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Globaler Klimastreik – Was du als Angestellte*r wissen musst

Am 24. September ist auch die Arbeitswelt dazu aufgerufen, Maus, Bohrer und Haarschere niederzulegen und für das Klima auf die Straße zu gehen. Erfahre, wie du als Arbeitnehmer*in den Streik unterstützen kannst.

Lea Thin, Julia Dillan

22.09.2021

Menschen die ein Pappschild mit Aufschrift 'Planet over Profit' halten

© Markus Spiske via unsplash

Am Freitag, den 24. September streiken nicht nur Schüler*innen und Aktivist*innen. Auch die Arbeitswelt ist aufgerufen, an diesem Tag Maus, Stift, Bohrmaschine oder Haarschere niederzulegen und für das Klima auf die Straßen zu gehen. Nicht nur die Wahl am 26. September ist ein wichtiger Grund, um laut zu werden. Der neueste IPCC Report zeigt, dass uns nicht mehr viel Zeit bleibt, um das 1,5 Grad Ziel zu erreichen. Die einzige Möglichkeit liegt darin, dass Regierungen und Unternehmen gemeinsam handeln. Da ist gerade die Arbeitswelt ein wichtiger Bereich für Veränderung. Viele Unternehmen haben bereits angekündigt, dass sie den Streik unterstützen, indem sie ihre Mitarbeiter*innen freistellen, um an den deutschlandweiten Demonstrationen teilzunehmen. Was du als Arbeitnehmer*in tun kannst und wissen musst, um Teil des globalen Klimastreiks zu sein, das erfährst du hier.

Darf ich als Angestellte*r an diesem Tag einfach die Arbeit schwänzen? 

Die Antwort ist leider: Nein. Zwar dürfen zum Beispiel Lokführer*innen und Flugbegleiter*innen nach deutschem Arbeitsrecht streiken, um bessere Arbeitsbedingungen, also einen Tarifvertrag, zu erwirken. Streiks sind aber nur dann rechtlich zulässig, wenn sie von einer Gewerkschaft getragen werden. Ein Streik, welcher die Politik zu mehr Klimaschutz bewegen soll, ist jedoch arbeitsrechtlich nicht geschützt. Vielmehr handelt es sich dabei um einen politischen, oder auch einen sogenannten “wilden Streik”. Bleibt ihr einfach von der Arbeit fern, ohne, dass der*die Arbeitgeber*in euch für die Demonstration frei gegeben hat, begeht ihr also Vertragsbruch. Das bedeutet nicht nur, dass ihr für diesen (nicht wahrgenommenen) Arbeitstag nicht bezahlt werdet, es könnten sogar arbeitsrechtliche Sanktionen drohen. Diese können von einer Abmahnung über eine ordentliche Kündigung bis hin zu einer fristlosen Kündigung führen. Wenn ihr euch also am 20. September engagieren wollt, solltet ihr euch vorher absichern. 

Arbeitsrechte kennen – und Sanktionen anfechten

Hast du dich kurzerhand entschlossen, unerlaubt von der Arbeit fernzubleiben um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren und dein*e Arbeitgeber*in hat dich gekündigt? Dann hast du die Möglichkeit dagegen gerichtlich vorzugehen! Wichtig ist, dass du innerhalb von drei Wochen nach Erhalt der Kündigung beim Arbeitsgericht klagst. Aber mach dir nicht allzu große Hoffnungen – nach deutschem Arbeitsrecht sind Sanktionen bei sogenannten “wilden Streiks” zulässig und eine Niederlage vor Gericht für dich wahrscheinlich. 

Nimm dir Urlaub

Eine weitaus sicherere Methode ist es, sich für den Streiktag Urlaub zu nehmen. So kannst du am 24. September dein Commitment in Sachen Klimaschutz zeigen und bekommst den Tag sogar noch bezahlt. Normalerweise muss dir dieser Urlaub auch gegeben werden, das steht im Bundesurlaubsgesetz (ja, soetwas gibt es wirklich). Einzig wenn Urlaubswünsche deiner Kolleg*innen vorrangig zu berücksichtigen sind, zum Beispiel weil sie ihren Urlaub lange vor dir gemeldet haben und du sie vertreten musst, oder dringliche betriebliche Belange bestehen, kann es sein, dass dein Urlaub abgelehnt wird. 

Sei einfach ehrlich

Ganz ohne viel Gemauschel: sag einfach offen und ehrlich, dass dir das Thema Klima am Herzen liegt und du gerne an der Demonstration teilnehmen möchtest. Sicher findet ihr gemeinsam eine einvernehmliche Lösung – sei es in Form eines Urlaubstags, einer Freistellung, eines Ausgleichs von Überstunden oder der Absprache, dass du im Home Office ein paar Stunden zum Streik gehen darfst. 

Überzeuge dein Unternehmen, mitzumachen 

Das Naheliegendste ist natürlich, euer Unternehmen davon zu überzeugen, den Klimastreik selbst zu unterstützen. Und dafür habt ihr ein paar gute Argumente. Nicht nur, dass sich dein*e Arbeitgeber*in damit für eine lebenswerte Zukunft für nachfolgende Generationen einsetzt, jedes Engagement trägt auch zu einem positiven Firmenimage bei. Gerade wenn du einen GoodJob hast, sollte eigentlich nicht mehr viel Überzeugungsarbeit notwendig sein – sofern dein Unternehmen das Versprechen ernst meint! Auch uns findet ihr am Freitag auf dem Klimastreik!

Wenn du dennoch nicht zum Streik gehen kannst

Für einen Urlaubsantrag ist es zu spät, du hast Menschen, um die du dich kümmern musst, darfst nicht im Home Office arbeiten oder dein*e Arbeitgeber*in erlaubt diesen Freitag einfach nicht, zum Streik zu gehen? Alternativ kannst du auch online auf den Streik aufmerksam machen, zum Beispiel mit Profilbild Generator von Fridays For Future, dem Teilen von Posts und Aufrufen oder einem eigenen Statement. Letztendlich geht es ja darum, dass möglichst viel Unterstützung für die Thematik sichtbar wird. Als im letzten Jahr durch den Lockdown keine Streiks möglich waren, haben die Teilnehmenden dennoch mit ihren Protestplakaten Fotos gemacht und geteilt. Eine weitere Möglichkeit, vor und nach der Wahl den verantwortlichen Politiker*innen zu zeigen, wie wichtig dir die Einhaltung des 1,5 Grad Zieles ist, kannst du ihnen genau das schreiben! Sie sollen ja unsere Interessen vertreten und je mehr ernstgemeinte Nachrichten sie in dieser Hinsicht bekommen, desto eher stimmen sie nach der Wahl für besseren und schnelleren Klimaschutz. Hier kannst du deine Abgeordneten für deinen Wahlkreis filtern und die Kontaktdaten herausfinden. Interessanterweise steht dort auch, wer bei Abstimmungen wie gestimmt hat. Wichtige Veränderungen fangen mit der Lokalpolitik an!

Tags

    Klimaschutz

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