Karriere

Welche Rolle spielen Persönlichkeitsmerkmale im Nachhaltigkeitsmanagement?

„Show your personality!“ – so steht es heute oft in Jobausschreibungen. Neben fachlichem Wissen hat die Berücksichtigung der individuellen Merkmale in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Denn Persönlichkeit spielt im Job eine wichtige Rolle, gerade wenn man als Nachhaltigkeitsmanager*in neue Impulse geben soll!

Anna Lorscheider & Maike Buhr | Leuphana Universität Lüneburg, dieser Text ist unter Mitarbeit von Theresa Willkomm (SHK im MBA Sustainability Management) entstanden

28.09.2022

Anna Lorscheider | Leuphana Universität Lüneburg

Anna Lorscheider | Leuphana Universität Lüneburg

Seit einigen Jahren ist der Bereich des Nachhaltigkeitsmanagements aus Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Mithilfe von Nachhaltigkeitsmanager*innen, die als „Change Agents“ für eine nachhaltige Entwicklung der Organisation handeln, sollen Unternehmen zum Thema neu positioniert und weiterentwickelt werden. Ökologie, Soziale Gerechtigkeit und Ökonomie: alle drei Bereiche der Nachhaltigkeit sollen dabei integriert werden. Netzwerke müssen aufgebaut und Konflikte gelöst werden - die Aufgabenbereiche sind vielfältig und breit gefächert. Um als Nachhaltigkeitsmanager*in im Unternehmen agieren zu können, ist also nicht nur das Interesse an Nachhaltigkeitsthemen von Bedeutung, sondern auch fachliches Expert*innenwissen zu Management. Wie kann eine Nachhaltigkeitstransformation organisiert und umgesetzt werden? 

Welche Kompetenzen müssen Nachhaltigkeitsmanager*innen also konkret mitbringen? Diese Frage erkundet die Bildungsforschung zu Nachhaltigkeit bereits seit einigen Jahren. Während die Konzepte in den Details variieren, sind sich die Forschenden in einem einig: die Kombination aus Einstellungen/Weltansichten, Wissen und Fähigkeiten spielt eine entscheidende Rolle für erfolgreiches Nachhaltigkeitsmanagement. Dabei ist allerdings entscheidend, dass diese Fähigkeiten in den richtigen Situationen aktiv eingesetzt werden. Prof. Wiek von der Arizona State University forscht beispielsweise zur Lösung komplexer Nachhaltigkeitsprobleme. Er setzt auf fünf Schlüsselkompetenzen, die von Individuen aktiv in Handlung gebracht werden müssen, um erfolgreich zu sein: Systemisches und antizipatorisches Denken sowie zwischenmenschliche, strategische und normative Fähigkeiten. Neben den Kompetenzen sind aber auch Persönlichkeitsmerkmale wesentlich für den Erfolg von Nachhaltigkeitsmanger*innen.

Welche Persönlichkeitsmerkmale helfen Nachhaltigkeitsmanger*innen?

Ein Persönlichkeitsmuster für Nachhaltigkeitsmanager*innen gibt es nicht. Jedoch existieren gewisse Persönlichkeitsmerkmale, die Nachhaltigkeitsmanager*innen als Orientierung dienen können. Die intrinsische Motivation ist von besonderer Bedeutung: Nachhaltigkeitsmanager*innen müssen hinter den entsprechenden Werten stehen und für Nachhaltigkeit „brennen“, um langfristig nachhaltigkeitswirksam zu sein. Die Reichweite von Nachhaltigkeitsmanager*innen ist dabei breit. Sie liefern Impulse in verschiedenen Abteilungen des Unternehmens. Dabei sind Standpunkte und Sorgen von Stakeholdern neugierig und einfühlsam zu beachten, um Kooperationen zu ermöglichen und gemeinsame Werte zu entwickeln. Außerdem müssen sie beharrlich bleiben, was insbesondere einer hohen Frustrationstoleranz und einer Portion Selbstsicherheit bedarf. Um Impulse in Unternehmen wirksam unterzubringen, braucht es auch ein gutes Netzwerk und geeignete Kooperationen. 

Und was ist, wenn Persönlichkeitsmerkmale der Aufgabe nicht zuträglich sind?

Das Konzept der dunklen Triade von Persönlichkeitsmerkmalen ist eine etablierte psychologische Theorie, die besagt, dass Machiavellismus, Narzissmus und Psychopathie die in der Praxis häufigsten drei negativen Persönlichkeitsmerkmale sind. Diese Merkmale können zu Verhaltensweisen wie unethischem, überlegenem oder rücksichtslosem Tun führen. Prof. Pelster und Prof. Schaltegger haben untersucht, inwiefern diese negativen Persönlichkeitsmerkmale auch bei Nachhaltigkeitsmanager*innen des unteren und mittleren Managements zu finden sind. Sie fanden mit einer empirischen Untersuchung heraus, dass ca. 5 % der Nachhaltigkeitsmanager*innen solche Persönlichkeitsmerkmale besitzen, was der Verteilung der Merkmale unter Manager*innen generell entspricht. Nachhaltigkeitsmanager*innen sind im Durchschnitt also genauso wenig Gutmenschen oder schwierig wie andere Manager*innen. Da Nachhaltigkeitsmanagement einem Gemeinwohl dienen soll, ist es jedoch wichtig, die Persönlichkeitsmerkmale in Einstellungsprozessen zu berücksichtigen und die erwartete Nachhaltigkeitsleistung explizit zu formulieren, sodass mögliche negative Persönlichkeitsmerkmale kompensiert werden können (Pelster & Schaltegger 2022). Auch sollten diese Erkenntnisse in universitäre Lehrpläne für Nachhaltigkeitsmanager*innen einfließen. 

All dies kann Nachhaltigkeitsmanager*innen mit authentischem Interesse an Nachhaltigkeit helfen, unternehmerische Nachhaltigkeit voranzutreiben. Business Schools in Europa und den USA integrieren in vielen Fällen die Themen CSR, Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung erst nach und nach in Lehrpläne oder Lehrveranstaltungen als komplementäre und synergetische Themen. Zudem ist die Institutionalisierung und das Mainstreaming von CSR und Nachhaltigkeitsmanagement in der Ausbildung von Führungskräften in der Wirtschaft noch wenig entwickelt. Inzwischen sind Fachwissen und die Fähigkeiten zum Management der unternehmerischen Nachhaltigkeit jedoch zu einem immer wichtigeren Bestandteil verschiedener Karrierewege geworden. Es gibt fachliche und methodische Ansätze, die Förderung von Schlüsselkompetenzen für Nachhaltigkeit in Studiengänge zu integrieren, auch um besser mit Herausforderungen wie den negativen Persönlichkeitsmerkmalen von Kolleg*innen innerhalb und außerhalb des Nachhaltigkeitsmanagements umzugehen (Hesselbarth/Buhr/Schaltegger 2015). Denn die überwiegend große Mehrheit an Nachhaltigkeitsmanager*innen besitzt eine intrinsische Motivation für Nachhaltigkeit und ein Bedürfnis nach Purpose – einem Sinn der eigenen Arbeit außerhalb von Gewinnmaximierung - und kann so mit kritischem und systemischem Denken enorm viel bewirken. 

Deshalb lohnt es sich für Studierende, ihre Sicht der Welt zu hinterfragen, sich mit ihren eigenen Persönlichkeitsmerkmalen zu beschäftigen und ein reflektiertes Denken sowie ein eigenes Verständnis für komplexe und herausfordernde Themen zu entwickeln.

Persönlichkeit finden: In der Ausbildung

Der Bereich der Persönlichkeit spielt somit in der Bildung von Nachhaltigkeitsmanager*innen eine wichtige Rolle. Soziale und persönliche Kompetenzen werden im Studium erweitert und gestärkt. Diese persönlichen Kompetenzen und Soft Skills können vor allem in Präsenz-Seminaren und Workshops gestärkt werden. An der Leuphana Universität in Lüneburg wird auf das Lernkonzept des Blended Learnings gesetzt – also auf einen Mix aus E-Learning und Face-to-Face Einheiten. Diese werden außerdem durch On-Campus Seminare sowie unternehmensinterne Workshops ergänzt. So werden die Motivation, Solidarität und das Zusammengehörigkeitsgefühl von Studierenden gestärkt. Zusätzlich dienen diese Workshops zur Netzwerkbildung. Neben dem formalen Lernen ist insbesondere auch der informelle Austausch für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig. Denn der Austausch über Erfahrungen aus diversen Branchen über Disziplinen, Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg birgt enormes Potential zur Horizonterweiterung und somit auch zur Stärkung der eigenen Persönlichkeit.

Zeig deine Motivation!

Nicht nur im Privaten wird immer mehr auf sinnstiftende Lebensentwürfe gesetzt – auch in Unternehmen spielt Purpose eine immer größere Rolle. Dieser ist für die Motivation vieler Mitarbeiter*innen zentral. Die Frage nach dem „Warum“ bildet den Kern des Unternehmens und verbindet die unterschiedlichen Persönlichkeiten und kann in der Empfehlung münden: Kommuniziert und stärkt eure Persönlichkeit und euren Purpose. Vernetzt euch mit euren Kolleg*innen, tauscht euch aus und schaut, wie euer Purpose an die Unternehmensvision anknüpfen kann. Dann ist ein entscheidender Schritt getan, um eure Persönlichkeit und eure Kompetenzen zusammen mit anderen für die nachhaltige Entwicklung eures Unternehmens und darüber hinaus einzusetzen. 

 


 

Maike Buhr arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Nachhaltigkeitsökonomie und -management am Centre for Sustainability Management (CSM) der Leuphana Universität Lüneburg. Ihre Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Change Agents, Organisations- und Kompetenzentwicklung und Nachhaltigkeitsmanagement.

 

 

Anna Lorscheider arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centre for Sustainability Management (CSM) der Leuphana Universität Lüneburg. Sie berät Interessent*innen, die den MBA Sustainability Management studieren möchten.

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