braucht dich

Die Welt ist gerade voller Baustellen. In jedem Berufsfeld, bei jedem Thema gibt es Potential, die Welt ein Stück besser zu machen. Es ist nicht so wichtig, womit du konkret anfängst. Es ist wichtig, dass du anfängst.

Der Weg wird nicht immer einfach sein. Du wirst Höhen erleben und Tiefpunkte durchstehen. Alles andere wäre gelogen. Es kostet Kraft sich beruflich neu zu orientieren. Aber es kostet noch mehr Kraft ein Leben aufrecht zu erhalten, dass sich nicht mehr richtig anfühlt. Die Frage ist: Wirst du glücklich sein, wenn du die nächsten zehn oder zwanzig Jahre so weitermachst wie bisher vorgesehen? Wenn nicht, dann wird es höchste Zeit für eine Kurskorrektur Richtung Karriere mit Sinn.

 

cambio logoDiese Serie will dich dazu ermutigen, deinen eigenen Weg zu finden und zu gehen. Wenn du mehr Unterstützung haben möchtest, hole dir Tinas Reiseführer zur Karriere mit Sinn. Du findest darin viele hilfreiche Übungen und Hinweise. Oder du lässt dich von Tina coachen, um mit Tatendrang voranzukommen.