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Gründung auf Distanz - Wie wir in Krisenzeiten ein Produkt an den Markt bringen

Zukunftsmusik oder das New Normal? So entsteht ortsunabhängig ein FMCG Start-up für nachhaltige Körperpflege das Plastikmüll den Kampf ansagt.

Claudia Heldt

17.02.2021

600 Kilometer und ein Pandemie bedingter Lockdown trennen die Gründungsmitglieder*innen des Fast Moving Consumer Goods (FMCG) Future Stories. Die einen sitzen in Hamburg, die anderen in München - doch gemeinsam entwickeln sie das erste Produkt und ein Sustainable Business, das Verpackungsmüll im Badezimmer an den Kragen will. Wie das gelingen kann, erzählt uns Martina Ponath, Mitgründerin.

“So, jetzt sind wir live.” virtuelles chin-chin

Gründen gehört wie die erste eigene Wohnung oder das Bestehen der Führerscheinprüfung zu Ereignissen im Leben, die man nicht mehr vergisst. Aktuell findet das Feiern dieser Ereignisse überwiegend am Bildschirm statt und so werden sich auch die Gründer*innen des Impact Business Future Stories Martina Ponath, Carsten Wille und Mark Luebcke an symbolisches Anstoßen im Video Call erinnern, wenn sie an den Live-Gang ihres Onlineshops denken. Dabei sind sie im ortsunabhängigen Austausch super routiniert, denn seit Anfang an arbeiten die Kolleg*innen remote von den unterschiedlichen Lebensmittelpunkten im Norden und Südes des Landes aus zusammen an der Gründung von Future Stories. 

Mit Refill Pulver für Duschgel und Handseife schafft Future Stories eine Alternative zu Gelprodukten und Flüssigseifen in Einweg-Flaschen. Im Abo erhalten Kund*innen das Pulver, das sie sich in einer langlebigen Tritan Flasche mit Wasser anmischen. Die Refill-Tütchen passen in einen Briefumschlag und sparen viel Transportvolumen. Ziel der Unternehmensgründung und Produktentwicklung ist es, einen möglichst großen Impact auf die Gesellschaft und die Umwelt zu generieren. Die in Bayern produzierte Mehrwegflasche zum Mischen und Aufbewahren wird mit Einzahlungen in das Unternehmen Plastik Bank kompensiert. Mit diesen Geldbeträgen werden Menschen, die mit dem Sammeln von angeschwemmten Plastikmüll Strände säubern, unterstützt. Für jedes Refill pflanzt Future Stories zusammen mit Eden Reforestation Projects einen Baum. 

Die erste Produktentwicklung ist den Kolleg*innen quasi im jeweiligen Wohnzimmer gelungen. Immer wieder probieren und testen sie, schicken sich Projektstände hin und her. In Videokonferenzen konzeptionieren sie an ihrem Körperpflegeprodukt und bauen gemeinsam an Präsentationen. “Das haben wir als anstrengender für die Konzentration wahrgenommen, als es in normalen Meetings der Fall gewesen wäre.” sagt Martina Ponath. Die Drei tauschen sich zu Herausforderungen mit ihren bestehenden Netzwerken oder befreundeten Start-ups aus, stellen Fragen über Messenger Dienste sozialer Netzwerke und telefonierten zu Tipps und Hinweisen mit Produzenten*innen. Internettelefonie entwickelt sich auch in der Kommunikation mit Partnern schnell zur Normalität. Auf gemeinsam Erfolge Feiern und spontane Gespräche müssen sie remote allerdings verzichten. 

Abgesagtes Weihnachtsgeschäft und beherrschendes mediales Thema

Ein erheblicher Nachteil am Gründen in der Krise ist, dass alles langsamer geht. Geringere Kapazitäten und längere Lieferzeiten lassen jede Milestone Planung überambitioniert wirken. “Eigentlich war der Livegang des Online-Shops bereits für Dezember geplant. Als klar wurde, dass die Bestellungen jedoch nicht rechtzeitig vor Weihnachten ankommen würden, entschieden wir uns gegen mögliche Enttäuschung von Dienstleistern, ersten Kund*innen und uns selbst und verlegten den Start in das neue Jahr und den Januar 2021.”   

Die crossmediale Marketingstrategie zur Markteinführung muss nicht extra geändert werden, allerdings beherrscht die Krise alle Kanäle und lässt wenig Platz für Themen wie Klimawandel, Umweltschutz und das Plastikmüll Problem. “Auch wenn die Themen anscheinend in den Hintergrund gerückt sind, hoffen wir, dass das Bewusstsein in den Köpfen der Menschen da ist.”

Es ergaben sich aber auch Vorteile aus dem Gründer*innen Homeoffice. So geht Martina Ponath nach einem digitalen Meeting aus dem Videoraum raus und hat volle Konzentration auf die Dinge, die erledigt werden müssen. Cloudbasierte Dienste und mobile messaging erleichtern das Gründen auf Distanz. 

Ausblick

In Zukunft sollen weitere Produkte des täglichen Bedarfs wie Haarshampoo entwickelt werden. “Wir wollen mit Future Stories dazu beitragen Verpackungsmüll in Badezimmern zu reduzieren und den Umstieg zu nachhaltigen Produkten leichter zu machen, ohne Gewohnheiten umstellen zu müssen: Mit derselben Geltextur wie handelsübliche Duschgels und Flüssigseifen, aber eben mit weniger Verpackungsmüll. Nachhaltig muss nicht immer unbequem sein, genau das wollen wir beweisen.” Martina Ponath 


Die FUTURE STORIES GmbH wurde im Juli 2020 gegründet Die eine Hälfte des Gründer*innenteams sitzt in Hamburg: Carsten Wille, Gründer und ehemals CEO des Gemüse-Retter-Startups etepetete, und Mark Lübcke, eCommerce Experte und Software Entwickler. In München baut Martina Ponath, Marketing Expertin und ehemals Head of Marketing bei etepetete, unter anderem das Marketing Team auf.
Mehr dazu auf www.future-stories.com

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