„Jeder zehnte Job in Deutschland durch Digitalisierung bedroht“, lauteten Anfang Februar die alarmierenden Schlagzeilen. 3,4 Millionen Arbeitsplätze sollten demnach dem digitalen Wandel zum Opfer fallen. Anlass für die Berichterstattung war eine Studie des Digitalverbands Bitkom.

Der hatte 2017 nämlich eine repräsentative Umfrage unter deutschen Unternehmen durchgeführt. Die Ergebnisse gab es schon im November 2017, von den seit einigen Wochen heiß diskutierten 3,4 Millionen digital vernichteten Jobs liest sich dort aber nichts.

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Firmen sind bedroht – nicht die Arbeitsplätze

Anlass für das breite mediale Interesse war erst eine zweite Bitkom-Pressemitteilung vom 2. Februar. Darin geht es – wie bei Verbands-Pressemitteilung so üblich – um eine Forderung des eigenen Präsidenten an die Politik. Um die Dringlichkeit seiner Forderung nach einer digitalen Vision für Deutschland zu stützen, bezieht sich Bitkom in der Pressemitteilung auf die eigene Studie.

Laut der Umfrage sehen nämlich 25 Prozent der Firmen ab 20 Mitarbeitern ihre Existenz durch die Digitalisierung bedroht. „Diese Unternehmen stellen hochgerechnet 3,4 Millionen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze“, heißt es dann in der Pressemitteilung.
Bitkom sagt also nicht, dass jeder zehnte Job in Deutschland durch die Digitalisierung bedroht ist. Firmen, die so viele Stellen auf sich vereinen, sehen sich lediglich in ihrer Existenz bedroht. Das kann eben auch bedeuten, dass es lediglich diese Firmen nicht mehr geben wird – und die Leute woanders problemlos eine Weiterbeschäftigung finden. Die Presse freut sich, denn alarmistische Schlagzeilen wie „Zehn Prozent weniger Jobs durch Digitalisierung“ lassen sich natürlich gut verkaufen, führen den Leser aber auch schnell in die Irre.

Digitalisierung verschont uns trotzdem nicht

Das ist aber nicht einmal das größte Problem an Meldungen wie dieser. Denn die zehn Prozent an vernichteten Jobs sind trotz allem vermutlich völlig untertrieben. Derzeit herrscht bei vielen noch der Glaube vor, es gäbe bestimmte Tätigkeiten, die niemals von Maschinen übernommen werden könnten, vor allem im kreativen Bereich oder der Erziehung.

Dabei lassen sich genügend Gegenbeispiele finden, die nicht gleich morgen ganze Berufsstände in die Arbeitslosigkeit schicken, aber allein das Potenzial offenbaren, das sich durch Automatisierung, Digitalisierung und konkret durch Roboter und künstliche Intelligenz auftut. Marktfähige Quantencomputer könnten dann für den nächsten – sorry – Quantensprung in der Digitalisierung sorgen. Die Frage ist schon lange nicht mehr, ob die Digitalisierung massiv Jobs kostet, sondern nur noch, wann wir anfangen, uns ernsthaft damit auseinanderzusetzen – und uns als Gesellschaft darauf vorbereiten.

Natürlich wird es immer Jobs geben, die wir Menschen überlassen. Wir werden aber auch an den Punkt kommen, an dem es uns lächerlich erscheint, bestimmte Tätigkeiten nicht an Maschinen abzugeben. Deswegen müssen wir uns jetzt Gedanken machen, wie wir den Arbeitsmarkt neu gestalten können. Denn Digitalisierung und Automatisierung betreffen nicht nur ein paar Industrien. Sie werden unser grundsätzliches Verständnis von Arbeit, Wirtschaft und gesellschaftlichem Zusammenleben neu definieren.

 

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