Social Impact

SEO als „Good Job“? Kann man mit diesem Job die Welt verbessern?

SEO-Manager*innen nehmen Einfluss auf die Sichtbarkeit von Websites, sie können damit auch wichtige politische Arbeit leisten. Wie Suchmaschinenoptimierung als politisches Tool genutzt werden kann – das verrät Isabella von Hobe.

Isabella von Hobe

23.05.2024

Ein Macbook von der Seite auf dem zwei Hände tippen. Die schreibende Person trägt ein Türkis gemustertes Hemd.

Andres Ayrton via Pexels

Welchem Suchergebnis vertraust du mehr – dem auf Platz eins oder dem auf Seite zwei? Wahrscheinlich tendierst du intuitiv zu den ersten Ergebnissen, schließlich scheinen diese am relevantesten. Oder?

Ob und an welcher Stelle eine Website in den Suchergebnissen platziert ist, spielt eine immense Rolle. Was wir kaufen, was wir lesen, schlussendlich, wie wir die Welt wahrnehmen, bestimmen Suchmaschinen mit.

Die Art und Weise, wie Informationen in den Suchergebnissen präsentiert werden, hat einen erheblichen Einfluss auf unsere Meinungsbildung – und da kommen SEO-Manager*innen ins Spiel.

 

Was dich in diesem Artikel erwartet 

1️⃣ Wie funktioniert Suchmaschinenoptimierung?

2️⃣ SEO ist kein Sprint, sondern ein Marathon

3️⃣ Google bildet Meinung

4️⃣ Wie kann SEO die Welt verbessern?

5️⃣ Gute Perspektiven sichtbar machen

6️⃣ Voreingenommene Suchbegriffe übernehmen

7️⃣ Websites klimafreundlich gestalten

8️⃣ Fazit: Suchergebnisse haben Impact

 

Wie funktioniert Suchmaschinenoptimierung?

Kurze Erläuterung: SEO steht für Suchmaschinenoptimierung.

Als SEO-Manager*in arbeitest du auf das Ziel hin, die Sichtbarkeit einer Website in den organischen Suchergebnissen von Suchmaschinen wie Google, Bing und Yahoo zu verbessern.

 

SEO umfasst alle Strategien und Techniken, um die Position einer Website in den Suchergebnissen zu verbessern. Dabei wird zwischen On-Page- und Off-Page-SEO unterschieden:

🔍 On-Page-SEO beschreibt Maßnahmen zur Suchmaschinenoptimierung direkt auf einer Website. Dabei werden die Website-Inhalte auf bestimmte Keywords optimiert, ihre Ladezeit verbessert oder auch die Bedienbarkeit sowie der Nutzen für Website-Besucher*innen überprüft und angepasst.

🔍 Off-Page-SEO umfasst alle Optimierungsschritte, die außerhalb einer Website durchgeführt werden. Hier geht es beispielsweise darum, einer Website durch Verlinkungen einen Sichtbarkeitsboost zu verschaffen.

Eine Optimierung ist dann erfolgreich, wenn die Sichtbarkeit und das Ranking der Website auf den Suchergebnisseiten gezielt verbessert wird. Denn eine höhere Platzierung bedeutet mehr Website-Besuche für eine Website und das zieht bestenfalls mehr potenzielle Kund*innen oder Leser*innen an.

 

SEO ist kein Sprint, sondern ein Marathon

Nur wer einen langen Atem mitbringt, hat langfristigen SEO-Erfolg. Belastbarkeit und Geduld sind wichtig, da der SEO-Bereich komplex und manchmal unberechenbar ist. Oft wird unterschätzt, wie viel Arbeit nötig ist, um Top-Positionen in den Suchergebnissen zu erreichen und zu halten.

Als SEO-Manager*in ist es elementar, die Zielgruppen und ihre Absichten zu verstehen, Statistiken auszuwerten und neuesten Trends im Blick zu behalten. Durch Updates müssen immer wieder neue Anforderungen auf kreative Art und Weise bewältigen.

Dabei gibt es keine Garantie für gute Rankings. Ergebnisse zeigen sich selten sofort, oft dauert es Wochen oder Monate, bis sich Verbesserungen zeigen.

 

Doch was hat SEO jetzt mit Politik zu tun?

Viele denken bei Suchmaschinenoptimierung nur an konsumorientierte Marketingmaßnahmen. Doch SEO-Manager*innen haben mit ihren Strategien ein effektives Werkzeug für eine demokratische Debatte und sozialen Wandel in der Hand, indem sie wichtigen Projekten mehr Sichtbarkeit im Online-Raum geben.

 

Google bildet Meinung

Als meistgenutzte Suchmaschine mit einem Marktanteil von über 91 % weltweit ist Google neben Social Media die wichtigste Anlaufstelle zur Informationsbeschaffung. Wer gefunden werden will, muss allerdings ganz weit oben stehen: Die meisten Menschen schauen sich nur die ersten paar Suchergebnisse an und erfahrungsgemäß nehmen die Klickraten ab Platz 6 rasant ab. Willst du also, dass deine Website angeklickt wird, musst du Platz 1 bis 5 belegen – so bestimmst du den Diskurs zum eingegebenen Suchbegriff mit.

Die beiden Wissenschaftler, Robert Epstein und Ronald E. Robertson, forschten zu SEME (Search Engine Manipulation Effekt) und fanden heraus, dass die Art der Anzeige von Suchergebnissen in der Lage ist, Wahlen zu beeinflussen.

Zudem haben Robert Epstein und Ji Li untersucht, ob Suchmaschinen generell die Meinung von Menschen durch Suchergebnisse verändern. Sie schlussfolgern, dass der Algorithmus von Suchmaschinen Meinungen zu so gut wie allen Themen beeinflussen kann – insbesondere, wenn vorher noch keine starke Meinung bestand.

Dies legt nahe, dass Suchalgorithmen möglicherweise das Denken und Verhalten von Milliarden von Menschen weltweit beeinflussen.

 

Wie kann SEO die Welt verbessern?

Wenn wir davon ausgehen, dass Menschen durch die Suchergebnisse von Google beeinflusst werden, dann kann das im positiven Sinne in der SEO-Strategie genutzt werden. Schauen wir uns an, wie du als SEO-Manager*in die Welt verbessern kannst.

 

Gute Perspektiven sichtbar machen

Suchmaschinenoptimierung kann als eine Form von politischem Aktivismus genutzt werden, um vielfältige Perspektiven zu zeigen und diversifizierte Meinungsbildung zu ermöglichen. So können Nutzer*innen faktenbasierte Inhalte und diverse Standpunkte finden.

Suchmaschinen sind Gatekeeper für Informationen – Ansichten, Meinungen und Informationen, die nicht gefunden werden, bekommen kaum Aufmerksamkeit. Doch das lässt sich ändern. Gerade NGOs, die oft Berührungsängste mit dem Thema SEO haben, bergen häufig viel Potenzial für Non-Profit-SEO.

Ein Beispiel: Eine Website, die aus einem feministischen Blickwinkel berichtet, möchte zu gesellschaftspolitischen Suchbegriffen gefunden werden – mit einer smarten SEO-Optimierung ist das möglich.

 

Voreingenommene Suchbegriffe übernehmen

Es ist kein Geheimnis, dass im Internet viel Platz von antidemokratischen, rassistischen und antifeministischen Inhalten sowie Fake News eingenommen wird. Durch politisches SEO kann man dagegen halten, und zwar mit aufklärenden Inhalten und Fakten weit oben in den Suchergebnissen. Doch wie geht man das an?

Die Studie von Alisa Rieger et al. (2024) zeigt: Für die Meinungsbildung ist es wichtig, sich aus einer Vielfalt von Stimmen zu informieren. Dies ist im Internet, wenn mithilfe von Suchmaschinen gesucht wird, gar nicht so einfach. Denn wie wir suchen, bestimmt, was wir finden.

Wenn man beispielsweise einen neutralen Suchbegriff zu Geflüchteten in Deutschland in die Suchmaschine eingibt, dann werden die ersten Suchergebnisse vor allem sachlich aufklärende Inhalte sein. Bei der Eingabe von voreingenommenen Suchbegriffen, die zum Beispiel in rechtsextremen Kreisen verwendet werden, wird man schon eher Suchergebnisse von weniger neutralen Quellen vorfinden.

Und hier liegt der Hebel als SEO-Manager*in: Durch gezielte Optimierung auf Suchbegriffe, die beispielsweise nicht sachlich sind, lässt sich die Platzierung von neutraleren, faktenbasierten Suchergebnisse zwischen voreingenommenen Quellen herbeiführen. Dies kann der Verzerrung der Suchergebnisse entgegenwirken.

 

Websites klimafreundlich gestalten

Wie kann SEO genutzt werden, um dem Klimawandel entgegenzuwirken? Auch hier können SEO-Manager*innen entsprechenden Initiativen mehr Sichtbarkeit verschaffen und so das Bewusstsein für Klimathemen schärfen.

Zudem kann Suchmaschinenoptimierung auch ein Stückchen dazu beitragen, dass das Internet eine bessere Ökobilanz erhält. Bei der technischen und inhaltlichen Optimierung können SEO-Manager*innen auf unterschiedliche Punkte achten, um Websites klimafreundlicher zu gestalten.

Das ist eine Win-win-Situation: Einerseits kann dadurch CO₂ eingespart werden – andererseits kann das Ranking der Website durch schnellere Ladezeiten und eine klare Informationsstruktur verbessert werden.

 

Je besser Suchmaschinen Websites verstehen und Nutzer*innen direkt das beste Ergebnis liefern können, umso weniger müssen diese sich durchklicken und surfen – auch das ist gut fürs Klima. Zumindest in der Theorie: Wird die eingesparte Zeit dann auf Netflix verbraucht, geht der Effekt natürlich verloren.

 

Fazit: Suchergebnisse haben Impact

Du merkst schon: Egal, in welchem Bereich du Websites als SEO-Manager*in betreust – du nimmst aktiv Einfluss auf die Meinungsbildung der Suchenden.

Dabei hängt es stark davon ab, für wen oder was du SEO anbietest. Suchmaschinenoptimierung, die beispielsweise unnötige Produkte pusht und einfach nur zu immer mehr Konsum anregt, macht die Welt sicherlich nicht besser. Überlege dir also gut, in welchem Kontext und für welche Ziele du arbeiten willst.

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Über die Autorin

 

Isabella von Hobe arbeitet im Bereich Webstrategie und Konzeption. Sie ist Expertin für prägnante, SEO-wirksame Inhalte, die den Diskurs mitbestimmen. Isabella ist Teil der ACB-Webagentur und engagiert sich bei °Cleaner Web.